Sie geben nicht auf, die Befürworter des umstrittenen Wiederaufbaus der Potsdamer Garnisonkirche. Die Töne aber werden sanfter. Nach dem Bürgerbegehren gegen das Projekt im vorigen Jahr verabschieden sich die Verantwortlichen von ihren einstmals rigiden Gestaltungsvorstellungen – und setzen auf eine neue Kommunikationsstrategie: Der evangelische Landesbischof Markus Dröge hat sich jüngst im Falle des Wiederaufbaus gegen eine komplette Rekonstruktion des Original-Kirchenschiffs ausgesprochen. „Meine persönliche Überzeugung ist, dass schon durch die architektonische Gestaltung sichtbar werden sollte, dass nicht einfach das Alte wiederhergestellt wird“, sagte der Bischof. Das Gesamtkonzept müsse neben der historischen Kontinuität durch den Wiederaufbau des Turmes auch den Bruch mit der Tradition zum Ausdruck bringen. „Denn ein neuer Geist braucht auch ein erkennbar neues Haus.“ Matthias Platzeck (SPD), Ex-Ministerpräsident und Kuratoriumsmitglied, begrüßte den überraschenden Kompromiss-Vorstoß des Bischofs.
22 Millionen Euro bisher für die Wiedererrichtung gespendet
Ob das Kirchenschiff aber überhaupt je gebaut wird, ist fraglich. Zuerst muss der Turm stehen. Für ihn liegt zwar seit 2013 die Baugenehmigung vor. Was fehlt, ist aber das Geld. Von den 40 Millionen Euro, die der originalgetreue Wiederaufbau des Turms kosten soll, wurden 22 Millionen Euro durch Spenden gesammelt. Zwölf Millionen will der Bund zuschießen, aber erst, wenn die Gesamtfinanzierung steht. So zumindest die ursprüngliche Zusage.
Der neue Vorsitzende des Fördervereins, der Verwaltungsrechtler und ehemalige Verfassungsrichter Matthias Dombert, sagte: „Es gibt eine Faustformel, die lautet: Zwei Drittel der Spenden fließen erst, wenn der Bau begonnen hat. Ich bin ziemlich sicher, dass die Potsdamer eine wesentlich positivere Haltung annehmen werden, wenn der Wiederaufbau tatsächlich gestartet ist.“ Das sei auch beim Landtagsschloss der Fall gewesen. Mittlerweile gilt der Bau mit Original-Fassade und modernem Innenleben neben den Schlössern und Gärten als der Besuchermagnet.
Das ebenso ehrgeizige wie umstrittene Projekt hatte im vorigen Jahr einen Rückschlag erlitten. Gegner des Wiederaufbaus der Kirche sammelten erfolgreich Unterschriften. Für die meisten von ihnen gilt die Garnisonkirche allein als Soldatenkirche der Preußen, sie sei wegen des Handschlags zwischen Hitler und Hindenburg am 21. März 1933, dem „Tag von Potsdam“, dauerhaft in Verruf geraten.
Das im Bürgerbegehren formulierte Ziel lautete, die Stadt solle über die Auflösung der Stiftung verhandeln. Um einen drohenden Bürgerentscheid abzuwenden, nahmen die Stadtverordneten auf Vorschlag von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) das Bürgerbegehren an.
Ein Trick, wie Jakobs sich später vorwerfen lassen musste. Denn erwartungsgemäß scheiterte er damit im Kuratorium unter Leitung von Altbischof Wolfgang Huber. Der Oberbürgermeister und Befürworter des Kirchenaufbaus kündigte an, dass er künftig für einen verstärkten Dialog mit den Bürgern werben wird: „Mit dem Bürgerbegehren ist deutlich geworden, dass der geplante Wiederaufbau der Garnisonkirche einer intensiven Diskussion bedarf. Diese muss die Stiftung als Hauptakteur jetzt führen.“
Der Turm könnte ein neuer Anziehungspunkt werden
Fördervereinschef Matthias Dombert sagte: „Das Faszinierende an der Garnisonkirche ist, dass es wie kaum ein anderes Projekt in der Potsdamer und Brandenburger Gesellschaft Pro und Kontra provoziert.“ Er zeigte sich davon überzeugt, dass es noch gelingen wird, einen erfolgreichen Bürgerdialog zu führen. Das damit beauftragte Unternehmen Complan GmbH Dialogform will nach Auskunft der Stiftung im Dezember dem Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung einen Vorschlag unterbreiten. Dombert wirbt dafür, dass „wir in Deutschland Orte des Erinnerns und der Auseinandersetzung brauchen“. Für ihn ist die Garnisonkirche aber zuerst „städtebaulich wichtig“.
So heben die Befürworter neuerdings vor allem die Bedeutung des wiederaufzubauenden Turms als einzigartige Aussichtsplattform hervor. „Es gibt in ganz Potsdam kein anderes, barrierefrei zugängliches Bauwerk, das einen Blick aus 57 Metern ermöglicht“, wirbt der Kommunikationsvorstand der Stiftung, Wieland Eschenburg, für den Turm. Geplant sei, einen Aufzug einzubauen. „Wir rechnen damit, dass pro Jahr bis zu 100.000 Besucher den Aussichtspunkt nutzen wollen“, sagte Eschenburg. „Potsdam hätte damit eine Attraktion mehr.“ Noch gilt das Projekt nicht als verloren: Der Stiftung gelang es seit September 2014 mehr als 17.000 Unterstützer-Unterschriften auf der Internetseite www.unterstuetzen.garnisonkirche.de zu sammeln.

