Der seit Jahren geplante Wiederaufbau der Garnisonkirche beginnt am 29. Oktober. Dazu findet am selben Tag eine kirchliche Feier auf der Baustelle statt, zu dem der Vorstand der Stiftung Garnisonkirche eingeladen hat. „Mit großer Freude laden wir Sie herzlich zum Gottesdienst ‚Eine Kultur des Friedens bauen‘ auf die Baufläche der Garnisonkirche Potsdam ein“, heißt es in einer Mitteilung der Stiftung. „Mit dem wir den Segen für gutes Gelingen des Bauprojektes erbitten und den Baubeginn des Turmes der Garnisonkirche Potsdam feiern wollen.“ Die Predigt um 16 Uhr wird von Alt-Bischof Wolfgang Huber gehalten.
Der Bauzaun an der Breiten Straße in der historischen Mitte Potsdams wurde bereits Anfang der Woche eingerichtet, die ersten Arbeiten für das Fundament des Turms mit 42 Pfählen sollen in den kommenden Tagen beginnen. Der Kirchturm soll mit Mitteln in Höhe von 26,1 Millionen Euro zunächst ohne Turmhelm, Glockenspiel und barocke Verzierungen gebaut werden. Dazu stellt der Bund zwölf Millionen Euro zur Verfügung, der Rest wird durch Spenden aufgebracht.

Noch vor einem Jahr drohte das viel diskutierte und umstrittene Projekt in der brandenburgischen Landeshauptstadt zu scheitern, weil die Spendenbereitschaft sank. Im vergangenen Jahr konnte die Stiftung dann aber gleich drei Großspenden vermelden. Eine davon kam von TV-Moderator und Wahl-Potsdamer Günther Jauch. Er stellt 1,5 Millionen Euro bereit. Auch die evangelische Kirche sagte mehrere Darlehen in einer Gesamthöhe von fünf Millionen Euro zu. Mit dem Baubeginn am 29. Oktober sind die jahrelangen Planungen und Vorarbeiten vorerst beendet. Der Widerstand dagegen läuft allerdings weiter. Gegen den Wiederaufbau gibt es seit Jahren Widerstand von mehreren Organisationen. Die Bürgerinitiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“ und die evangelische Initiative „Christen brauchen keine Garnisonkirche“ eint das Argument, dass das Gotteshaus in preußischen Zeiten als Militärkirche diente, in der Krieg gepredigt und Soldaten auf Gehorsam bis in den Tod eingestimmt worden seien. Zudem befürchtet die Bürgerinitiative bei geschätzten Gesamtkosten von 100 Millionen Euro für Turm und Kirchenschiff die Verschwendung von Steuer- und Kirchengeldern.
Eine Vergangenheit als Militärkirche
Das Bündnis „Stadtmitte für Alle“ hat in dieser Woche erneut einen Baustopp gefordert. „Der Beginn des Wiederaufbaus der Garnisonkirche – eines Symbols des preußischen Militarismus – in direkter zeitlicher Parallele zum erstmaligen Einzug der AfD in den Bundestag wirkt wie ein symbolisches Geschenk an die alten und konservativen Eliten und bietet sich den neuen Rechten als Aufmarsch- und Projektionsfläche, als Pilger- und Symbolort an“, heißt es in einer Erklärung des Bündnisses.
Die Garnisonkirche war im März 1933 die Kulisse für den „Tag von Potsdam“, als mit dem Handschlag zwischen Reichskanzler Adolf Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg „das verheerende Bündnis zwischen konservativem Bürgertum, preußischem Militär und Nazi-Führung mit kirchlichem Zeremoniell besiegelt wurde“, wie es in einer Erklärung der Christen-Initiative heißt.
Die Kirche, die als Hauptwerk des preußischen Barocks gilt, war 1968 auf Geheiß der DDR-Regierung gesprengt worden, obwohl sie trotz Kriegsschäden nicht einsturzgefährdet war. Die Bundesregierung hat das Gotteshaus als bedeutendes nationales Kulturbauwerk eingestuft. Schirmherr des Bauprojekts ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die Baugenehmigung liegt seit 2013 vor.
Passend zum geplanten Baubeginn hat nun auch die Bundesregierung ihren Zwölf-Millionen-Euro-Anteil für die Kirche freigegeben. Schon im Mai hatte die Bundesregierung die Mittel zugesagt, sodass die Stiftung die ersten Ausschreibungen auf den Weg bringen konnte. Konkrete Aufbaupläne gibt es derzeit nur für den Turm. Die Entwürfe stammen von Thomas Albrecht vom Berliner Büro Hilmer & Sattler und Albrecht. Er ist auch beim Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses beteiligt und einer der Architekten des Potsdamer Kunstmuseums Barberini.
Noch nicht endgültig geklärt ist, was mit dem ehemaligen Rechenzentrum geschieht, das direkt neben dem geplanten Turm steht. Das ehemalige Verwaltungsgebäude wird derzeit von Künstlern genutzt. Sie sollten das Gebäude ursprünglich bis zum 31. August verlassen, doch die Stadt sucht derzeit nach einer Lösung, die Künstler länger in ihren Ateliers arbeiten zu lassen. Das Gebäude befindet sich teilweise auf dem Gelände des alten Kirchenschiffs, für das es allerdings noch keine konkreten Aufbaupläne gibt.


