Die Digitale Teilnehmeranschlussleitung, kurz DSL – längst entscheidet sie darüber, ob und wie erfolgreich ein Unternehmen im Markt mitmischt. Doch in Brandenburg warten viele Firmen vergeblich auf diese Spitzentechnologie. "Wir haben sozusagen eine digital gespaltene Gesellschaft", sagte Martin Fornefeld, Experte des Beratungsunternehmens Micus kürzlich auf einer Konferenz der Industrie- und Handelskammer Potsdam (IHK) zum Thema. Er warnt vor Abwanderung des qualifizierten Nachwuchses und von Firmen. Für beide sei Leben und wirtschaften ohne schnelles Internet nicht mehr vorstellbar.
Die Industrie- und Handelskammern in Brandenburg beschäftigen sich bereits monatelang mit diesem Thema. Sie forderten Unternehmer auf, ihre missliche Lage zu melden. Es kam eine regelrechte Flutwelle von Hilferufen: Im so genannten Breitbandatlas Brandenburg, einer Internetplattform, haben inzwischen rund 4300 Brandenburger ihren dringenden Bedarf angemeldet.
"Von einem flächendeckenden Zugang zum schnellen Internet sind wir in Brandenburg noch weit entfernt", resümiert René Kohl, Hauptgeschäftsführer der IHK Potsdam. Der Breitbandatlas diene dazu, dass der Ausbau des Breitbandnetzes bedarfsgerecht und möglichst schnell erfolgen könne.
Erst vor kurzem hat sich die Kammer wieder mit dem Kompetenzzentrum für elektronischen Geschäftsverkehr und dem Städte- und Gemeindebund Brandenburg zusammengesetzt. Ziel: Die Hindernisse aus dem Weg räumen, die dem Aufbau der Zukunftstechnologien noch im Wege stehen.
Viele Kommunalpolitiker haben aufgegeben
Eine besondere Rolle spielen oft Bürgermeister und Kommunalparlamente. Viele haben sich enttäuscht zurückgezogen. Etwa, als ihre Anfragen an Anbieter wie zum Beispiel die Deutsche Telekom AG (DTAG) aus Kostengründen abgewiesen wurde.
Nicht alle resignieren. Die "Geht nicht, gibt's nicht"-Antworten wollte Kerstin Hoppe, Bürgermeisterin der Gemeinde Schwielowsee, nicht akzeptieren. "An diesem Punkt muss der Kampf erst richtig losgehen", fordert die Bürgermeisterin von ihren Amtskollegen.
Mit ihrer in der freien Wirtschaft trainierten Zähigkeit, aber auch Fairness, so sagt sie, habe sie das Ziel erreicht. Die DTAG schloss den Gemeindeortsteil Ferchland letztlich ans DSL-Netz an - über das normale Telefonnetz. Seit November 2006 können 800 Privat- und Geschäftskunden - das Rathaus inklusive - rasant durch das Internet surfen und sind nicht mehr abgehängt.
Es gibt Alternativen – doch sie sind oft teuer
Dort, wo solche Erfolge ausbleiben, gibt es dennoch Möglichkeiten: Satelliten-Internet oder Netzanschluss über Funknetztechnologien wie WiMAX, WLAN, UTMS und Co. Doch sie werden offenbar als zweite Wahl empfunden. Für manche Unternehmen ist beispielsweise DSL über Funk zu teuer, für andere fehlt damit das Angebot, mit ausländischen Kunden über diesen Weg kostengünstig telefonieren zu können. Sven Karge vom Eco-Verband der deutschen Internetwirtschaft betont zwar auch: "Diese Technologien kosten zwar ihr Geld, doch sie sind effektiv und vor allem sofort umsetzbar."
Eine Meinung, die sich auch das Wirtschaftsministerium zu Eigen macht. Es arbeitet an einem Gutachten für eine vom Landtag geforderte Breitband-Strategie für Brandenburg. Ab August 2008 will es zudem Breitband-Lösungen dort fördern, wo sich ein kommerzieller Ausbau für die Anbieter tatsächlich nicht lohnt.
Erfolge sieht das Junghanns-Ministerium auch schon. So gebe es seit Herbst 2007 eine Art Grundversorgung im Lande, und zwar über Satellit. Doch die zu nutzen, sind die Kommunen wohl aufgrund von Kosten und technischen Bedingungen noch zögerlich. Lieber nehmen sie ihre Versorgungslücke hin - gut erkennbar als weißer Fleck im IHK-Breitband-Bedarfsatlas für Brandenburg.
Breitband-Technik Der Oberbegriff Breitband-Technik steht für die Möglichkeit, schnelles Internet mit einem hohen Datendurchsatz nutzen zu können. Mit den bisherigen Leitungen und Technologien wie etwa Modem oder ISDN ist dies kaum möglich.
Breitband-Varianten Verbreitet ist das so genannte DSL-Verfahren. Hier werden, je nach Kabel- und Telefonnetz, unterschiedliche Leistungen erreicht. Eine Alternative sind kabellose Netzwerke für ganze Ortschaften. Die sind aber häufig teurer und auch aufwendiger zu installieren.



