Wo er hinkommt, da schaut man auf: Der „Lange Kerl“ von der Leibgarde des Königs misst immerhin stolze 1,92 Meter. Er ist nicht nur der Hingucker auf märkischen Volksfesten und Partys. Er vertritt Brandenburg auch auf Tourismusmessen im In- und Ausland. Seine Uniform ist überall Blickfang. In der Montur steckt Detlef Wachs, der so seit 1993 in Stadt und Land unterwegs ist. „Ich nenne mich einfach nur Urlaubsbotschafter“, sagt der Familienvater.
Für alle, die nicht so tief im Stoff stehen: „Lange Kerls“ nannte man einst die großgewachsene Leibgarde seiner Majestät des Königs Friedrich Wilhelm I.. Einst übte sie auf dem Kirchplatz von Königs Wusterhausen den Exerzierschritt. Den hatte Detlef Wachs, selbst Königs Wusterhausener, übrigens nie drauf. „Ich trage zwar Uniform, aber kein Schwarzpulver-Gewehr.“ Besonderer Fan des preußischen Militärs sei er ohnehin nie gewesen. Vielmehr will Wachs Historie mit Augenzwinkern vermitteln: „Mit meinem Programm „Preußische Geschichte und Brandenburger Gegenwart“ bin ich nicht nur auf großen Veranstaltungen zu sehen.“ Sehr gern tritt der „Lange Kerl“ auch bei Hochzeitsfeiern oder Jubiläen als Überraschungsgast auf. Seine spektakuläre Mini-Show dauert meist um die 25 Minuten.
Historie mit Augenzwinkern
Aktuelle Geschehnisse aus Sport und Politik baut Detlef Wachs in seine Auftritte spontan ein. Für Geburtstagskinder gibt’s den Brandenburg-Orden. „Die Medaille lag gestern noch im Panzerschrank von Ministerpräsident Woidke“, sagt Wachs dann im Scherz. Seine Auftritte gehen aber nie nach „Schema F“. Am Ende singen wir unsere Hymne „Märkische Heide““, erklärt der sympathische „Kerl“, im richtigen Leben bei der Tourismus Marketing Brandenburg GmbH (TMB) tätig.
Kuriose Szenen gab es bei Auftritten oft. Beispielsweise, als er in Königs Wusterhausen mal ein Dessous-Geschäft miteröffnete. „Bei plus 30 Grad steckte ich in Uniform. Neben mir standen zwei hübsche Damen in Dessous. Gefühlt waren das für mich dann plus 50 Grad.“ Die weiteste Tour führte ihn mal bis nach Mallorca, wo er im Auftrag seines Dienstherrn TMB für Brandenburg warb. In Malmö, Kopenhagen und Budapest war er als „Langer Kerl“ aber auch schon - „mal ein bisschen Action machen“, wie ihn seine Chefs baten. Das tat er dann auch. Der gebürtige Miersdorfer (Dahme-Spreewald) trat unter anderem schon vor hochrangigen Politikern sowie vor Reise-Journalisten auf.
Wie die Jungfrau zum Kinde
Zu seinem Zweit-Job kam Detlef Wachs übrigens wie die Jungfrau zum Kinde, wie er sagt. Weil der ursprünglich vorgesehene „Darsteller“ kurz vor einer Messe absagte, musste er einspringen.
Zunächst hatte er dem Tourismus-Chef geantwortet: „Das mach ich nie.“ Kurz darauf stand Detlef Wachs in den Babelsberger Filmstudios, wo man ihm die Uniform eines Grenadiers des Roten Leibbataillons von 1716 auf den Leib schneiderte. Etwa 20 Minuten braucht er, um in die Montur zu schlüpfen und sie zu präparieren. Sie passt heute noch wie am ersten Tag.
