Ein Wiederbeleben der umstrittenen Pogida-Demonstration ist am Mittwoch in Potsdam gescheitert. Bis zum geplanten Beginn des Demonstrationszuges hatten sich gerade einmal 20 Aktivisten eingefunden. Dagegen demonstrierten weit mehr als doppelt so viele Potsdammer gegen den angemeldeten „Abendspaziergang gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Vor sechs Wochen hatte die letzte Pogida-Demo stattgefunden. Weil sich damals aber nur 50 Pogida-Sympathisanten eingefunden hatten, verzichteten die Veranstalter auf weitere Spaziergänge.

Angemeldet wurde die Pogida-Kundgebung nicht vom Pogida-Initiator Christian Müller, sondern von seinem Nachfolger Holger Schmidt. Der Name sei allerdings ein Pseudonym, wie eine Polizeisprecherin bestätigte. Polizeilich in Erscheinung getreten sei der neue Anmelder bislang nicht. Schmidt hatte mit 300 Teilnehmern gerechnet. Müller erschien entgegen anderen Ankündigungen am Mittwoch auf der Demonstration. Er hatte sich als Pogida-Chef zurückgezogen, nachdem er vom Amtsgericht Potsdam zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden war.

Die Demonstration sollte von der Babelsberger Straße in Richtung Zentrum Ost verlaufen. Die Lange Brücke blieb dagegen anders als bei früheren Demonstrationen frei. Dennoch warnte die Polizei vor Verkehrsbehinderungen. Der Bereich der Babelsberger Straße am Hauptbahnhof sowie mehrere Straßen im Zentrum Ost wurden ab 17 Uhr bis zum Ende der Versammlung gesperrt.

Wie in den vergangenen Wochen auch, hatten mehrere Initiativen zu Gegendemonstrationen aufgerufen. Die Initiative „Potsdam bekennt Farbe“ meldete eine Kundgebung an der Babelsberger Straße für „Weltoffenheit und Toleranz“ an. Die Potsdamer werden „zum friedlichen, bunten und kreativen Protest“ gebeten, „um der teils menschenverachtenden Hetze der Pogida etwas entgegenzusetzen“, hieß es in der Pressemitteilung des Bündnisses im Vorfeld des Aufmarschs.

Auch der Linke-Kreisverband ging gegen das rechtspopulistische Bündnis auf die Straße. „Zeigen wir Pogida, dass ihr neuerlicher Wiederbelebungsversuch keinen Zweck hat und es in Potsdam keinen Platz für sie gibt“, hieß es im Aufruf der Linkspartei zur Teilnahme an der Gegendemonstration.

Einen kleinen Zwischenfall gab es dann doch noch: 100 bis 150 Gegendemonstranten hatten in der Nähe des Hauptbahnhofs eine Brache besetzt, die an die Route der Pogida-Anhänger grenzte. Polizeibeamte konnten die Teilnehmer der Aktion jedoch zurückdrängen - ein bereitstehender Wasserwerfer kam nicht zum Einsatz.