DDR-Kunst

Neues Archiv für DDR-Kunst lässt auf sich warten

Auf dem Dachboden der DDR-Kultur: Das alte Kunstarchiv in Beeskow platzt mit rund 23.000 Exponaten aus allen Nähten. Doch ein Neubau für die Arbeiten Neo Rauchs und seiner Kollegen würde Millionen kosten.

Foto: dpa

Es ist nun ein Jahr her, dass die großen Pläne vorgestellt wurden – viel getan hat sich seitdem allerdings nicht. Im ostbrandenburgischen Beeskow (Oder-Spree) will Architekt Max Dudler das neue Kunstarchiv für rund 23.000 Werke aus der DDR bauen. Der Knackpunkt: Bislang fehlt die Zusage für das nötige EU-Fördergeld, um das rund zehn Millionen Euro teure Vorhaben zu verwirklichen.

Das bestehende, aber zu kleine Kunstarchiv in Beeskow südöstlich von Berlin versteht sich als Dokumentationsstelle zur Bildenden Kunst in der DDR. Vertreten sind dort zum Beispiel frühe Arbeiten des Malers Neo Rauch, der kürzlich gestorbenen Fotografin Sibylle Bergemann und des Bildhauers Wieland Förster. „Es ist wichtig, dass wir für dieses Haus eine Zukunft haben“, sagt Archiv-Mitarbeiterin Kristina Geisler.

Vor einem Jahr präsentierte das Büro Dudler, das in Berlin zum Beispiel die neue Bibliothek der Humboldt-Universität gebaut hat, auf der Burg Beeskow die Pläne – dort sollen die neuen Räume entstehen. Geplant ist demnach ein Neubau mit rund 3000 Quadratmeter Nutzfläche, der an den von Kriegszerstörung gezeichneten Ostflügel der mittelalterlichen, denkmalgeschützten Burg gebaut werden soll. In dem geplanten Gebäude mit Spitzdach soll es für die Kunstwerke mehr Platz geben. Doch zwischenzeitlich wurde abgespeckt: „Wir werden auf das Kellergeschoss verzichten“, sagt Frank Steffen (SPD), Bürgermeister der Stadt, die Bauherrin ist. „Das würde zu teuer werden.“ Der Keller habe zum Beispiel technische Einrichtungen beherbergen sollen. Die müssten nun anderweitig untergebracht werden.

Burg-Direktor Tilman Schladebach hatte vor einem Jahr festgestellt: „Wir gewinnen Kapazität, wir gewinnen Substanz.“ Er verwies darauf, dass bisher eine verantwortungsvolle Aufbewahrung der Bilder, Skulpturen und anderen Kunstgegenstände kaum möglich gewesen sei. Seine Mitarbeiterin Geisler ergänzt, dass auch Lagermöglichkeiten und wissenschaftliche Arbeitsplätze fehlten. „Es ist ein Platzproblem.“ Nicht nur das: Auch werden die Wände zu feucht bei nasskaltem Wetter. Für die dürftig gestapelten Werke auf Dauer keine gute Umgebung. Und überhaupt: Welchen Sinn hat die zusammengetragene Kunst, wenn sie gar nicht oder nur selten zugänglich ist? Das Beeskower Archiv wurde vom letzten DDR-Kulturminister Herbert Schirmer gegründet, später kamen die Werke zur Treuhand und letztlich Eigentum der ostdeutschen Bundesländer. Archiv-Mitarbeiterin Kristina Geisler hebt die Bedeutung des Projektes hervor: „Nicht oft wird in Deutschland ein Depot gebaut. Das ist schon recht ungewöhnlich.“ Die Kunst, die im Archiv lagert, sei aus westdeutscher Sicht „recht exotisch“. Genutzt wird der Bestand für die wissenschaftliche Erschließung, aber auch für Ausstellungen.

EU soll 85 Prozent bezahlen

Eigentlich war mit der Entscheidung über die erhoffte Förderung im Frühjahr gerechnet worden. „Das Projekt ist damals aus Zeitgründen nicht behandelt worden“, sagt Bürgermeister Steffen. Vielleicht wird es aber schon bald Klarheit geben – am Dienstag tagt Steffen zufolge der zuständige Ausschuss. An dem Projekt, das – wenn alles gut geht – zu 85 Prozent mit EU-Geldern finanziert werden soll, sind auch polnische Partner beteiligt. Es ist geplant, zu einem späteren Zeitpunkt auch die Bestände der Artothek der Sozialen Künstlerförderung Berlin einzubinden, so dass der Neubau am Ende 38000 Objekten eine neue Heimat bieten könnte. Doch was geschieht, wenn der Antrag abgeschmettert wird? Steffen ist zuversichtlich: „Wenn das nicht funktioniert, werden wir versuchen, ob es andere Fördermöglichkeiten gibt.“ Ob der im Oktober 2010 vorgestellte Zeitplan eingehalten werden kann, ist ungewiss – Ende 2013 soll der Neubau eigentlich fertig sein.