Hells Angels

Schwedter Rocker schweigen vor Gericht

Fünf Angeklagte müssen sich seit Freitag vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Obwohl lange Haftstrafen drohen, blieben sie wortkarg.

Wegen bandenmäßigen Drogenhandels müssen sich seit Freitag vier Männer und eine Frau aus dem uckermärkischen Schwedt vor dem Frankfurter Landgericht verantworten. Die Angeklagten im Alter zwischen 27 und 47 Jahren sollen im vergangenen Jahr versucht haben, in der Grenzstadt im Nordosten Brandenburgs ein florierendes Geschäft mit Rauschgift aufzubauen.

Wie lange die mutmaßliche Bande um den Hauptangeklagten Udo J., der als Mitglied der Hells Angels gilt, schon aktiv war, lässt sich laut den Ermittlern schwer sagen. Gemeinsam mit weiteren Bandenmitgliedern sollen die Angeklagten arbeitsteilig agiert haben. J. machte die geschäftlichen Absprachen, organisierte Transport und Weiterverkauf, teilte die Leute für Kurierdienste ein. Bei zwei Drogen-Transaktionen vor einem Jahr gerieten sie in Polizeikontrollen und flogen letztlich Anfang 2012 auf.

Übergabe bei Rockermeeting

Im ersten Fall ging es um zwei Kilogramm Marihuana im Verkaufswert von 10.000 Euro, die der Bandenchef laut Anklage bei einem Lieferanten in Fürstenwalde geordert hatte. Die Übergabe sollte am 10. August 2011 am Rande eines Meetings des Rockerklubs Hells Angels Berlin erfolgen. J. soll zu ihnen gehört haben, seine Mitangeklagten ebenfalls Verbindungen zu den „Höllenengeln“ haben. Der 47-Jährige traf sich laut Anklage mit dem Lieferanten in der Kreuzberger Kneipe „Jodelkeller“, ließ das Rauschgift jedoch von einem der Mitangeklagten aus dem Auto des Lieferanten holen. Auf dem Weg nach Schwedt geriet der Kurier in eine Polizeikontrolle.

Freiheitsstraßen zwischen fünf und 15 Jahren drohen

Ähnlich war es im zweiten Fall zwei Tage später: Ein weiterer Mitangeklagter sollte 50 Gramm Kokain, das J. bestellt hatte, mit einem Verkaufswert von 2000 Euro bei einem Lieferanten in Hohen Neuendorf abholen. Auch dort wartete bei der Rückfahrt bereits die Polizei. Das Quintett auf der Anklagebank schweigt im Wesentlichen zu den Vorwürfen, für die Freiheitsstrafen zwischen fünf und 15 Jahren drohen. Auch das Angebot des Gerichts, das ihnen Strafmilderung bei entsprechenden Geständnissen in Aussicht stellt, ändert am Aussageverhalten nichts.

Der Hauptangeklagte J. sorgte bereits Anfang des Jahres für Schlagzeilen, weil er, von zahlreichen Messerstichen schwer verletzt, mitten auf der Straße im uckermärkischen Kunow lag. Die Ermittlungen zu Tätern und Hintergründen laufen noch.

Polizei verhindert Auseinandersetzung

Unterdessen hat die Polizei in Neubrandenburg am Donnerstagabend eine Auseinandersetzung zwischen ortsansässigen Bandidos und Berliner Hells Angels verhindert. Die „Höllenengel“ hatten sich mit Unterstützern unter anderem im Internet verabredet, um die Bandidos MC Neubrandenburg aufzumischen, wie die dortige Polizei am Freitag mitteilte.

Experten gehen davon aus, dass die einflussreichen Berliner Hells Angels diese Gebiete übernehmen wollen.