500 Kilometer trennen Frankfurt und Warschau. Für richtige Fußballfans ist das im Vergleich zu so manchem Auswärtsspiel des Lieblingsvereins eine kurze Strecke. Sowohl deutsche als auch polnische Grenzbehörden rechnen deshalb zur Fußball-Europameisterschaft mit vielen Fans, die sich spontan auf den Weg zu den Spielen in Polen und der Ukraine machen.
Doch so mancher Reisende dürfte überrascht werden. „Ihren Ausweis oder Pass, bitte“, wird es ab Freitag an ehemaligen Grenzübergängen, im Zug oder an weiteren Zufahrtsstraßen gen Osten heißen. Die polnischen Grenzbehörden wollen die Übergänge zur Fußball-EM kontrollieren. Und dass, obwohl es seit dem Beitritt Polens zum Schengener Abkommen im Jahr 2007 eigentlich gar keine Grenzkontrollen mehr an Oder und Neiße gibt.
Doch Polen hat im Zusammenhang mit der Fußball-EM eine Ausnahmeregelung bei der EU-Kommission bewilligt bekommen, zeitweilig den Reiseverkehr verstärkt überwachen zu dürfen. In den nächsten vier Wochen wird es rund 250 mobile Kontrollstellen geben. „Die polnischen Kollegen nutzen unsere Erfahrungen von der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Damals haben wir verstärkt unsere Grenzen kontrolliert, um Hooligans oder auch Randalierer an der Einreise zu hindern. „Das hat auch geklappt“, sagt Jens Schobranski von der Bundespolizeidirektion Berlin.
Wer Pass und gegebenenfalls Gepäck auf seiner Reise zeigen muss, ist dabei nicht zufällig ausgewählt. Die Grenzbeamten des Nachbarlandes sind gezielt auf der Suche nach gewaltbereiten Fußballfans. Familien auf dem Weg in den Urlaub oder andere augenscheinliche Ausflügler hätten hingegen nichts zu befürchten, werden im Idealfall gar nicht erst angehalten. Der polnische Grenzschutz hat nach Informationen der Bundespolizei aufgerüstet, Einsätze geübt und in moderne Technik und Personal investiert. Über das Schengener Informationssystem, den sogenannten Fahndungscomputer, können alle europäischen Gewalttäter in Sachen Sport abgefragt werden. „Über die UEFA kennen wir zudem die Leute, die Stadionverbot haben“, sagt Anna Galona vom polnischen Grenzschutz in Krosno, zuständig für die Westgrenze des Landes.
Vor allem die großen Strecken, die Autobahnen 11, 12 und 15, sollen laut Jens Schobranski von den polnischen Kollegen überprüft werden. „An der Autobahn 12 in Swiecko bietet sich der ehemalige Grenzübergang dafür an, es gibt genügend Staufläche“, sagt der Bundespolizist. Dort befindet sich zudem das gemeinsame deutsch-polnische Zentrum von Polizei und Zoll, das Fahndungs-Anfragen von Sicherheitsbehörden beider Länder bearbeitet. Doch auch an kleineren Zufahrtstraßen und verstärkt in den Zügen nach Polen werden Reisende seinen Informationen nach kontrolliert.
Staus sollen vermieden werden
Die Kontrollen wird es jedoch nicht täglich rund um die Uhr geben, so dass weder mit Staus noch mit längeren Wartezeiten auf dem Weg nach Polen zu rechnen ist, sagt Jens Schobranski. „Das wird sich auf die Tage im Vorfeld von Spielen der deutschen Mannschaft konzentrieren.“
Keinen Kontrollpunkt soll es auf der Frankfurter Stadtbrücke am einstigen innerstädtischen Grenzübergang geben. „Der liegt auf deutschem Territorium und die Sonderkontrollmaßnahmen sind nur den polnischen Grenzern erlaubt, die sie so auch nur auf ihrem Gebiet machen dürfen“, sagt Jens Schobranski. Die deutschen Grenzer würden in den nächsten vier Wochen aber ebenfalls genau hinschauen, wer Richtung Osten fährt, sagt er. Obwohl die Bundespolizisten in dem 30 Kilometer breiten Grenz-Hinterland-Korridor ansonsten eher in Richtung Westen kontrollieren, um illegale Einreisen nach Deutschland zu verhindern. „Wir werden unsere Beobachtungen per Funk an die polnischen Kollegen weiter geben“, sagt Jens Schobranski. Personalverstärkung auf deutscher Seite zur EM wird es jedoch nicht geben.
Für das Pilotprojekt der deutsch-polnischen Tandemstreifen, die seit März im binationalen Grenzhinterland von Frankfurt und Slubice ermitteln, wird die EM zur Bewährungsprobe. Der deutsche und der polnische Innenminister hatten sich auf gemeinsame Dienststellen des Grenzschutzes beider Länder verständigt, um grenzüberschreitend Straftaten zu verhindern. Sie befinden sich in Swiecko und in Zgorzelec an der Grenze zu Sachsen.
Unabhängig von den Grenzkontrollen zur Fußball-EM beschloss der brandenburgische Landtag am Mittwoch, Zollbeamten in Brandenburg mehr Kompetenzen einzuräumen. Mit Nivellierung des Polizeigesetzes sollen sie Tatverdächtige festnehmen, ihre Identität überprüfen und notfalls sogar von der Schusswaffe Gebrauch machen können. Dies sei ein weiterer Baustein, um die Grenzkriminalität zu bekämpfen, sagte Innenminister Dietmar Woidke (SPD).