Mittlerweile übernimmt der 62-Jährige auch ganz normale Moderationen - „als Mensch verkleidet“, wie Wachs schmunzelnd erklärt. Auch das liegt ihm irgendwie, denn seine tiefe Stimme geht gleich ins Ohr. Sie liegt irgendwo zwischen Maschine von den Puhdys und Heinz Florian Oertel. Den Märker könnte man sich auch gut als Radio-Moderator vorstellen.
Apropos Puhdys und Oertel: Natürlich liefen Detlef Wachs in den letzten 22 Jahren jede Menge Prominente über den Weg. Von Katja Ebstein bis Dagmar Frederic. In Erinnerung sind ihm aber auch die früheren Brandenburger Ministerpräsidenten Manfred Stolpe und Matthias Platzeck, mit denen er gut konnte. Dies gelte auch für den aktuellen Landesvater Dietmar Woidke. Als Detlef Wachs den gebürtigen Forster bei einem Auftritt mal siezte, entgegnete Woidke – selbst ein Hüne – dass sich alle Leute ab einer Körpergröße von 1,90 Meter duzen.
Privat brauche er nicht so viel Remmidemmi, sagt Wachs – das habe er oft genug im Berufsleben oder auf diversen Festbühnen des Landes. Mal verschlägt es ihn zu Union Berlin und Hertha BSC, mal zu den einheimischen Volleyballern von den Netzhoppers Königs Wusterhausen. „Letztens waren wir auch mal auf der Trabrennbahn Berlin-Mariendorf.“ Mit seinen Kumpels feuert er zuweilen auch die Kicker von Eintracht Königs Wusterhausen an.
Viel Wissen über Land und Leute
Sein Brandenburg kenne er mittlerweile wie seine Westentasche. „Ich glaube, die wichtigen Ecken hab’ ich wirklich alle gesehen.“ Dazu zählen fast jeder Winkel Potsdams, aber auch Spreewald und Uckermark. Da er sich die Fragen für die Quiz-Runden seiner Shows selbst ausdenkt, erweitert sich sein Wissen über Land und Leute ständig.
In seiner Heimatstadt ist er heute bekannt wie ein bunter Hund. Da wird aus einem geplanten zehnminütigen Einkauf in der Bahnhofstraße schnell mal eine ganze Stunde. Selbst ohne seinen hohen Grenadier-Hut ist Detlef Wachs nicht zu übersehen. Ohne Uniform unterwegs, bekommt er schon mal zu hören: „Wie siehst Du denn heute aus – so als Mensch verkleidet.“ Bleiben ein paar Tage Freizeit, fährt er mit Frau und Enkel gern auf die Insel Rügen.
Gelernt hat Detlef Wachs eigentlich Maschinen- und Anlagenbauer. In diesem Job war er auch mal ein Jahr lang an der „Druschba“-Trasse (DDR-Bauabschnitt der Erdgasleitung „Sojus“). „Wir hatten zwar Zwölf-Stunden-Schichten, dafür aber auch viel Freizeit. Die Druschba-Trasse war Abenteuer pur. Das prägte fürs Leben“, erinnert sich der großgewachsene Märker. Zurück in der Heimat, gab es dann einige Vergünstigungen. Auf einen Trabi warteten Trassen-Arbeiter in der DDR nur ein halbes Jahr. Normal betrug die Wartezeit über zehn Jahre. In den 80er-Jahren kam bei Wachs zunehmend die kulturelle Ader durch, was auch seinen Chefs auffiel. Er wurde Chef im Volkshaus Wildau (früher Kulturhaus) und studierte später Kulturwissenschaften.
Dann bereitet sich Detlef Wachs auf die abendliche Privatfeier für ein Geburtstagskind vor. Natürlich hat er sich vorher mit Verwandten des Jubilars getroffen, um ein individuelles Programm auf die Beine zu stellen. Einige Gäste werden aus Sachsen anreisen. Der Preuße Wachs wird sie auf der Party beglückwünschen, die Passkontrollen an der Landesgrenze gut überstanden zu haben. Lange Monologe hält der „Lange Kerl“ aber nicht. „Ich beziehe das Publikum immer mit ein.“


