Urteil

Vergewaltigung in der S-Bahn: Sieben Jahre Gefängnis

Ein 27-Jähriger verging sich mit vorgehaltener Waffe in der S-Bahn an den Frauen. Nun wurde er schuldig gesprochen.

Als sich Doreen A. zu wehren versuchte, schlug er sie. Nun wurde Terim El-A verurteilt.

Als sich Doreen A. zu wehren versuchte, schlug er sie. Nun wurde Terim El-A verurteilt.

Foto: David Ebener / dpa

Neuruppin.  Doreen A.* hatte den Täter als riesigen, übermächtigen Mann in Erinnerung. Es war eine Täuschung. Der 27-jährige Terim El-A., der am Dienstag in Neuruppin von einer Großen Strafkammer zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde, ist nur 1,65 Meter groß und wiegt 65 Kilogramm.

Am 15. Dezember 2015 waren sich der Hilfskellner aus Reinickendorf und die 29 Jahre alte Krankenschwester zum ersten Mal begegnet. Gegen 0.50 Uhr in der S-Bahn Linie S1 zwischen den Bahnhöfen Waidmannslust und Hohen Neuendorf. Sie kam vom Dienst, er war auf der Suche nach einem passenden Opfer und der passenden Gelegenheit. Unmittelbar vor der Tat waren sie die Einzigen in diesem Waggon. Terim El-A. zog eine Schreckschusspistole der Marke „Alpina Sport“, auch ein Fachmann hätte sie für echt gehalten, hielt sie an die Schläfe der Frau. Als sich Doreen A. zu wehren versuchte, schlug er sie. Aus purer Angst – „ich dachte, jetzt werde ich sterben“ – kam sie seinen Forderungen nach. In der anderen Hand hielt er sein Handy und filmte die Vergewaltigung.

Am Bahnhof Hohen Neuendorf stieg Terim El-A. aus. Doreen A. fuhr weiter, rief aber sofort bei ihrem Freund an und informierte die Polizei. Eine Funkwagenbesatzung konnte wenig später Terim El-A. noch in der Nähe des Bahnhofes Hohen Neuendorf festnehmen. Als sich die Beamten näherten, teilte er ihnen sachlich mit, dass er sich nicht wehren werde und dass er in der Jackentasche eine Waffe habe. Er wusste, was er tat. Auch wenn er später vor Gericht sagte, dass er vorher Haschisch geraucht und Alkohol getrunken habe. Terim El-A. hatte die Taten bei der Polizei sofort gestanden. Auch die Vergewaltigung der 47-jährigen Birgit B.*, eine Nacht zuvor, ebenfalls in einem Waggon auf der gleichen S-Bahnstrecke, ebenfalls mit der Schreckschusspistole drohend.

Ersatzweise sah er sich verschiedene Pornos an

Er konnte vor Gericht zwar nicht erklären, aber beschreiben, wie er zum Vergewaltiger wurde. Das ist selten. Terim El-A. wirkt intelligent, kann sich gut ausdrücken. Das Abitur habe er aus Faulheit nicht geschafft und stattdessen mit 21 Jahren die Oberschule in der elften Klasse verlassen. Er erzählte von seiner Familie, einer Ehefrau und den ein und zwei Jahre alten Kindern. Seine Frau, sagte er, habe nach der zweiten Geburt „keine Lust mehr auf Sex gehabt“. Quasi ersatzweise, habe er sich im Internet Pornos verschiedenster Couleur angesehen. Und dabei sei er auf eine Sexualpraktik gestoßen, die ihn sehr angesprochen habe: Dick Flush­ing; eine Person begibt sich in öffentliche Räume, entblößt und befriedigt sich. „Der besondere Kick ist, dass man dabei erwischt werden könnte“, sagte er. Das sei auch schon passiert, er sei dann sofort weggerannt. Später, so etwa nach einem halben Jahr, habe das Geschehen eine Art Eigendynamik bekommen. Die erste Vergewaltigung habe sich dann spontan ergeben. „Es tut mir leid, was ich den Frauen angetan habe“, sagte Terim El-A.

Sein Verteidiger versuchte es in seinem Plädoyer mit dieser Erklärung: „Eine abwegige Sexualpraktik ist ihm entglitten, und er hat die Kontrolle verloren.“ Die Kammer sah das anders. Von einem „planvollen Vorgehen, zumindest bei der zweiten Tat“, sprach der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann bei seiner Urteilsbegründung. Er sei zielgerichtet vorgegangen, habe dafür auch die Pistole eingesteckt. „Sie wollten Todesangst produzieren, und Sie haben Todesangst produziert.“ Bezeichnend für die fehlende Empathie sei auch das Handyvideo der zweiten Vergewaltigung. „Dieses Filmen ist eine weitere schwere Erniedrigung des Opfers“, sagte der Richter.

Die Folgen für die Frauen sind katastrophal. Birgit B. hatte darum gebeten, vor Gericht nicht erscheinen zu müssen. Sie leide noch immer stark unter den Geschehnissen. Ein Auftritt vor Gericht würde sie zu stark zurückwerfen. Sie musste nicht erscheinen, weil Terim El-A. sein Geständnis vor Gericht wiederholte. Doreen A. bestand darauf zu kommen. Sie wirkte überdreht, lachte während der Pausen unmotiviert, brach, wenn die Sprache auf die Vergewaltigungen kam, in Tränen aus. Doreen A. suchte immer wieder den Blick des Angeklagten. Der wandte sich konsequent ab. Doreen A. ist seit der Vergewaltigung nicht mehr arbeitsfähig. Sie habe Albträume, gehe abends nicht mehr allein auf die Straße, meide Nahverkehrsmittel. Es gibt für sie kein Sexualleben mehr. Nach der Vergewaltigung kam es nach einer zwölfjährigen Beziehung zur Trennung von ihrem Lebensgefährten. Der Plan von einer Familie mit Kindern – vorbei. (*Namen geändert)