Erst kommen Volti und Luise, einen Moment später Ronald und Lausi angetappst. Wenn Tierpflegerin Laura Schäfer mit ihrem kleinen Plastikeimer voller Heringe erscheint, gibt es für die Humboldt-Pinguine kein Halten mehr. Punkt 15.30 Uhr ist Fütterungszeit im „Spreewelten“-Bad Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz). Voller Vorfreude, aber ganz diszipliniert nehmen die Tiere dann auf einer beheizten Plattform Platz. Nur Balduin ist zu spät dran. Dafür nimmt er eine Abkürzung durch den Pool.

In Europa einzigartig, können Badegäste in Lübbenau mit echten Pinguinen schwimmen. „Getrennt sind Mensch und Tier nur durch eine Glaswand“, erklärt Laura Schäfer. Dann stellt sie vorm Badepublikum ihre Schützlinge vor. Die flugunfähigen Vögel scheinen dieses Ritual zu kennen. Sie warten ab, bis die 27-Jährige Heringe füttert. „Das ist so eine Art Leibgericht unserer Pinguine, gefolgt von Sprotten“, sagt „Spreewelten“-Marketingchef Steven Schwerdtner.

Nicht alle Tiere können in dem Spaßbad bleiben

Nach der Mahlzeit zieht es Balduin und die anderen Tiere zurück ins Schwimmbecken. Auf der anderen Seite des Pools drücken Kinder ihre Nasen an der Glaswand platt. Die Pinguine reagieren fast auf jede Handbewegung, aber auch auf bunte Spielgeräte. „Sie sind außergewöhnlich neugierig auf Menschen“, berichtet Laura Schäfer. Die zehn kürzlich geschlüpften Jungtiere – sieben Männchen, drei Weibchen – sieht sie als Zeichen dafür, dass sich die Tiere in Lübbenau wohlfühlen. Bereits zum dritten Mal in Folge sei der komplette Nachwuchs „durchgekommen“.

„Um diese Quote beneidet uns so mancher Zoo“, sagt Schäfer. Gemeinsam mit einer Kollegin könne sie die Pinguine individueller betreuen als viele Tierparks. Medizinisch betreut werden die Tiere unter anderem von Tierarzt Bernd Paulenz aus Lübbenau. Auch die zwei mit Salzwasser gefüllten Wasserbecken seien nicht unbedingt Standard in deutschen Zoos. „Die angewandte Filtertechnik entspricht der gleichen Qualität jener im Ozeaneum Stralsund“, so Axel Kopsch, Badleiter der Spreewelten GmbH. Die großen Bassins seien zudem an die natürliche Lebensform der ursprünglich aus Peru und Chile stammenden Vögel angepasst. Die Steinlandschaft ringsum bestehe aus original Lausitzer Granit.

Eine Tierschutzorganisation überwacht die Reise

Doch alle Tiere können nicht in Lübbenau bleiben, „dann müssten wir hier jährlich anbauen“, sagt Laura Schäfer. Im Vorjahr trat der Pinguin-Nachwuchs die Reise in den Zoo „Seoul Grand Park“ in Südkorea an. Davor siedelten einige der Jungtiere immer wieder in den Tierpark Friedrichsfelde über. 2015 soll die Reise für einige Pinguine ins Aquarium eines russischen Zoos bei Moskau gehen. Überwacht werde das Ganze von einer Tierschutzorganisation und dem kommunalen Veterinäramt, betont die „Spreewelten“-Chefetage.

Weitere Attraktionen der „Spreewelten“ sind zwei 118-Meter-Rutschen, Wellenbad und Strömungskanal sowie 14 Saunen. Besuchermagnet ist eine 200 Jahre alte Spreewaldscheune, die aus Burg nach Lübbenau umgesetzt wurde. Wo früher mal Traktoren standen, entspannen sich jetzt Saunagäste. Die Schwitzbäder sind augenscheinlich auch im Sommer gut besucht. „Gäste empfinden 30 Grad Lufttemperatur als regelrecht angenehm, wenn Sie aus einer 90-Grad-Sauna kommen“, meint Saunameister Daniel Kendziora.

Pinguin-„Mutter“ Laura Schäfer versorgt indes noch ein Tier, das bei der Fütterung zu kurz kam, mit Sprotten. „Wir gewöhnen die Tiere langsam daran, dass wir sie füttern. Sonst würden sie ihren Eltern noch ewig am Rockzipfel hängen.“