Für den guten Zweck

In Potsdam gründet sich ein neuer Rotary-Club

Der dritte Club der Landeshauptstadt heißt „Belvedere“ – und widerlegt das Klischee vom Zirkel Zigarre rauchender älterer Herren.

Foto: Massimo Rodari

Die Runde trifft sich meist wöchentlich – in einem abgeschirmten Raum der feineren Potsdamer Hotels: im Cecilienhof, im Dorint, im Inselhotel auf Hermannswerder oder auch im Mercure. Der Zutritt ist nur Mitgliedern und ausgesuchten Gästen gestattet. Beim „Lunch“ oder „Dinner“ werden die laufenden Hilfsprojekte beraten. In der Regel hält ein Experte während des Essens einen Vortrag: zur Finanzkrise, Gesundheitsreform, zum Klimaschutz – oder über den Wirtschaftsstandort Potsdam. In der Brandenburger Hauptstadt haben sich Vereinigungen wie die der Rotarier oder Lions längst etabliert. Umso größer und reicher Potsdam wird, desto mehr Bewohner wollen sich für einen guten Zweck einsetzen und nebenbei auch Kontakte knüpfen. Nun hat sich ein weiterer Rotary-Club gegründet; es ist der dritte in der 155.000-Einwohner-Stadt. Er nennt sich „Belvedere“, benannt nach Potsdams schönster Aussicht auf dem Pfingstberg.

Viel Geld, viel Engagement

Gründungspräsident ist der Unternehmer Stephan Goericke. Der 39-Jährige führt ein internationales IT-Dienstleistungsunternehmen, ist verheiratet und hat eine kleine Tochter. Goericke ist gebürtiger Potsdamer. Mitglieder eines anderen Rotary-Clubs haben ihn für das Amt geworben. Einer der sogenannten Gründungspaten ist Dieter Hütte. Der Geschäftsführer der Brandenburger Tourismus Marketing GmbH engagiert sich schon seit vielen Jahren bei den Rotariern. Bis vor kurzem war er Präsident des zweiten Rotary-Clubs „Alter Markt“. Der erste Club mit Rotariern hatte sich in Potsdam 1991 gegründet, er darf sich schlicht Rotary-Club Potsdam nennen.

„Die beiden bestehenden Clubs konnten keine Mitglieder mehr aufnehmen“, sagt Dieter Hütte. „Zusammen haben allein sie mittlerweile rund 150 Mitglieder.“ Kein Wunder, im aufstrebenden Potsdam, in dem immer mehr auch Geld und Einfluss zu Hause sind. Solchen Clubs haftet auch der Ruf von elitären Zirkeln an. Bei vielen taucht das Bild auf von Zigarre rauchenden älteren Herren, die in ihren Ledersesseln einen Whisky nehmen. „Für uns trifft das garantiert nicht zu“, sagt „Belvedere“-Gründungspräsident Goericke. „Von unseren derzeit 25 Mitgliedern im neuen Club sind 40 Prozent Frauen.“ Das Durchschnittsalter liege bei Mitte 40.

Jeder, der beruflich etabliert ist und die Verpflichtungen erfüllen kann, kann rein theoretisch Mitglied werden. Mindestens die Hälfte der Treffen muss eingehalten werden. Jährlich mehrere hundert Euro sollte man für den Mitgliedsbetrag einplanen. Sich selbst zu bewerben ist aber nicht gestattet. Man wird angesprochen. Dabei gibt nicht das volle Bankkonto den Ausschlag, sondern: „Dass es Leute sind, die etwas für Potsdam tun wollen und sich schon länger gesellschaftlich engagieren“, sagt Stephan Goericke.

Wer kommt in Frage? „Das geht querbeet“, sagt Goericke, „vom Arzt, Beamten, Journalisten oder Geschäftsinhaber, Künstler bis hin zum Handwerksmeister.“ Und Politiker? In Goerickes Club gibt es derzeit keinen aktiven Spitzenpolitiker. „Wir sind zwar politisch, aber überparteilich.“ Goericke ist selbst CDU-Mitglied, unterstützt aber auch Sozialprojekte, für die Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) als 2. Vorsitzender der Jerusalem-Foundation Deutschland wirbt. Er sagt: „Soziales Engagement kennt keine Parteibücher.“ Auch der Promi-Faktor spielt laut Goericke in den Service-Clubs keine Rolle. „Die Promis finden sich eher im Cafe Heider als bei uns“, so Goericke. Er will auf das „Rückgrat der Stadt“ setzen und meint damit: die erfolgreiche Generation der 30 und 40-Jährigen. Und gleichzeitig auf jene, die sich mit Potsdam eng verbunden fühlen. So wie Antje Westphal. Die 47-jährige Personalmanagerin ist in Potsdam aufgewachsen und mit engagierten Eltern groß geworden. Sie sagt: „Ehrenamtliches Engagement gehörte in meinem Leben schon immer dazu.“ An den Rotariern gefällt ihr, dass „ich mich einbringen kann ohne Partei- oder Konfessionszugehörigkeit“. Der Potsdamer Zahnarzt René Buschow ist seit 2008 bei den Rotariern. „Hier werden gemeinsam wichtige soziale Projekte vorangetrieben“, sagt der 48-Jährige, „und man hat die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen.“ Wer neu dazukommt, wird Mitglied auf Probe. Erst nach einigen Treffen entscheidet sich, ob derjenige oder diejenige Rotarier wird. „Es ist eine Entscheidung fürs Leben“, sagt Goericke.

Stolpe ist Lions-Mitglied

Rotarier, Lions oder Soroptimist International, die Service-Organisation berufstätiger Frauen – sie alle engagieren sich für soziale Zwecke. „Unser Augenmerk lag in diesem Jahr auf dem neuen Potsdamer Hospiz“, sagt Mathias Steinbömer, Vize-Präsident des Lions-Clubs Potsdam. „Wir unterstützen auch die Jugendarbeit und fördern den internationalen Austausch.“ Daneben gibt es noch den zweiten Lions-Club „Potsdam-Sanssouci“. Ihm verdankt die Potsdamer Tafel für Bedürftige beispielsweise ein zweites Kühlfahrzeug. Der Club sammelte und spendete allein dafür 35.000 Euro. Beide Lions-Clubs entstanden Anfang der 90er-Jahre und haben laut Steinbömer zusammen rund 60 Mitglieder. Auch Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) ist „Lions“-Mitglied.

Der eben erst gegründete Rotary Club Belvedere möchte die „Spirelli-Bande“ unterstützen. In dem Projekt der Arbeiterwohlfahrt wird Kindern in den Schulen ein gesundes Frühstück angeboten. Dass Eltern sich zu wenig kümmern, komme auch im „glänzenden Potsdam“ vor, sagt Stephan Goericke. Außerdem stiften die Rotarier Behandlungsplätze für eine alternative Bewegungstherapie in der Parkinson-Klinik Beelitz-Heilstätten. Goericke ist auch Organisator der Parkinsongala in Brandenburg. Sie sammelt jedes Jahr fünfstellige Summen für Erkrankte. Erstmal aber reist der Unternehmer beruflich nach Südafrika. In Kapstadt will er unbedingt die dortigen Rotarier besuchen. Man ist ja eine internationale Familie.