Kriminalität

Mehr Einbrüche im Berliner Umland

Eine gemeinsame Ermittlungsgruppe in Berlin und Brandenburg konzentriert sich auf Wohnungs-und Hauseinbrüche und die Sprengung von Geldautomaten. Nach zehn Jahren zieht sie Bilanz.

Potsdam.  So einträchtig erlebt man selten führende Politiker aus Berlin und Brandenburg. Innensenator Frank Henkel (CDU) und sein Amtskollege Karl-Heinz Schröter (SPD) machten am Freitag in Potsdam deutlich, dass sie den Kampf gegen das Verbrechen nur gemeinsam gewinnen können. „Kriminalität macht keinen Halt vor Landesgrenzen, daher darf auch die Verbrechensbekämpfung nicht dort enden“, sagte Henkel. Innenminister Schröter ergänzte: „Dieser Tatsache müssen wir mit einer konsequenten Zusammenarbeit der Polizei über Landesgrenzen hinweg Rechnung tragen.“

Beide Länder haben vor allem ein Problem gemeinsam: Die Wohnungs- und Hauseinbrüche in Berlin wie auch im Umland sind stark gestiegen. Im Land Brandenburg werden etwa 45 Prozent aller Einbruchsdiebstähle im sogenannten Speckgürtel um Berlin begangen. Bereits vor zehn Jahren hat die Polizei deshalb eine gemeinsame Ermittlergruppe gegründet: die GEG mit Sitz in Potsdam. Sie ist dort dem Landeskriminalamt zugeordnet und besteht – inzwischen aufgestockt – derzeit aus 18 Polizeibeamten. Neun aus jedem Bundesland. Schwerpunkt der Ermittlungen ist neben Einbrüchen in Wohnungen und Firmen die steigende Zahl von Geldautomaten-Sprengungen.

Gegen 159 Tatverdächtige sind Haftebefehle erwirkt worden

Die bisherige Bilanz der Ermittler: Von 2005 bis 2014 haben sie den Angaben zufolge 2744 Fälle der banden- und gewerbsmäßigen Eigentumskriminalität bearbeitet. Gegen 159 Tatverdächtige konnten Haftbefehle erwirkt werden. 2014 bearbeitete die Ermittlergruppe 307 Strafverfahren, 216 Taten wurden aufgeklärt. Es kam zu zwölf Haftbefehlen. In diesem Jahr wurden bis Ende September 26 Tatverdächtige nach 270 Straftaten vorläufig festgenommen. Die Wohnungseinbrüche im Berliner Umland steigen seit Jahren, in der Hauptstadt sind sie 2015 laut Innensenator Henkel gegen den Bundestrend aber erstmals stark zurückgegangen. Allerdings wurde häufiger in Villen eingebrochen. „Unsere Maßnahmen greifen“, sagte Henkel. „Wir haben einen klaren Schwerpunkt auf die Bekämpfung von Einbrüchen gelegt und den Fahndungsdruck deutlich erhöht. In Berlin sei die Einbruchschutzberatung inzwischen kostenlos. „Die Menschen sind sensibilisiert, sie melden häufiger Verdächtige im Wohnumfeld“, sagte der Innensenator.

Die seit 2005 bestehende Ermittlungsgruppe stellte einige der jüngsten Erfolge ihrer Arbeit im Berliner Umland vor: Im September dieses Jahres konnten vier Haftbefehle gegen mutmaßliche Mitglieder einer litauischen Tätergruppe vollstreckt werden. Die Männer gehörten zu einer Bande von mindestens neun Verdächtigen, denen eine Reihe von Einbrüchen in Einfamilienhäuser und Gewerbebetriebe im Kreis Havelland sowie in der Altmark in Sachsen-Anhalt zur Last gelegt wird. Der Bande konnten 20 Einbrüche und zwei Raubstraftaten auf Juweliergeschäfte zugeordnet werden. Die mutmaßlichen Täter stahlen dazu Fahrzeuge in Rathenow, nach den Einbrüchen stellten sie diese wieder zurück. Die Ermittlungen richten sich auch gegen zwei Deutsche aus Rathenow. Laut Polizei stehen sie im Verdacht, die Bande logistisch unterstützt zu haben. Ein Teil der Taten reichte zurück bis ins Jahr 2012.

Anfang Oktober gelang in Berlin-Wilmersdorf die Festnahme eines albanischen Verdächtigen, der als Kopf einer Einbrecherbande gilt. Der 23-Jährige steht im dringenden Verdacht, zusammen mit anderen im südlichen und westlichen Umland von Berlin mehrere Einbrüche in Wohnungen begangen zu haben. Die Verdächtigen hebelten dabei überwiegend tagsüber Türen und Fenster von Einfamilienhäusern auf. Sie stahlen Bargeld, Schmuck, Handys und elektronische Geräte. Der Gruppe werden etwa 20 Taten zwischen Dezember 2014 und Februar 2015 zugerechnet. Der Schaden wird auf rund 50.000 Euro geschätzt.