2,1 Millionen Brandenburger sind aufgerufen, am heutigen Sonntag einen neuen Landtag zu wählen. Erstmals dürfen bei der Landtagswahl auch 38.300 junge Wähler mit 16 und 17 Jahren ihre Stimme abgeben. Um die 88 Sitze im Landesparlament in Potsdam bewerben sich 404 Kandidaten.

Wann beginnt, wann endet die Wahl?

Die 3323 Wahllokale haben von 8 bis 18 Uhr geöffnet. 28.000 Wahlhelfer sind im Einsatz. Ab 18 Uhr werden Prognosen vorliegen, um 18.30 Uhr die ersten Hochrechnungen. Der Landeswahlleiter stellt die Ergebnisse ins Internet, die Seite www.brandenburg.wahlen.de wird voraussichtlich alle 20 Minuten aktualisiert. Das Amt für Statistik stellt auch eine Wahl-App für Smartphones zur Verfügung, mit der man den Ergebnisstand abrufen kann. Das vorläufige Endergebnis wird für etwa 23 Uhr erwartet. Das endgültige Ergebnis stellt der Landeswahlausschuss am 26. September fest.

Wer tritt an?

Die SPD, die Linke, CDU und die Bündnisgrünen treten in allen 44 Wahlkreisen mit Direktkandidaten an. Die BVB/Freien Wähler haben 43 Direktkandidaten, die eurokritische AfD 35, die FDP 32. Die Piraten schicken in 14 Wahlkreisen Direktkandidaten ins Rennen, die rechtsextreme NPD in 13 und „Die Partei“ in drei Wahlkreisen. Die DKP und die Republikaner haben lediglich Listenbewerber aufgestellt. Landeswahlleiter Bruno Küpper hat insgesamt elf Landeslisten von Parteien und politischen Vereinigungen zugelassen.

Wer sind die Favoriten?

Die Umfragen sagen einen erneuten Wahlsieg der seit 1990 regierenden SPD unter Ministerpräsidenten Dietmar Woidke voraus. Laut Prognose könnte sie 32,5 Prozent der Wählerstimmen erhalten. Das reicht aber bei Weitem nicht, um alleine regieren zu können. Bei den Wahlen vor fünf Jahren erhielten die Sozialdemokraten 33 Prozent und entschieden sich für ein Regierungsbündnis mit der Linken. Ob der Regierungschef im Falle eines Wahlsiegs die einzig verbliebene rot-rote Koalition in Deutschland fortsetzt oder statt der Linken die CDU in die Regierung holt, hängt auch von den Wahlergebnissen ab. Er will vor allem eins: eine stabile Mehrheit. Die Union unter ihrem Spitzenkandidaten Michael Schierack darf laut Umfragen mit 24 Prozent rechnen. Das wäre im Vergleich zu 2009 ein Zugewinn von mehr als 5 Prozent. Die Linke unter ihrem Spitzenkandidaten Christian Görke hingegen könnte bei 20 Prozent landen, vor fünf Jahren belegte sie mit 27 Prozent Platz zwei hinter der SPD.

Welche Chancen haben kleine Parteien?

Die größten Chancen, die Fünf-Prozent-Hürde zu überwinden, hat laut Umfragen die eurokritische Alternative für Deutschland, kurz AfD. Der erst vor etwa anderthalb Jahren gegründeten Partei werden nach dem Wahlsieg in Sachsen bei der Wahl in Brandenburg unter ihrem Spitzenkandidaten Alexander Gauland 9,5 Prozent vorhergesagt. Politiker der etablierten Parteien werfen der AfD Rechtspopulismus vor. Die Bündnisgrünen könnten den erneuten Sprung in den Landtag mit fünf Prozent knapp schaffen. Ihre Spitzenkandidaten Ursula Nonnemacher und Axel Vogel haben die meisten Wähler im Speckgürtel um Berlin. 2009 landeten sie bei 5,7 Prozent. Die FDP holte damals 7,2 Prozent, die Zustimmung ist so gering, dass sie nicht mehr separat bewertet wird. Das Spitzenduo Andreas Büchner und Gregor Beyer kämpfte mit der Kampagne „Keine Sau braucht die FDP“ um Wähler.

Was ist mit den Freien Wählern?

Auf einen Einzug ins Landesparlament hoffen Brandenburgs Freie Wähler. Laut einer Umfrage kann der Spitzenkandidat der Vereinigten Bürgerbewegungen (BVB)/Freie Wähler, Christoph Schulze, im Wahlkreis 25 mit 42 Prozent der Erststimmen rechnen. Gewinnt er das Direktmandat, dann ziehen die Freien Wähler in den Landtag ein. Die Fünf-Prozent-Hürde gilt nicht für Parteien, die landesweit mindestens einen Wahlkreis erringen. Der rechtsextremen NPD werden keine Chancen für den Landtag eingeräumt.

Wie wurde für eine hohe Wahlbeteiligung geworben?

Selbst TV-Moderator Günther Jauch startete einen Wahlaufruf, zusammen mit Landtagspräsidenten Gunter Fritsch. Die Landeszentrale für politische Bildung hat erstmals vor einer Landtagswahl in Brandenburg einen Wahl-O-Maten im Internet geschaltet. Per Mausklick können Interessierte herausfinden, welche Partei am ehesten ihre Interessen vertritt. Zudem sind seit 30. August sieben Jugendliche als „Wahlwecker“ durch Brandenburg gereist.

Wer ist der jüngste, wer der älteste Kandidat?

Der jüngste Kandidat ist der Schüler Matti Karstedt (Jahrgang 1996) aus Groß-Kreutz (Potsdam-Mittelmark. Er tritt für die FDP an. Der Ältester Bewerber ist der Rentner Dieter Frielinghaus (Jahrgang 1928) aus Brüssow (Uckermark) auf der Liste der DKP.

Gibt es weitere Wahlen am Sonntag?

Die Cottbuser wählen einen neuen Oberbürgermeister. In acht Kommunen werden Bürgermeister bestimmt: Bernau (Barnim), Märkische Heide (Dahme-Spreewald), Leegebruch, Löwenberger Land (Oberhavel), Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz), Trebbin (Teltow-Fläming). In Heiligengrabe (Ostprignitz-Ruppin) wird die Kommunalwahl nachgeholt.