Bereits zum zweiten Mal innerhalb von nur einer Woche sorgt eine Meldung bei Eltern, Lehrern und Schülern der Otfried-Preußler-Schule in Großbeeren für Unruhe. Nach Angaben der Polizei Teltow-Fläming soll am Montagmorgen ein unbekannter Mann einem neunjährigem Mädchen aufgelauert und das Kind aufgefordert haben, in sein Auto zu steigen. Erst am Dienstag der vergangenen Woche war ein Vorfall bekannt geworden, wonach ein Mann zwei Mädchen vor der Schule an der Teltower Straße angesprochen haben soll. Mit Süßigkeiten und Schminke habe er versucht, die Drittklässlerinnen in sein Auto zu locken.

Nach derzeitigen Erkenntnissen soll sich der jüngste Fall am frühen Morgen zugetragen haben. Das kleine Mädchen war gegen 7 Uhr auf dem Weg in den in unmittelbarer Nähe gelegenen Hort an der Berliner Straße unterwegs, als ein Autofahrer plötzlich neben ihm gehalten habe. Der Mann sei ausgestiegen, habe das Mädchen am Arm gefasst und es aufgefordert, mitzukommen. In diesem Moment sollen zwei Jogger vorbeigekommen sein, worauf der Mann wieder in sein Auto stieg und davonfuhr. Die Polizei in Luckenwalde sucht deshalb nach Zeugen, die den Vorfall beobachtet haben. Insbesondere werden die beiden Jogger aufgerufen, sich an die Polizei in Luckenwalde zu wenden. Hinweise nimmt die Polizei unter Tel.: 03371-6000 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Kriminalpolizei ermittelt

Bei dem Mann könnte es sich um dieselbe Person handeln, die bereits am Dienstag vergangener Woche vor der Schule an der Teltower Straße zwei Mädchen angesprochen hatte. Er trage eine Brille, soll Mitte 20 Jahre alt sein und kurze, lockige, dunkelbraune Haare haben. Mit der Frage „Soll ich euch zum Hort fahren?“ habe er die Schülerinnen angesprochen. Glücklicherweise lehnten die Mädchen das Angebot ab. Augenzeugen zufolge soll der Mann ein dunkelblaues Cabrio fahren. „Wir nehmen die Sache sehr ernst“, sagte ein Polizeisprecher. Die Aussagen der Kinder seien glaubwürdig. „Wir sind uns sicher, dass es sich um eine reale Person handelt“, so der Sprecher weiter. Zu dem Fahrzeug gebe es jedoch unterschiedliche Angaben. So sei im ersten Fall von einem Berliner Kennzeichen die Rede gewesen, im zweiten Fall soll es sich um ein Nummernschild aus Teltow-Fläming gehandelt haben. Bislang hat die Polizei noch keine konkreten Hinweise erhalten.

Nach dem zweiten Vorfall hat die Kriminalpolizei jetzt eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. Zusätzlich werden zivile und uniformierte Beamte in den Morgenstunden sowie nach Schulschluss verstärkt im Bereich der Otfried-Preußler-Schule im Einsatz sein. Sie sollen auch in den nächsten Tagen regelmäßig patrouillieren, so der Polizeisprecher. Darüber hinaus besuchten am Dienstag Beamte der Kriminalpolizei die Schule, um mit der Schulleitung vorbeugende Maßnahmen zu besprechen. Gegen Mittag führte die Polizei zudem Verkehrskontrollen durch und hielt Fahrzeuge an, die auf die Beschreibung passten.

Die Schulleitung der Grund- und Oberschule ist alarmiert. „Natürlich sind wir besorgt“, sagt Schulleiter Boris Petersen. Die Schüler würden weiterhin auf die Vorfälle aufmerksam gemacht werden. Alle Klassenlehrer seien informiert und angewiesen worden, mit den Schülern zu sprechen. Allerdings warnt Petersen davor, die Schüler zu verängstigen: „Zwischen Informieren und Hysterie erzeugen ist es nur ein schmaler Grat.“ Auch gestern stauten sich vor der Schule die Autos besorgter Eltern, die zur Sicherheit ihre Kinder abholten. „Normalerweise ist es hier nicht so voll“, sagt eine Mutter.

Eltern begleiten Kinder

Die Eltern nehmen mittlerweile das Problem selber in die Hand. Eine Mutter erklärte sich bereit, in Zukunft die Kinder der dritten Klasse von der Schule in den knapp 900 Meter entfernten Hort zu bringen. Die ersten und zweiten Klassen werden von Hort-Mitarbeitern begleitet. „Allerdings soll diese Begleitung im kommenden Jahr gestrichen werden“, sagte eine andere Mutter. „Wir hoffen, dass diese Entscheidung überdacht wird.“

Am Dienstagabend sollten die Vorfälle auch bei der Elternkonferenz zur Sprache kommen. „Wir wollen versuchen, eine Lösung zu finden, die allen Kindern zugute kommt“, sagt Detmar Jarosch, amtierender Gesamtelternvertreter, der sich an diesem Abend wieder zur Wahl als Elternvertreter stellen wollte. In erster Linie sollten Maßnahmen besprochen werden, wie die Kinder geschützt werden können. Wichtig sei jedoch, die Polizeiarbeit nicht zu stören, sagte Jarosch.

BMO