Um mit dem Bau des Turms der Garnisonkirche in Potsdam loslegen zu können, fehlen nur noch etwa 700.000 Euro. Das bestätigten die Initiatoren auf Anfrage der Berliner Morgenpost. „Unser Ziel ist es, noch in diesem Jahr anzufangen“, sagt Matthias Dombert, Vorsitzender der Fördergesellschaft zum Wiederaufbau der Garnisonkirche. „Der Turm könnte dann drei Jahre später stehen.“

Der Baubeginn hängt davon ab, wann die Stiftung den erforderlichen Eigenanteil zusammen hat. Denn erst dann ist der Bund bereit, den im Haushalt eingestellten 12 Millionen Euro Zuschuss für den Wiederaufbau der im Krieg zerstörten und 1968 auf Beschluss der SED gesprengten Kirche freizugeben. Die Bundesregierung hat das Gotteshaus als bedeutendes nationales Kulturbauwerk eingestuft.

„Wir stehen an der Schwelle, die Freigabe des Geldes beim Bund beantragen zu können“, sagt Dombert. Der Turm soll 26,1 Millionen Euro kosten. „Die Haube über der Aussichtsplattform und andere Schmuckelemente sind darin noch nicht enthalten“, erläutert Dombert. „Ich bin aber zuversichtlich, dass das Geld dafür zusammenkommen wird.“ Die Zeit drängt: Im Juli 2019 verfällt der Bauantrag, das Gebäude muss bis 2020 stehen. „Wir wollen unbedingt 2017 anfangen, zu bauen“, sagt Dombert. „Ziel ist es, im Oktober zu starten.“ Die Entwürfe stammen von Thomas Albrecht vom Berliner Büro Hilmer & Sattler und Albrecht. Er ist auch beim Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses beteiligt und einer der Architekten des neuen Potsdamer Kunstmuseums Barberini.

Jauch stiftet 1,5 Millionen für den Turm

Noch vor einem Jahr drohte das viel diskutierte Projekt in der brandenburgischen Landeshauptstadt zu scheitern. An den Finanzen. Der Wiederaufbau der Garnisonkirche galt als Hirngespinst von Rechtskonservativen – oder zumindest von Nostalgikern. Die Gegner machten Stimmung dagegen. Ein mit mehr als 16.000 Stimmen im Jahr 2014 erfolgreiches Bürgerbegehren forderte die Auflösung der Stiftung Garnisonkirche unter dem Vorsitz des früheren evangelischen Bischofs Wolfgang Huber. Die Stadtverordneten nahmen das Bürgerbegehren pro forma an, konnten rechtlich aber – wie erwartet – nichts ausrichten. Es gelang ihnen aber, damit einen Bürgerentscheid abzuwenden. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hat das Projekt immer befürwortet.

Die Garnisonkirche in Potsdam im Jahr 1827 auf einem Gemälde von Carl Hasenpflug
Die Garnisonkirche in Potsdam im Jahr 1827 auf einem Gemälde von Carl Hasenpflug © picture alliance / akg-images | akg-images

Zuletzt blieben die Spenden fast aus. Seit der ehemalige Verfassungsrichter Dombert zusammen mit seinem Team offensiv für Unterstützung wirbt, hat sich die Stimmung gedreht. Die evangelische Kirche sagte mehrere Darlehen in einer Gesamthöhe von fünf Millionen Euro zu. 2016 konnte die Stiftung gleich drei Großspenden vermelden. Eine davon kam von TV-Moderator und Wahl-Potsdamer Günther Jauch. Er stellt 1,5 Millionen Euro bereit.

Mehr Werbung geht kaum. Denn Jauch gilt als deutscher Publikumsliebling und ist politisch völlig unverdächtig. „Ich habe mich jahrelang aus der Diskussion um den Wiederaufbau der Garnisonkirche ganz bewusst herausgehalten“, sagt Jauch in einem Interview mit der „Potsdamer Spitze“, dem Mitteilungsblatt der Fördergesellschaft. Doch offenbar nicht, weil er grundsätzlich dagegen war. „Mir erschien der gleichzeitige Aufbau von Turm und Kirche schon immer ein zu anspruchsvolles Ziel“, betont Jauch. Potsdam sei nicht Dresden und der Vergleich mit der Frauenkirche sicher auch etwas zu vermessen. Als 2016 dann klar war, dass man sich beim Bau zunächst auf den Turm beschränken wolle, hielt Jauch das „für ein ebenso realistisches wie auch unterstützenswertes Projekt“. Er findet: „Wir brauchen die authentischen Orte, um uns an die Vielschichtigkeit unserer Geschichte immer wieder zu erinnern und unsere Lehren daraus zu ziehen. Dort, wo nichts mehr steht, wird auch nach nichts gefragt.“ Deshalb habe er vor 15 Jahren auch mit Spenden den Bau des Fortunaportals des inzwischen ebenso wiederaufgebauten Stadtschlosses initiiert.

Neben dem städtebaulichen Aspekt, den man mit der Rückkehr der Garnisonkirche nicht unterschätzen sollte, hält Jauch den Dreiklang „Geschichte erinnern, Verantwortung lernen und Versöhnung leben“ gerade heute für „absolut wichtig“.

Das einstige Gotteshaus ist historisch belastet – vor allem durch den Handschlag von Reichskanzler Adolf Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg am „Tag von Potsdam“, am 21. März 1933. Die Begegnung vor der barocken Kirche wurde zum Symbol für das Bündnis zwischen Preußentum und Nationalsozialismus erklärt. Der Händedruck diente den Nazis später auf Briefmarken und Münzen als Propaganda. Auf insgesamt 250 Quadratmetern sollen Ausstellungen die Geschichte des Ortes beleuchten.

Die 1,5 Millionen Euro spendete Günther Jauch eigens für die geplante Aussichtsplattform auf 57 Meter Höhe. Der TV-Moderator zweifelt offenbar nicht mehr daran, dass der Turm bald stehen wird. Er freue sich schon, so sagt er, „wie sicherlich die Potsdamer und Hunderttausende von Touristen auch – auf den herrlichen Blick von der Aussichtsplattform auf eine beneidenswert schöne Stadt“. Die Kirche soll auf ihrem alten Platz an der heutigen Breiten Straße entstehen. Unweit des wiederaufgebauten Stadtschlosses in der historischen Mitte Potsdams. „Wir rechnen im Jahr mit mindestens 80.000 zahlenden Besuchern“, sagt das Vorstandsmitglied der Stiftung zum Wiederaufbau der Garnisonkirche, Wieland Eschenburg. „Und sind daher sicher, die Darlehen an die Evangelische Kirche komplett zurückzahlen zu können.“

Die beiden anderen großen Spenden des vergangenen Jahres stammen von dem früheren Chef des Immobilienkonzerns TAG, Rolf Elgeti, und dem Architekten, Georg Freiherr von Willisen. Elgeti hat 250 000 Euro für die Bibliot­hek bereitgestellt. Von Willisen 150.000 Euro für den Turmaufstieg.

Doch auch kleine Spenden sind willkommen, wie Eschenburg betont. „Jeder Euro hilft uns.“ Bei einer Patenschaft für 100 Euro wird der Name jedes Spenders in einem sichtbar vermauerten Ziegelstein zu lesen sein. Für die 365 Treppenstufen wurden inzwischen 72 Paten gefunden. Sie zahlten 2500 bis 5500 Euro pro Stufe.

Weitere Infos und der Spendenkatalog unter garnisonkirche-potsdam.de