Brandenburg

Zwei Tote und 47 Verletzte bei Busunfall im Havelland

Zwei Menschen sind am Sonnabendmorgen bei einem schweren Reisebusunglück im Havelland ums Leben gekommen. Ministerpräsident Woidke reagierte erschüttert.

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Die geplante Einkaufsfahrt nach Polen endete für eine Reisegruppe aus Sachsen-Anhalt am Sonnabend nordwestlich von Nauen mit einem schrecklichen Unfall. Bei dem Frontalzusammenstoß eines Autos mit einem Reisebus auf der Bundesstraße 5 im Landkreis Havelland sind am frühen Morgen beide Fahrer tödlich verunglückt. In dem Bus wurden alle 47 Fahrgäste verletzt, sieben von ihnen werden noch in umliegenden Krankenhäusern medizinisch versorgt. Zum Unfallzeitpunkt gegen 7.20 Uhr war die Sicht auf der Bundesstraße 5 zwischen Friesack und Pessin durch Nebel stellenweise erheblich eingeschränkt, Rettungshubschrauber konnten aus diesem Grund auch nicht zur Bergung der Verletzten eingesetzt werden.

Der verhängnisvolle Unfall hatte sich im Bereich der Gemeinde Mühlenberge zwischen den Ortschaften Haage und Senzke ereignet. Ein Autofahrer war nach Angaben eines Polizeisprechers in Richtung Friesack fahrend aus bislang ungeklärter Ursache mit seinem Renault Clio nach links auf die Gegenfahrbahn geraten. „Der Pkw war frontal gegen den mit 48 Personen besetzten Bus einer Reisegesellschaft aus dem Landkreis Salzwedel geprallt“, sagte Axel Schugardt, Sprecher der brandenburgischen Polizeidirektion West. Durch die Wucht des Aufpralls kam auch der viel schwerere Reisebus von der Spur ab und raste am linken Straßenrand gegen eine massive Eiche. Der stark beschädigte Kleinwagen war nach der Kollision im Straßengraben gelandet.

Der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen

Für den 25-jährigen Autofahrer aus dem Kreis Havelland kam jede Hilfe zu spät, der Mann starb noch in dem Unfallwagen. Auch bei dem 38-jährigen Busfahrer konnte ein Notarzt nur noch den Tod feststellen. Die Frontpartie des Reisebusses war bei dem Aufprall auf den Baum stark deformiert worden.

In der Rettungsleitstelle der Feuerwehr in Potsdam war um 7.25 Uhr der Notruf eines nachfolgenden Autofahrers von der Unfallstelle eingegangen. Die Feuerwehr Nauen rückte umgehend aus, zudem wurden sofort drei Notarztwagen und vier Rettungswagen aus der Umgebung alarmiert. Wenige Minuten später waren nach Angaben der Rettungsleitstelle sieben weitere Rettungsfahrzeuge auf dem Weg zur Unfallstelle, die aus den Nachbarkreisen Potsdam-Mittelmark, Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin sowie aus dem Norden Berlins angefordert wurden. Insgesamt sieben Notärzte und 75 Feuerwehrleute waren am Unglücksort im Einsatz.

Bereits um 8.45 Uhr waren sämtliche Verletzten vom Unfallort abtransportiert worden. Die Schwerverletzten wurden in Kliniken nach Rathenow und Nauen, sowie nach Neuruppin, Kyritz, Oranienburg und Potsdam gebracht. 17 Leichtverletzte konnten gemeinsam in einem Bus ins Krankenhaus Nauen gefahren werden.

Bundesstraße wurde voll gesperrt

Der weit gefasste Einzugsradius der angeforderten Kräfte habe den Vorteil, dass die Verletzten auf mehrere Kliniken verteilt werden und gleichzeitig genügend Rettungsreserven vorgehalten werden konnten, erläuterte der Chef der Leitstelle später. Während die Verletzten längst versorgt wurden, begann gegen 10 Uhr mit schweren Geräten die Bergung der Todesopfer aus den Fahrzeugen. Um den Reisebus abzuschleppen, musste zunächst ein Kran zur Unfallstelle beordert werden.

Die Bundesstraße blieb bis in die späten Nachmittagsstunden von Pessin bis kurz vor der Ortseinfahrt Friesack für den Autoverkehr vollständig gesperrt.

„Ich kann mich an einen solch schweren Unfall in unserem Landkreis nicht erinnern“, sagte der stellvertretende Landrat Henning Kellner, der zur Unfallstelle gefahren war. „Der Unfallort bietet ein grausiges Bild.“ Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zeigte sich erschüttert über den schweren Busunfall im Havelland. „Mein tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer und den Verletzten“, sagte der Regierungschef am Sonnabend laut Mitteilung.

Einer der schwersten Unfälle der vergangenen Jahre

Woidke dankte den Rettungskräften, die rasch und professionell gehandelt hätten. „Ich bin mir sicher, dass alles Menschenmögliche getan wird, um den Verletzten zu helfen.“ Bereits am Vormittag hatten Sachverständige mit der Untersuchung zur Klärung der Unfallursache angefangen. Inwieweit der Frühnebel einen Einfluss auf den Unfallhergang hatte, blieb zunächst unklar.

Der Unfall auf der B5 war eines der schwersten Busunglücke der vergangenen Jahre in Brandenburg. Im September 2012 war auf der Autobahn A10 nahe der Anschlussstelle Michendorf ein Sattelzug nachts auf einen mit 54 polnischen Schülern besetzten Bus geprallt. Der Unfall hatte zwei Menschenleben gefordert, sechs Businsassen wurden schwer verletzt, darunter drei Kinder. Der Lastwagenfahrer und sein Beifahrer wurden eingeklemmt und starben im Lkw, ihre Bergung hatte Stunden gedauert. 14 Todesopfer hatte am 26. September 2010 ein Busunfall auf der A10 am Schönefelder Kreuz gefordert. Damals war ein Bus mit 49 polnischen Spanienurlaubern auf der Heimfahrt mit einem Auto zusammengestoßen.

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