In der öffentlichen Verwaltung von Berlin und Brandenburg gibt es immer mehr Maßnahmen, die für einen vernünftigen und sparsamen Umgang mit Energie sorgen sollen. So ist der Neubau, den Umwelt- und Gesundheitsministerium gerade in Potsdam bezogen haben, hoch energieeffizient, so Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD). Die Flachdächer des Gebäudekomplexes werden bald begrünt sein, eine tausend Quadratmeter große Photovoltaikanlage liefert grünen Strom.

Von den Gesamtbaukosten in Höhe von knapp 80 Millionen Euro wurden allein 3,3 Millionen Euro für Energiemaßnahmen verwendet. Die Kosten der auf dem Gebäude installierten Photovoltaikanlage beliefen sich auf rund 1,5 Millionen Euro. „Wir schätzen, dass damit gegenüber herkömmlichen Gebäuden langfristig pro Jahr etwa 30 Prozent weniger Energie verbraucht wird“, so ein Sprecher des Potsdamer Finanzministeriums.

Außerhalb der Landeshauptstadt wird ebenfalls grün gedacht. In Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) hat die Gemeinde bei allen Ausgaben Nachhaltigkeit im Blick, sagt Sprecherin Martina Bellack. Öffentliche Gebäude wie Schulen, Kitas oder die Feuerwache seien mittlerweile zum Großteil saniert. So habe eine Kita eine geothermisch betriebene Wärmepumpe zur Heizwärmeversorgung und Warmwasserbereitung erhalten, die noch mit einer thermischen Solaranlage gekoppelt sei. Zwei Schulsporthallen verfügten bereits über Solardächer.

Nachts kommt das Licht aus der Natriumdampflampe

„Bei Neubauten setzten wir von Anfang an auf Erdwärme, Wärmerückgewinnung und moderne Beleuchtungstechnik“, sagt Martina Bellack. Drei der fünf Autos des Gemeinde-Fuhrparks werden mit Gas betrieben, eines ist ein Hybridfahrzeug. Für die Außendienstmitarbeiter wurden zudem zwei Pedelecs - spezielle Elektrofahrräder - angeschafft. Die Straßen sind mit Natriumdampflampen ausgestattet, die energiearm betrieben werden können.

Auch im Landkreis Oberspreewald-Lausitz rüsten Kommunen die Straßenbeleuchtung beispielsweise auf LED-Lampen um. Gerade werde das Gymnasium Lübbenau energetisch saniert im Umfang von 5,1 Millionen Euro, sagt eine Sprecherin des Kreises.

Beim Landtagsgebäude in Potsdam, das im historischen Gewand des einstigen Stadtschlosses errichtet wurde, spielte Energieeffizienz eine große Rolle. So werde der zulässige Referenzwert des Jahres-Primärenergiebedarfs um mehr als die Hälfte unterschritten, sagt eine Sprecherin. Umweltschädigende Baumaterialien seien erst gar nicht verwendet worden.

In Berlin sollen die Emissionen um ein Fünftel sinken

Auch Berlin hat sich einiges vorgenommen: Bis 2050 will das Land seine CO2-Emissionen gegenüber 1990 um 85 Prozent senken. Da sind auch die Behörden gefragt. Etwa 1500 Gebäude werden derzeit von der Berliner Verwaltung genutzt. Für sie gibt es eine Übereinkunft zwischen dem Land und der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), einer Tochter des Landes, die die Gebäude verwaltet. Demnach müssen die Emissionen aus Strom und Wärme bis zum Ende dieses Jahres verglichen mit dem Niveau von 2007 um 21 Prozent sinken. „Das werden wir auch schaffen“, sagt eine Sprecherin der BIM. Eine Folge-Vereinbarung werde derzeit verhandelt.

Vergleichbare Abmachungen hat das Land mit zwölf weiteren Institutionen, etwa den Bäder-Betrieben, der Stadtreinigung, der Freien Universität und den Vivantes-Kliniken getroffen. Sie verpflichten sich in den so genannten Klimaschutzvereinbarungen auf bestimmte Einsparungen und Maßnahmen, von der Sanierung des Elefantenhauses im Tierpark bis zum Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung durch Vattenfall. Viele der Vereinbarungen laufen Ende 2015 aus.

Lampen, Papier und Hygieneartikel umweltbewusst ordern

Um die Umbaumaßnahmen zu bezahlen, geht das Land gezielt so genannte Energiepartnerschaften ein. „Dabei übernehmen private Dienstleister die Sanierungen und garantieren dem Land eine bestimmte Einsparung“, sagt ein Sprecher der Berliner Energieagentur, die das Programm organisiert. „Die Idee ist, dass die Kosten komplett aus den Einsparungen bezahlt werden“. Dadurch entstünden dem Land keinerlei Kosten für den Umbau.

Auf diese Weise seien bislang 1300 Gebäude saniert und im Schnitt etwa 26 Prozent der Emissionen eingespart worden. Unter den so modernisierten Gebäuden sind solche, die dem Land gehören, etwa das Rote Rathaus, das vor vier Jahren mit einer Solaranlage ausgerüstet wurde, und Gebäude der Bezirke, die für ihre Immobilien selbst verantwortlich sind.

Auch beim Einkauf von Büromaterial, etwa bei Lampen, Papier, Hygieneartikeln oder Möbeln soll das zuständige Landesverwaltungsamt auf Umweltverträglichkeit achten. Es müsse sich dabei an Vorgaben der Umweltverwaltung aus dem Jahr 2012 halten, so ein Sprecher der Innenverwaltung. Diese Vorschrift verbietet beispielsweise Mineralwasser in Einwegverpackungen oder Einmalbesteck aus Plastik ebenso wie Atomstrom.

Im Berliner Fuhrpark stehen vor allem Benzin- und Dieselwagen

Dagegen besteht der Fuhrpark von Senat und Abgeordnetenhaus noch immer überwiegend aus Benzin- und Dieselfahrzeugen. Nur etwa zehn Prozent der Fahrzeuge sind nach Angaben der Innenverwaltung Elektrohybriden, die mit Elektrizität und einem klassischen Motor fahren. Erst seit einem Jahr gebe es einen Wagen, der vollständig mit Strom angetrieben wird. Künftig solle der Anteil an alternativen Antrieben aber steigen, auch wenn solche Autos in der Regel teurer seien.

Nicht nur Energie, auch 30 bis 50 Prozent der Energiekosten will das Land durch neue Straßenbeleuchtung sparen - vor allem, indem es alte Gaslaternen durch elektrisches Licht ersetzt. Nach Angaben der Stadtverwaltung ist die Umrüstung von 8000 Gasreihenleuchten bis zum kommenden Jahr vorgesehen. Verglichen mit diesen Gaslampen werden durch die neuen Laternen weniger als ein Zehntel der CO2-Emissionen entstehen.

BM/dpa