Wölfe in Brandenburg

Brandenburg legt als erstes Bundesland Wolfsverordnung vor

In der Verordnung ist erstmals definiert, was ein „Problemwolf“ ist. Auch Abschüsse sollen möglich sein.

In Brandenburg leben 21 Wolfsrudel und zwei Paare – ein Drittel aller Wölfe in Deutschland

In Brandenburg leben 21 Wolfsrudel und zwei Paare – ein Drittel aller Wölfe in Deutschland

Foto: dpa Picture-Alliance / Patrick Pleul / picture alliance / ZB

Potsdam.  Brandenburg will als erstes Bundesland den Umgang mit Problemwölfen bis hin zum Abschuss verbindlich regeln. Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) hat dazu eine erste Wolfsverordnung vorgelegt. „Es geht nicht um eine Jagd auf Wölfe“, sagte Vogelsänger. „Wir müssen aber handeln, wenn ein Wolf wie in Rathenow Ende letzten Jahres in Siedlungsbereiche vordringt oder wenn er zum Beispiel besonders geschützte Weidetieranlagen überwindet.“

In der Verordnung ist auch erstmals definiert, was ein „Problemwolf“ ist. Vor allem Landwirte beschweren sich seit Langem über die steigenden Verlustzahlen bei ihren Weidetieren durch den Wolf. Als problematisches Verhalten gilt demnach, wenn ein Wolf wiederholt in Siedlungen eindringt, sich Menschen aggressiv nähert oder wiederholt geschützte Weide- oder Nutztiere reißt. In diesen Fällen soll künftig das Erschießen erlaubt sein, wenn andere Mittel, wie das Vertreiben, nicht helfen.

Ein Drittel aller Wölfe leben in Brandenburg

Seit der Rückkehr der Wölfe nach Brandenburg vor etwa 15 Jahren steigt deren Zahl kontinuierlich an. Inzwischen leben 21 Rudel und zwei Paare im Land, ungefähr ein Drittel aller Wölfe in Deutschland. Deutschlandweit sind derzeit 61 Rudel bekannt. In Brandenburg ist der Handlungsdruck deshalb am höchsten. „Weil Brandenburg mit der Wolfsverordnung bundesweit Vorreiter ist und weil hier unterschiedliche Interessenlagen aufeinanderstoßen, legen wir großen Wert darauf, Umwelt- und Landnutzerverbände frühzeitig zu beteiligen“, sagte Vogelsänger. Die Verbände haben einen Monat Zeit, ihre Änderungsvorschläge einzubringen.

Der Entwurf des Landwirtschaftsministers wird überwiegend positiv aufgenommen. „Es ist gut, dass jetzt etwas auf dem Tisch liegt“, sagt Landesbauernpräsident Henrik Wendorff. Allerdings müsse noch an einer praktikablen Lösung gesucht werden, die Ziele auch lebensnah umzusetzen. „Wir brauchen intelligente Lösungen für ein intelligentes Tier“, so Wendorff.

Die Fraktion der Grünen bewertet die Vorlage der Wolfsverordnung ebenfalls positiv. „Eine Wolfsverordnung kann hilfreich sein, klare Regelungen zum Umgang mit dem Wolf zu treffen“, sagte der umweltpolitische Sprecher der Fraktion, Benjamin Raschke. Das vorgesehene mehrstufige Verfahren, bis es als letzter Schritt zum Abschuss eines Wolfes kommen kann, sei sinnvoll. „Wir begrüßen diesen Weg“, sagte Raschke.

CDU: Entwurf der Wolfsverordnung untauglich

Kritik kommt dagegen von der CDU. „Der von Umweltminister Vogelsänger vorgelegte Entwurf einer Wolfsverordnung ist bislang untauglich“, sagt der Umweltexperte der Fraktion, Dieter Dombrowski. „Insbesondere stellt sich die praktische Frage, wie die zur Entnahme von Wölfen berechtigten Personen nachweisen sollen, dass ein und derselbe Problemwolf wiederholt die Schutzmaßnahmen einer Weidetierkoppel überwunden und Nutztiere gerissen hat.“ Die CDU fordert stattdessen die Einführung einer „Schutzjagd“ nach schwedischem und finnischem Vorbild, die eine Höchstgrenze für Wolfsabschüsse setzt.

Die starke Zunahme der Wolfspopulation in Brandenburg – jährlich wächst die Zahl um rund 30 Prozent an – stellt vor allem Landwirte vor immer größere Probleme. Seit der Rückkehr der Wölfe vor einigen Jahren sind allein in Brandenburg 275 Schadensfälle an Nutztieren registriert worden, bei denen ein Wolf als Verursacher ermittelt oder nicht ausgeschlossen werden konnte. Die Dunkelziffer liegt nach Angaben von Experten deutlich höher, da nicht jeder Wolfsangriff gemeldet werde. Der finanzielle Schaden ist vor allem für kleinere Landwirtschaftsbetriebe und Schäfer enorm. Sie fordern seit Langem, den ungebremsten Anstieg der Wolfsbestände in Brandenburg zu reglementieren. Tierschützer indes sind strikt dagegen.

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