Unbekannte Kriminelle haben in der Nacht zu Freitag den Geldautomaten einer in einem Discountmarkt integrierten Bank in Altdöbern (Oberspreewald-Lausitz) gesprengt. Offensichtlich hatten die Täter in diesem Fall die Sprengkraft deutlich unterschätzt. Denn durch die vermutlich mit Gas verursachte Explosion geriet nicht nur das Gebäude mit dem Geldautomaten der Spreewaldbank in Brand.

Das Feuer griff auch auf einen benachbarten Supermarkt in dem Einkaufszentrum über. In der Folge stürzten nach Angaben der Feuerwehr Teile der Dachkonstruktion des Gebäudekomplexes nach und nach ein.

Niemand verletzt

Wie das Polizeipräsidium in Potsdam am Morgen mitteilte, sei glücklicherweise niemand am Tatort verletzt worden. Den Tätern gelang unerkannt die Flucht. Offen blieb zunächst die Frage, ob die Täter überhaupt die Geldkassetten aus dem Automaten erbeuten konnten.

Nach Angaben der brandenburgischen Polizeidirektion Süd waren die Polizei und die Feuerwehr kurz nach 2.30 Uhr in die Schulstraße nach Altdöbern alarmiert worden. Ein Zeuge hatte einen lauten Knall gehört, unmittelbar darauf habe der Mann den Discounter in Flammen gesehen, sagte Polizeisprecher Torsten Wendt der Berliner Morgenpost.

Das durch die heftige Explosion ausgelöste Feuer führte zu zu einem Großeinsatz. Feuerwehren aus mehreren umliegenden Ortschaften waren mit zur Brandbekämpfung ausgerückt. Laut Polizei waren 80 Einsatzkräfte für die Löscharbeiten vor Ort.

Am Vormittag war der Brand dann weitgehend unter Kontrolle. Die „Nachlöscharbeiten“ würden sich aber noch bis zum Mittag hinziehen, sagte auf Anfrage ein Sprecher der Regionalleitstelle Lausitz zu diesem Zeitpunkt.

Gluthitze bremst Kripo aus

Doch die Feuerwehr stieß dann während des Einsatzes beim Einreißen von Teilen des Daches immer wieder auf Glutnester, die von neuem gelöscht werden mussten. Die in Marsch gesetzte Tatortgruppe des Landeskriminalamtes konnte zunächst nicht eingreifen. „Bis 14 Uhr war es an der Einsatzstelle immer noch so heiß, dass die Kriminaltechniker ihre Arbeit nicht aufnehmen konnten“, sagte Polizeisprecher Wendt.

Ungeklärt blieb vorerst, wie genau die unbekannten Täter den Geldautomaten in die Luft sprengten. Bei früheren Taten in Berlin und Brandenburg hatten die Kriminellen häufig ein Gas-Luft-Gemisch in die Geräte geleitet und danach gezündet.

Mehrfach sind bei solchen Taten in der Region bereits erhebliche Sachschäden verursacht worden. Die Täter schrecken auch nicht davor zurück, dass Menschen verletzt werden. Nach der Sprengung von Geldautomaten einer Filiale der Deutschen Bank am Mehringdamm in Kreuzberg blieb das betroffene Bankgebäude über Monate lang geschlossen.

An der Kaiser-Wilhelm- Ecke Dillgesstraße in Lankwitz hatte die Sprengung eines Bankautomaten schließlich zum Abriss eines Nebengebäudes einer Postbank geführt, in dem zuvor auch eine Paketstation untergebracht war. In beiden Fällen waren bei den nächtlichen Sprengungen keine Unbeteiligten zu Schaden gekommen.

Die jüngste Automatensprengung in Altdöbern erinnert sehr an eine ähnliche Tat, die von Unbekannten vor etwas mehr als drei Wochen in Vehlefanz (Oberhavel) verübt wurde. Eine heftige Explosion hatte am 4. Juni gegen 3 Uhr das Dorf Vehlefanz erschüttert.

Bereits kurz darauf waren Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma vor Ort, die zuvor bereits einen elektronischen Alarm erhalten hatten und sofort die Polizei alarmierten. Beim gemeinsamen Eintreffen der Sicherheitskräfte hätten zwei Täter sofort die Flucht ergriffen.

Pkw mit Berliner Kennzeichen

Die Männer seien nach Polizeiangaben in einen dunklen Pkw mit Berliner Kennzeichen gestiegen und in Richtung Autobahn davongefahren. Während der Flucht hätten sie Geldkassetten verloren. Neben diesen seien auch Bargeld und Gasflaschen am Tatort sichergestellt worden, sagte eine Polizeisprecherin.

Trotz Verfolgung war den Tätern jedoch die Flucht geglückt. Auch in dem kleinen Ort Vehlefanz war durch die Wucht der Explosion das Gebäude der Volksbankfiliale so schwer beschädigt worden, dass es einen Tag nach der Tat abgerissen werden musste.

Eine weitere Parallele zum neuesten Fall: Wie in Altdöbern lag der Tatort in der Nähe einer Autobahn, was den Tätern eine schnelle Flucht ermöglichte. Ob es einen Zusammenhang zwischen dieser Sprengung in Nord- und der aktuellen in Südbrandenburg gibt, ist zur Stunde nicht auszuschließen. In jüngster Vergangenheit waren indes häufiger Fahrkartenautomaten auf S-Bahnhöfen, wie am 11. Mai in Grünau, angegriffen und gesprengt worden.