Schulzendorf

Fundament untergraben: Vater bringt Haus zum Einsturz

Bei eigenständigen Bauarbeiten an der Hauswand sackt das Fundament ab, zwei Wände brechen weg. Die Gemeinde will Spenden sammeln.

Die Familie blickt in Schulzendorf auf die Trümmer ihres Hauses. Der Familienvater hatte das Fundament untergraben

Die Familie blickt in Schulzendorf auf die Trümmer ihres Hauses. Der Familienvater hatte das Fundament untergraben

Foto: Morris Pudwell

Schulzendorf.  Den Traum von den eigenen vier Wänden hatte sich ein Familienvater aus Schulzendorf (Dahme-Spreewald) am Stadtrand von Berlin eigentlich schon erfüllt. Umso fassungsloser starrte er am Dienstagabend vom Gartenzaun aus in sein Haus, direkt ins Wohnzimmer. Eine Freiluft-Couch, die hatte er nicht gewollt. Bei eigenständigen Grabungsarbeiten an der Hauswand sackte das Fundament ab, zwei Wände brachen weg. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Für Trockenlegungsarbeiten buddelte der Hauseigentümer etwas zu tief entlang der Hauswand, mit fatalen Folgen. Der Sand unter dem Fundament brach weg, dadurch verschob sich die Statik des Gebäudes. Zwei Wände brachen ein und entblößten das Innere des Wohnzimmers, in dem die Familie an dem Abend saß. Gerade noch rechtzeitig konnten sich die Bewohner in Sicherheit bringen. Da auch das Dach einzustürzen drohte, rückten die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk (THW) an. Die Welt des Familienvaters war da längst zusammengebrochen.

„Er steht ziemlich unter Schock“, sagt der hauptamtliche Bürgermeister der Gemeinde Schulzendorf, Markus Mücke. „Er hat sein Lebensziel zusammenbrechen sehen“, beschreibt er den Gefühlszustand des Hauseigentümers, der darum bat, selbst keine Auskünfte geben zu müssen. Er wolle zunächst in Ruhe sein Unglück verarbeiten. Hilfe erhält der Schulzendorfer dabei von der Gemeinde: „Wir wollen ein Spendenkonto einrichten“, sagt Mücke. Bereits am Mittwochabend solle es freigeschaltet werden.

Haus darf bis auf Weiteres nicht betreten werden

Die Familie ist vorerst bei Nachbarn unterkommen, ihr eigenes Haus dürfen sie bis auf Weiteres nicht betreten. Verboten hat ihnen das die Bauaufsicht des Landkreises, zu groß sei auf dem Grundstück noch die Einsturzgefahr, erklärt der Bürgermeister. Und sollte doch eine andere Unterkunft als die bei den Nachbarn benötigt werden, stünde eine Wohnung in Königs Wusterhausen als Übergangslösung zur Verfügung, versichert Mücke. Unterdessen hat das THW einen Stahlträger am Haus angebracht, um dieses zu stützen. Wie es nun mit dem Eigenheim weitergeht, muss sich der Besitzer selbst überlegen.

Damit es anderen nicht auch so ergeht wie dem Schulzendorfer Familienvater, hat die Berliner Morgenpost Ratschläge von Experten eingeholt. Nach Ansicht des Diplom-Ingenieurs Detlef Koßagk sollten Laien es demnach vermeiden, selbstständig Arbeiten am Fundament zu verrichten. Selbst er als Maurer und Betonbauer hätte es „persönlich nicht gemacht“. Stattdessen sollten Architekten und Statiker hinzugezogen werden, um Tragödien wie diese zu vermeiden. „Es sollte vorher berechnet und geprüft werden“, meint der Experte. Ob Dachverankerung oder der Baugrund, ein Objekt könne durch ganz unterschiedliche Schwachstellen in Mitleidenschaft gezogen werden. Eine Ferndiagnose wolle er zwar nicht stellen, aber Arbeiten in Eigenregie ohne professionelle Unterstützung würden immer ein Risiko bergen.

Die Grenze zwischen dem was „man selbst hinkriegt“ und was besser qualifizierten Unternehmen überlassen werden sollte, „ist spätestens da zu sehen, wo Bereiche tangiert werden, die die Standsicherheit eines Gebäudes betreffen“, erklärt Diplom-Ingenieur Christoph Bock von der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg. Davon betroffen seien vor allem Arbeiten an tragenden Wänden, Fundamenten oder Bodenplatten. „Das Beispiel mit der Fundamentfreilegung zeigt deutlich, dass Bauarbeiten alles andere als einfach sind und viele Privatpersonen die Komplexität von Bauarbeiten unter- und ihr eigenes Können überschätzen“, sagt Bock. „Do-it-yourself“-Hausbesitzer sollten daher auch Arbeiten an der Elektrik und Gasversorgung Profis überlassen.

Teil der Handwerkerkosten bei Steuer geltend machen

Das Freilegen von Fundamenten sei selbst für Fachfirmen keine triviale Angelegenheit. „Für die Umsetzung der Arbeiten benötigt man mindestens eine abgeschlossene Berufsausbildung im Baubereich“, urteilt der Experte. Zudem könnten Kunden von Fachbetrieben bei der Steuererklärung einen Teil der Handwerkerkosten geltend machen. Am Ende könne so viel Frust vermieden werden, sagt Bock.

Bis der in Schulzendorf abgebaut ist, dürfte es noch eine Weile dauern. Eine Hoffnung dürfte vor allem auf dem Spendenaufruf der Gemeinde liegen. Kommt genügend Geld für eine Renovierung zusammen, könnte die Familie ihr Haus bald wieder betreten dürfen. Dass sich der Eigentümer künftig nochmal selbst an Fundamentarbeiten wagt, scheint jedenfalls unwahrscheinlich. Nicht, dass der Traum aus vier, erneut in einem Albtraum aus drei Wänden endet.