Ausländerfeindliche Attacke

Berliner Jugend-Fußballer in Brandenburg angegriffen

Berliner Jugend-Fußballer wurden in Brandenburg Opfer eines offenbar rassistisch motivierten Angriffs. Die B-Jugend des Kreuzberger Vereins Türkiyemspor war für ein Trainingslager nach Lindow gereist. Dort soll sie von 15 einheimischen Jugendlichen beschimpft und angegriffen worden sein.

Der Trainingstag nahm ein gewaltsames Ende. Zwölf Spieler einer Fußball-Jugendmannschaft von Türkiyemspor sind am Dienstagabend vor einem Supermarkt in Lindow (Ostprignitz-Ruppin) in einen Streit mit einer anderen Gruppe Jugendlicher geraten. Auf dem Parkplatz des Geschäfts an der Rheinsberger Straße kam es nach Pöbeleien zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Die B-Jugendlichen des Vereins aus Kreuzberg waren für ein Trainingslager in die Sportschule Lindow gereist. Die Spieler im Alter von 16 und 17 Jahren sind größtenteils türkischer Abstammung. Wie die Polizei mitteilte, sollen die 15 einheimischen Jugendlichen die Berliner mit ausländerfeindlichen Sprüchen beschimpft und den Hitlergruß gezeigt haben. Sie sollen auch Baseball-Schläger als Waffen benutzt haben. Beide Gruppen kämpften mit Schlagwerkzeugen. Zwei Jugendliche wurden verletzt.

Ein Spieler von Türkiyemspor erlitt während der Auseinandersetzung eine Prellung am Oberschenkel und wurde ambulant behandelt. „Wir sind von diesen Übergriffen schockiert. Die Eltern unserer Spieler haben Angst um sie. Wir brechen das Trainingslager ab“, sagte Türkiyemspor-Präsident Celal Bingöl der Morgenpost. Gestern Abend fuhr die Mannschaft zurück in die Hauptstadt. Er habe zuvor noch mit Potsdams Polizeipräsident Klaus Kandt telefoniert. „Ich glaube ihm, dass die Polizei alles für die Sicherheit unsere Spieler tut. Ein ungutes Gefühl bleibt aber trotzdem.“ Der Verein sei bereits früher Opfer von Rechtsradikalismus geworden.

Mitglieder des Türkiyemspor-Vorstandes und ein Integrationsbeauftragter seien nach Lindow gereist. Die Polizei hat eine Ermittlungsgruppe gebildet, da es am Montag einen ähnlichen Vorfall am selben Ort gegeben habe.

Den bisherigen Ermittlungen zufolge hatten beide Gruppen Schlagwerkzeuge dabei und benutzten diese auch. Jeweils ein Jugendlicher erlitt Verletzungen. Die Ermittlungen im Hinblick auf Landesfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen dauern an.

Der SPD-Politiker Björn Böhning hat die ausländerfeindliche Attacke scharf kritisiert. Es dürfe nicht sein, dass Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder Religion diskriminiert oder angegriffen werden, sagte der Bundestags-Direktkandidat im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg. Er solidarisiere sich mit den Sportlern und Betreuern des in Kreuzberg ansässigen Vereins, der einen „unschätzbaren Beitrag für das interkulturelle Zusammenleben“ in Berlin leiste, sagte Böhning.

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