Rimo Neuhäuser mag es sich gar nicht vorstellen. „Wenn sie käme, wäre das schon krass“, sagt der Betriebsleiter der Schweinezuchtanlage Tiggemann in Lindendorf (Märkisch-Oderland) kurz vor der polnischen Grenze. Die Sorge Neuhäusers richtet sich auf die Afrikanische Schweinepest, die sich seit Jahren von Georgien aus Richtung Westen ausbreitet. In Polen sind im vergangenen Jahr 171 Fälle bekannt geworden, die Dunkelziffer liegt deutlich darüber. Die Frage ist nicht mehr, ob die Schweinepest Brandenburg erreicht, sondern wann.

Ein Ausbreiten der Krankheit hätte verheerende Folgen für die Landwirtschaft. Die Krankheit ist hochansteckend, es gibt keine Behandlung und sie endet tödlich. Für Menschen ist sie ungefährlich. Tritt ein Fall auf, muss der ganze Tierbestand getötet werden, um ein weiteres Ausbreiten zu verhindern. Außerdem werden Ausfuhrverbote verhängt. Für Betriebe wie die Schweinezuchtanlage Tiggemann könnte das existenzbedrohend sein. „Wir sind ein reiner Zuchtbetrieb und liefern unsere Tiere nach ganz Europa“, sagt Neuhäuser. Das wäre dann nicht mehr möglich. Laut Bundesbauernverband würden für die deutsche Landwirtschaft Schäden in Milliardenhöhe entstehen.

Seit Monaten bereitet die Brandenburger Landesregierung daher Krisenpläne vor, was im Fall der Fälle zu tun ist. „Wir haben im November eine zweitägige Übung zusammen mit Veterinärämtern und Kommunen durchgeführt“, sagt der Sprecher des Verbraucherschutzministeriums, Uwe Krink. Außerdem habe das Ministerium sich an alle Tierhalter im Land gewandt und Ratschläge zur Hygiene und zum richtigen Verhalten gegeben. „Wir sind vorbereitet zu handeln, um die landwirtschaftliche Schweinehaltung zu sichern“, sagt Krink.

Menschen transportieren den Erreger über weite Strecken

Auch die Berliner Verwaltung ist alarmiert. Es habe Handlungsanweisungen an die Bezirke gegeben und die Öffentlichkeit soll in den kommenden Tagen zur Vorsicht aufgerufen werden, hieß es am Dienstag. „Wir sind auf mögliche Fälle vorbereitet“, sagt der Sprecher des Senators für Verbraucherschutz, Michael Reis.

Die Afrikanische Schweinepest hat ihren Ursprung – wie der Name bereits nahelegt – in Afrika. Von dort aus gelangte sie 2007 in den Kaukasus. Die tödliche Viruserkrankung wird vor allem von Wildschweinen übertragen. Da der Bestand in den Wäldern Polens und Brandenburgs besonders hoch ist, ist auch die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Pest hier ankommen wird.

Aber auch der Mensch ist für die Ausbreitung verantwortlich, dann nämlich, wenn infizierte Wurstwaren aus betroffenen Gebieten in andere Regionen transportiert werden. So ist die Krankheit offenbar vom Osten Polens 500 Kilometer weit bis nach Tschechien gelangt, wo jetzt erstmals Fälle der Schweinepest festgestellt wurden.

„500 Kilometer sind es auch von Warschau bis hierher“, sagt Betriebsleiter Neuhäuser. In der Schweinezuchtanlage wurden die Mitarbeiter deshalb noch einmal für die Gefahren einer Übertragung sensibilisiert. Dazu gehört: Kontakt mit Wildschweinen meiden, Türen geschlossen halten und vor allem keine Rohwurst, wie Hackepeter oder Salami, im Stall verzehren.

Laut Bundesinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Loeffler-Institut) mit Sitz auf der Insel Riems entwickeln infizierte Tiere schwere, aber unspezifische Symptome. Sie verlieren den Fluchtinstinkt, nehmen keine Nahrung auf oder leiden unter Gleichgewichtsstörungen. Durch tote Tiere kann der Virus noch wochenlang weiter übertragen werden.

Zum Schutz werden mehr Wildschweine geschossen

Um die natürliche Ausbreitung der Krankheit einzudämmen, sind Brandenburgs Jäger aufgefordert, den Bestand der Wildschweine weiter zu senken. Zwar werden im Land bereits rund 80.000 Tiere pro Jahr geschossen, die Zahl soll aber weiter erhöht werden. Durch die milden Winter der vergangenen Jahre überleben immer mehr Jungtiere, sodass sich der Bestand trotz der Abschusszahlen weiter erhöht. Derzeit beraten Brandenburgs Ministerien für Landwirtschaft und für Verbraucherschutz über weitere Anreize für Jäger, noch mehr Wildschweine zu jagen.

Doch ob das hilft, die Schweinepest aus dem Land zu halten, ist fraglich. In Polen wurden rund um die betroffenen Gebiete Schutzzonen eingerichtet, in denen Wildschweine radikal bejagt wurden. Doch das, so Jan Blaszczyk von der staatlichen polnischen Forstbehörde, verlangsame die Verbreitung lediglich, stoppe sie aber nicht.