Alles vergessen. Die große Unzufriedenheit mit der glücklosen Ministerin. Die Briefe, in denen sich Mitarbeiter im Bildungsministerium über die angeblich mangelnde Kommunikation beschwert hatten. Die Proteste von Lehrern und Eltern gegen ein ständiges Hin und Her in der Bildungspolitik und gegen den vielen Unterrichtsausfall. Martina Münch galt als Fehlbesetzung im Amt der Bildungsministerin. Als die promovierte Ärztin und SPD-Vizelandeschefin nach rund dreieinhalb Jahren Amtszeit dann bei der Landtagswahl 2014 auch noch das Direktmandat in ihrem Cottbuser Wahlkreis verfehlte, lieferte sie Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) einen zusätzlichen Grund, um sie abzuservieren. Von da an war sie nur noch Landtagsabgeordnete. Am Dienstag stellte er sie nun der SPD-Landtagsfraktion und am Nachmittag dem rot-roten Kabinett wieder als Ministerin vor.

Die 54-Jährige kehrt auf den Posten zurück, den sie vor ihrem Wechsel ins Bildungsministerium von 2009 bis 2011 hatte. Sie wird wieder Wissenschafts- und Kulturministerin, tritt die Nachfolge von Sabine Kunst (SPD) an, die als Präsidentin der Humboldt-Universität nach Berlin wechselt. Bevor der Ministerpräsident der neuen Ressortchefin die Ernennungsurkunde überreichte, verabschiedete er ihre Vorgängerin – und lobte diese in den höchsten Tönen. Ein Glücksfall sei Sabine Kunst gewesen für das Land.

Martina Münch hingegen wirkte ein wenig verlegen, als sie die Urkunde und einen Strauß Frühlingsblumen in Empfang nahm. Es ist eine Wiederkehr mit Blessuren – und schlechter Presse. Münch gilt selbst für viele in der eigenen Partei als Notlösung. Keiner aber äußerte sich so deutlich wie CDU-Fraktions- und Parteichef Ingo Senftleben: „Offenbar hat Herr Woidke niemand anderes gefunden als eine Ministerin, die bereits als gescheitert in die Geschichte eingegangen ist.“ Mit „Personal von gestern“ könne man die Zukunft nicht gestalten, so der Oppositionsführer. Der Regierungschef hingegen verteidigte seine Wahl: „Frau Münch hat große Erfahrung, sie hat den Wissenschafts- und Kulturbereich schon geleitet.“ Er betonte: „Ich bin überzeugt, dass sie genau die Richtige ist, die großen Herausforderungen, die vor uns liegen, zu meistern.“

Ministerpräsident kennt sich mit Karriereknick aus

Auch Woidke legte schon einmal ein Comeback hin. Matthias Platzeck hatte ihn einst nicht mehr als Agrarminister berufen. In einer Notlage holte er ihn aber wieder zurück – als Innenminister. Niemand hätte sich damals vorstellen können, dass Woidke einige Jahre später sogar an der Spitze der Regierung stehen würde. Woidke weiß, wie sich ein Karriereknick anfühlt.

Alles vergessen also? Martina Münch lächelte neben ihm, für ihre Verhältnisse angestrengt. „Ganz herzlichen Dank für das große Vertrauen, das Sie in mich setzen“, sagte sie. Die Mutter von sieben Kindern fügte hinzu: „Ich habe mich noch nie vor einer Herausforderung gescheut.“ Sie kündigte an, Wissenschaft und Wirtschaft stärker verzahnen zu wollen. Es gelte auch, Brandenburgs Universitäten und Hochschulen auf die Exzellenzinitiative vorzubereiten.

Trotz aller Skepsis – Martina Münch kann es gelingen, nicht nur eine Übergangsministerin zu sein, bis zu den nächsten Landtagswahlen im Herbst 2019. Womöglich nutzt sie die dritte Chance besser, als manch einer denkt. Dafür spricht einiges. Denn Bildungsministerin wurde sie damals nur, weil der damalige Amtsinhaber Holger Rupprecht (SPD) wegen einer Dienstwagen-Affäre zurücktreten musste. Sie fügte sich, kam aber nie in diesem Amt an. Als Wissenschafts- und Kulturministerin war das anders. „Ich gehe mit neuem Schwung an die Aufgabe“, sagte Münch. „Sicherlich habe ich Fehler gemacht“, gab sie zu, „doch wichtig ist doch, dass man daraus lernt.“ Man gehe aus Niederlagen oft gestärkt hervor.

Allerdings weiß auch sie, dass sie ihre Kritiker erst einmal überzeugen muss. Dass sie vielleicht nur deshalb eine weitere Chance erhält, weil das weibliche Personal in der SPD knapp ist. Woidke will mit ihrer Ernennung zudem eine Kritikerin gegen die Kommunalreform ausschalten. In die Kabinettsdisziplin eingebunden, kann Münch als Abgeordnete nicht weiter gegen die geplante Fusion der Stadt Cottbus mit dem Landkreis opponieren. Die rot-rote Koalition hat nur drei Stimmen Mehrheit. „Ich stehe den Plänen weiterhin kritisch gegenüber“, versicherte Münch am Dienstag. Schon aber gab sie sich moderat: „Es ist wichtig, sich Gesprächen nicht zu verweigern.“ An diesem Mittwoch wird die SPD-Politikerin im Landtag vereidigt.