Potsdam-Mittelmark

Im Speckgürtel gibt es zu wenige Sportplätze

In den Vereinen südwestlich von Berlin gibt es lange Wartezeiten. Es fehlen Sportstätten und dazu entsprechende Investitionen.

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Teltow.  Lange Wartelisten, großer Unmut. Im Speckgürtel von Berlin melden manche Eltern ihre Kinder schon fürs Turnen im Verein an, wenn sie noch nicht einmal richtig laufen können. Denn es gibt nicht genügend Plätze. Besonders dramatisch ist die Situation in der stark wachsenden Region südwestlich von Berlin.

Wie eine am Donnerstag vorgestellte Sportstudie im Auftrag der Stadt Teltow und der Gemeinden Kleinmachnow und Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) jetzt ergeben hat, müssten rund 20 Millionen Euro investiert werden, um den Bedarf an Sporthallen und -außenanlagen zu decken.

Es fehlen unter anderem zwei wettkampfgeeignete Großspielfelder für Fußball. Vier der vorhandenen 13 Felder weisen schwer­-wiegende Mängel auf. 8,5 Millionen Euro wären nötig, um die Freisportanlagen alle zu modernisieren. Für knapp eine Million Euro müssten neue Plätze gebaut werden.

Zahl der Sportler in Vereinen in zehn Jahren verdoppelt

Derzeit nutzen die Vereine dort häufig auch die Schulhallen. In Stahnsdorf hat mit 2800 Mitgliedern einer der größten Sportvereine des Landes Brandenburg, der RSV Eintracht, sogar Räume in einem Fitnessstudio angemietet. Laut der 200 Seiten umfassenden Studie des Instituts für kommunale Sportentwicklungsplanung (Inspo) verzeichnen die Sportvereine in der Region steigende Mitgliederzahlen.

Die Zahl der Sportvereine wuchs in den vergangenen zehn Jahren von 21 auf 27. In dieser Zeit haben sich die Mitgliederzahlen von 3020 auf 6517 mehr als verdoppelt. Die Infrastruktur aber gibt das nicht her. 18 Prozent der Sportvereine können deshalb derzeit aufgrund mangelnder räumlicher Kapazitäten und auch fehlender Übungsleiter keine neuen Mitglieder aufnehmen.

„42 Prozent der Vereine beurteilen die zeitliche Verfügbarkeit der Sportanlagen als problematisch“, sagte Professor Jürgen Rode vom Inspo. „24 überdachte Sportanlagen an 22 Standorten bieten momentan 14.513 Quadratmeter an sportiver Fläche“, so das Ergebnis der Recherche. Die Experten schätzen den Gesamtbedarf aber – gerade in den Wintermonaten – auf 18.022 Quadratmeter.

Auf sinnvolle Multifunktionalität achten

„Eine Verbesserung dieser Situation könnte durch wettergeschützte, ganzjährig nutzbare Sportanlagen erreicht werden“, so der Vorschlag der Sportentwicklungsplaner. „Dafür müss­ten vorhandene Plätze entsprechend modernisiert und winterfest ausgestattet werden. Mit Überdachtungen oder durch Rasenheizungen.“

Eine weitere Empfehlung: auf Multifunktionalität beim Bau von Sportanlagen achten. Bestehende Sportflächen sollten einfach um sinnvolle Freizeitelemente wie Slacklines, Trimm-dich-Pfade oder Rundlaufwege ergänzt werden. Auch die Schaffung von Aktivparks käme vor allem den Sportgewohnheiten von Frauen entgegen. Denn diese seien weniger als Männer in Sportvereinen organisiert. Auch Senioren haben laut Experten immer mehr Interesse an Bewegung. Angebotsstrukturen würden derzeit von Nichtvereinsmitgliedern kaum in Anspruch genommen.

Radfahren ist besonders beliebt

Über ein Jahr lang hatten sich der Forscher und sein Team mit den regionalen Sportmöglichkeiten und den Bewegungsgewohnheiten der Bewohner in der Region beschäftigt. 1344 von 4020 angeschriebenen Bürgern in Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf haben die an sie gesandten Fragebögen ausgefüllt zurückgeschickt.

84 Prozent gaben an, aktiv Sport zu treiben oder zumindest „bewegungsaktiv“ zu sein, durch Spaziergänge etwa. Die fünf am häufigsten ausgeübten Sportarten sind Radfahren, Laufen, Fitness, Fußball und Krafttraining. Im überregionalen Vergleich zeigt sich laut Experten, dass Radfahren eine ganz besonders große Bedeutung hat. Die Bürger vermissen aber vor allem ein Hallenbad. In der Region gibt es lediglich ein Freibad in Kleinmachnow.

Vereine wollen Kinder- und Jugendarbeit ausbauen

Die Vereine geben an, die Kinder- und Jugendarbeit ausbauen zu wollen. Die Bevölkerungsprognose sagt dem am stärksten wachsenden Ort Teltow bei den Kindern und Jugendlichen bis 15 Jahre einen Zuwachs von knapp neun Prozent voraus. In Kleinmachnow und Stahnsdorf werden künftig voraussichtlich weniger Kinder und Jugendliche leben als derzeit. Die Zahl der älteren Bürger ab 65 Jahren wird bis zum Jahr 2030 in allen drei Kommunen deutlich ansteigen. Vor allem in Stahnsdorf. Derzeit leben in der Region knapp 53.000 Einwohner.

Kitas und Schulen schnitten bei Sportangeboten gut ab. „Unsere Analyse ergab, dass die Kindertagesstätten ein breites Spektrum an Bewegungsaktivitäten anbieten“, heißt es in der Studie. Für den Schulsport stünden genügend Freiflächen bereit.

Die drei Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD, Teltow), Michael Grubert (SPD, Kleinmachnow) und Bernd Albers (Bürger für Bürger, Stahnsdorf) zeigten sich nicht überrascht vom Studienergebnis. Sie kündigten an, mit einer gemeinsamen und aufeinander abgestimmten Planung daran arbeiten zu wollen, die Lücken in den nächsten 12 Jahren zu schließen.

Teltow will eine weitere Sportfreifläche schaffen. In Kleinmachnow sollen zum Beispiel die Leichtathletikanlagen des Sportplatzes in den Kiebitzbergen ab Anfang nächsten Jahres saniert werden. Außerdem soll ein Kunstrasenplatz am Stolper Berg gebaut werden. Und in Stahnsdorf soll nach den derzeitigen Plänen eine neue Zweifeld-Sporthalle entstehen.