Ein tödliches Drama wie am Tagebausee von Nachterstedt wird zwar ausgeschlossen. Aber erste Anzeichen für „wackligen Boden“ gibt es bereits - so neigte sich plötzlich ein Baum zur Seite: Deshalb wird ein Wohngebiet auf einer alten Braunkohlenkippe in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) seit Donnerstag auf mögliche Gefahren durch Bodenabsenkungen untersucht. Betroffen seien 20 Menschen in zwölf Wohnhäusern, sagte Ullrich Obst vom Landesbergamt. Die Bewohner müssten ihr Grundstück während der dreitägigen Sondierungsarbeiten jeweils für etwa zwei Stunden verlassen. Die meisten von ihnen gingen zur Arbeit, andere kämen bei Angehörigen oder Bekannten unter. Die Stadt stellte für Betroffene Aufenthaltsräume bereit.

Das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe hatte in dem Gebiet am Mittwoch 29 Grundstücke teilweise gesperrt. Zugleich seien die Bewohner informiert worden, wie sie sich während der Bodenuntersuchungen verhalten sollten, erläuterte Abteilungsleiter Obst. Die hinteren Bereiche der Wohngrundstücke, die an den früheren Tagebau grenzen, habe man mit Flatterbändern abgetrennt. Zugleich sperrte die Behörde 17 unbewohnte Grundstücke komplett: „Betreten verboten“, heißt es dort. Die Betroffenen sollten am Donnerstagabend im Rathaus ausführlich über die Arbeiten informiert werden.

Für die Bodenuntersuchungen wird ein Metallstab mit Schlägen etwa zehn Meter tief in den Untergrund gerammt. „Aus der Zahl der Schläge lassen sich Schlüsse auf die Festigkeit des Bodens ziehen“, äußerte Obst. „Je weniger Schläge, desto weicher der Boden.“ Die Gefahr von Absackungen der vor Jahrzehnten geschütteten Bergbaukippe war im Herbst entdeckt worden. Damals wurde in dem Wohngebiet mit dem Pappelweg, Teilen der Wilhelm-Külz-Straße und des Schwarzen Weges eine Trinkwasserleitung gelegt. „Der Untergrund ist dort etwas wacklig“, sagte Bürgermeister Elisabeth Mühlpforte.

Eine steile Böschung mit einem Restloch wie in Nachterstedt (Sachsen-Anhalt) gebe es in dem Areal in Lauchhammer jedoch nicht, wie es hieß. In Nachterstedt waren am 18. Juli große Teile einer Grubenböschung in den Concordia-Bergbausee gerutscht und hatten ein Haus und eine Doppelhaushälfte mitgerissen - drei Menschen starben in ihren Wohnungen. Ein solches Szenario schließt die Behörde jedoch für Lauchhammer aus.

In dem Gebiet um Lauchhammer wurde bereits Ende des 18. Jahrhunderts die erste Braunkohle aus der Erde geholt. Zu DDR-Zeiten entwickelte sich in der Stadt eine starke Industrie zur Kohleverarbeitung mit acht Brikettfabriken und einer Kokerei. Im jetzt betroffenen Areal förderten die Bagger von 1898 bis 1921 Kohle. Später wurde die Grube zugeschüttet und am Rand entstanden Wohnhäuser und andere Gebäude. Doch wie fest der Boden ist - darüber gibt es keine gesicherten Unterlagen. Nach dem Abschluss der Sondierungsarbeiten soll ein Gutachten darüber aufklären.

dpa/apä