Die Schätzkosten lägen jetzt bei 90 bis 100 Millionen Euro, sagte der Vorsitzende der eigens für den Wiederaufbau der Garnisonkirche gegründeten Fördergesellschaft, Johann-Peter Bauer. Die seit Jahren genannte Summe von 65 Millionen Euro sei überholt. Das Vorhaben muss durch Spendengelder finanziert werden. Der ehemalige Ministerpräsident Brandenburgs, Manfred Stolpe (SPD), bezeichnete den Wiederaufbau als ein „Stück politische Wiedergutmachung“. Das einst von Friedrich Wilhelm I. gebaute Gotteshaus war am 23. Juni 1968 auf Geheiß der DDR-Führung gesprengt worden.
Zum 40. Jahrestag der Sprengung wird an diesem Montag in Potsdam eine Stiftung für den Wiederaufbau der Kirche gegründet. Zu einem Gottesdienst und Festakt werden die Schirmherren Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) und Landesbischof Wolfgang Huber erwartet.
Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) äußerte sich dennoch optimistisch. Er betonte, dass der Wiederaufbau ausschließlich durch Spenden finanziert werde: „Für das Gebäude wird es keine Fördermittel geben.“ Die Stadt bringe lediglich 900 Quadratmeter Baufläche sowie 350 Quadratmeter Straßenfläche in das Stiftungsvermögen ein. Für das Projekt sei nationale und internationale Unterstützung erforderlich. „Allein mit Hilfe der Potsdamer und Brandenburger wird es nicht gelingen.“ Jakobs räumte ein, dass die Potsdamer nicht gerade mit großem Enthusiasmus an den Wiederaufbau der historischen Innenstadt gingen.
Ziel der Stiftung ist unter anderem, den späteren Betrieb des Gotteshauses durch Zinseinkünfte finanziell absichern. Dazu muss jedoch das Grundkapital von derzeit 500.000 Euro noch aufgestockt werden. „Mit den Unterschriften unter der Satzung können wir endlich beginnen, die notwendigen Geldsummen für den Wiederaufbau einzusammeln“, sagte Johann-Peter Bauer. Die zunächst geplante Wiedererrichtung des Turmes könnte allein 25 Millionen Euro kosten, Geplant sei, den Turm möglichst bis 2017 fertig zu stellen
Über das Projekt wurde leidenschaftlich gestritten
Oberbürgermeister Jakobs erinnerte daran, dass „leidenschaftlich darüber gestritten“ worden sei, ob die Garnisonkirche wiederhergestellt werden solle und wenn ja, in welcher Funktion. Das Konzept der evangelischen Kirche einer „Friedens- und Versöhnungskirche“ sei die Voraussetzung für den Wiederaufbau gewesen, sagte der SPD-Politiker. Denn außerhalb Potsdams werde die Garnisonkirche stets mit dem inszenierten Handschlag zwischen Reichspräsident Paul von Hindenburg und Adolf Hitler 1933 in Zusammenhang gebracht.
Namentlich Kritiker von Links argumentieren damit, dass die preußisch-militärische Tradition der einstigen „Hof- und Garnisonkirche“ nicht wiederbelebt werden solle. Grund dafür ist vor allem der so genannte „Tag von Potsdam“: Am 21. März 1933 hatten die Nationalsozialisten vor und in der Kirche den Zusammenschluss mit den deutschnational-konservativen Kräften inszeniert.
Zunächst soll der Kirchturm bis 2017 errichtet werden
Noch sind Bauer zufolge die nötigen Spenden nicht beisammen. Es seien Gespräche mit potenziellen Geldgebern geführt worden – auch über die Region hinaus. Laut Bauer muss das Stiftungskapital erhöht werden. Die Stiftung wird vor allem von der evangelischen Kirche, dem Kirchenkreis und der Stadt Potsdam getragen. Zunächst solle der Kirchturm für 25 Millionen Euro möglichst bis 2017 errichtet werden. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sagte: „Die Menschen, die Geld geben, wollen sehen, dass mit ihrem Geld etwas passiert.“ Die Stiftung sei ein Anfang. Jakobs stellte klar: „Für das Gebäude selbst wird es keine Fördergelder geben.“ Die Stadt stelle aber das Grundstück zur Verfügung.
Stolpe sagte, er habe die Garnisonkirche erstmals 1959 gesehen. Es habe seinerzeit für den Erhalt des Turmes zahlreiche Unterstützer gegeben. Der DDR-Führung seien aber die Bürgerbewegungen um die Kirchen in Leipzig und Potsdam ein Dorn im Auge gewesen. Darum habe sie die Gotteshäuser beseitigt.
Eine Zusammenarbeit mit der Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel (TPG) sei derzeit nicht absehbar, sagte Bauer. Die TPG war mit der Kirche über die Nutzung der Garnisonkirche in Streit geraten und hatte die von ihr gesammelten Gelder für den Wiederaufbau zurückgezogen.
dpa/svr


