Die Tiere stehen plötzlich mitten auf der Landstraße. Wie aus dem Nichts tauchen im Scheinwerferlicht Wildschwein, Reh oder auch Fuchs auf und verschwinden wieder im Dunkel der Nacht, zumeist fernab der Ortsdurchfahrten. Doch manchmal endet die plötzliche Begegnung zwischen Autofahrer und einem Wildtier mit einem Verkehrsunfall. Nicht immer kommt der Fahrzeugführer mit einem Blechschaden davon.

Insgesamt 14.788 Mal hat die Polizei im Jahr 2014 in Brandenburg Wildunfälle aufgenommen. Ein Jahr zuvor, so die zuständige Polizeibehörde am Montag in Potsdam, waren es noch 15.743. Für insgesamt 167 Autofahrer beziehungsweise Beifahrer endeten diese Zusammenstöße mit einem Krankenhausaufenthalt. Sie wurden verletzt und mussten ärztlich versorgt werden. Tote hat es im Jahr 2014 nicht gegeben.

Indes endet ein derartiger Zwischenfall für die Vierbeiner meist tödlich oder mit schwersten Verletzungen. Dann muss der Förster eingreifen und das verletzte Tier von seinem Leid befreien.

Verkehrsschilder warnen vor Wildwechsel

Gerade in Zeiten, da die Tage wieder kürzer werden, nimmt die Zahl der Wildunfälle zu. Vor allem im Herbst gehört der Wildwechsel zu den täglichen Gefahrenquellen im Straßenverkehr. Besonders in der Morgen- und Abenddämmerung sind die Tiere am aktivsten. Und genau in diese Zeit fällt der Berufsverkehr mit der höchsten Verkehrsdichte auf den Straßen. Kein Wunder also, dass sich dann die Wege von Mensch und Wildtier häufiger kreuzen als sonst.

Kraftfahrer sollten sich nicht allein auf die warnenden Verkehrsschilder „Wildwechsel“ verlassen. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) Berlin-Brandenburg rät grundsätzlich zu erhöhter Vorsicht bei der Fahrt entlang von Wald- und Feldrändern oder auf neu angelegten Landstraßen.

Besondere Schwerpunktgebiete wie etwa die Schorfheide oder den Spreewald gibt es nicht. Wildunfälle ereignen sich im gesamten Bundesland. Selbst im dicht besiedelten Berlin haben sich in diesem Jahr in der Zeit von Januar bis August 302 Wildunfälle ereignet.

Wie sollen sich Autofahrer verhalten

Taucht beispielsweise ein Wildschwein am Straßenrand auf, gilt es, sofort die Geschwindigkeit zu drosseln und so langsam wie möglich vorbeizufahren. Auch Hupen ist sinnvoll, um das Tier zu vertreiben. Außerdem ist es wichtig, sofort abzublenden, denn im Licht der Scheinwerfer verharren die Tiere meist regungslos. Da ein Wildtier selten allein kommt, sollten Autofahrer zunächst nur langsam weiterfahren.

Viele Wildunfälle lassen sich jedoch nicht aktiv verhindern. „Auf keinen Fall sollten Fahrer versuchen, im letzten Moment abrupt auszuweichen. Besser einen Zusammenstoß mit dem Wild riskieren, als die Kontrolle über sein Fahrzeug zu verlieren“, warnt ADAC-Technik-Experte Jörg Kirst. Bei einer Kollision muss der Fahrer scharf bremsen, dabei das Lenkrad festhalten und die Fahrlinie halten. Ausweichmanöver haben meist die schlimmeren Konsequenzen. Viele ungeklärte, tödliche Baumunfälle lassen sich dem Experten zufolge vermutlich auf Wildwechsel-Situationen zurückführen.

Was Autofahrer nach einem Unfall tun müssen

Versuche der Polizei mit gesonderten Hinweisschildern am Straßenrand mit der exakten Angabe der jeweiligen Anzahl der Wildunfälle entlang eines Waldabschnittes hatten in der Vergangenheit nicht den erwünschten Erfolg. Die Zahl der Kollisionen sei über die Jahre betrachtet relativ gleichbleibend hoch.

Nach einem Wildunfall muss das Warnblinklicht eingeschaltet, die Warnweste angezogen und die Unfallstelle mit Warndreieck gesichert werden. Dann ist umgehend die Polizei zu informieren, damit diese den Wildunfall für die Versicherung bestätigen kann. Jeder Wildunfall ist zudem meldepflichtig, auch wenn ein Tier angefahren worden ist und danach in den Wald flüchtet. In der Regel informiert die Polizei das zuständige Forstamt. Im Interesse der eigenen Sicherheit sollte der Autofahrer sich nicht in die unmittelbare Nähe des verletzten Tieres begeben. Es könnte aufgrund des Schocks unberechenbar reagieren und den Autofahrer angreifen.