Gegen Missstände im Freizeitpark Helenesee bei Frankfurt (Oder) haben am Sonntag rund 80 Dauercamper protestiert. Ihrer Ansicht nach verkommt das Gelände immer mehr, notwendige Investitionen blieben aus, heißt es.

So seien beispielsweise sanitäre Anlagen in desolatem Zustand, sagte Karin Biermann, Vorsitzende des Helenesee-Beirates. Die Dauercamper seien bei ihrem Protest von zwei Abgeordneten des Frankfurter Stadtparlaments unterstützt worden. Diese wollten zu den Betreibern Kontakt aufnehmen und sich über Investitionen berichten lassen. Von der Verwaltung des Freizeitparks war am Sonntag niemand zu sprechen.

„Die Zustände sind katastrophal“, sagte Biermann. Der Beirat versuche, mehr Sachlichkeit in die Debatte zu bringen. Die Vorsitzende sprach von einer „Politik der kleinen Schritte“. Auch die Stadtverwaltung solle eingebunden werden.

Der rund 250 Hektar große Helenesee, ein gefluteter Tagebau vor den Toren von Frankfurt (Oder), wird seit Herbst 2007 mehrheitlich von niederländischen Investoren, der Helene See AG, betrieben. Die „Helene“ gilt als einer der saubersten Seen in Brandenburg. Der See zeichnet sich durch kristallklares Wasser und einen feinkörnigen Sandstrand aus, der von Kiefernmischwäldern umgeben ist. Etwa 150 Dauercamper haben hier ihre Zelte aufgeschlagen.

Die Camper demonstrieren inzwischen regelmäßig gegen die Zustände. Mit Trillerpfeifen, Hupen, Transparenten und Sprechchören stehen sie vor dem Rezeptionsgebäude von Deutschlands einst größtem Freizeit- und Campingpark. Kritisiert werden steigende Preise, nur selten funktionierende Sanitäranlagen, meist geschlossene Verkaufseinrichtungen, ein verwahrlostes Umfeld, das Spielplätze und Sportanlagen nur noch erahnen lässt und eine überarbeitete Campingordnung, die von den Campern als Willkür und Schikane empfunden wird. „Die AG-Leute agieren auf Sparflamme und unsere Kosten“, bringt Dauercamperin Christine Vormelcher die Vorwürfe auf den Punkt.

Ein Umstand, der Tages-Badegäste in Größenordnungen schon längst vertrieben hat, wie die trotz herrlichsten Sommerwetters menschenleeren Helenesee-Strände zeigen. „Inzwischen gibt es in der Region viele, qualitativ bessere sowie preiswertere Alternativen“, sagt beispielsweise die Frankfurterin Antje Rähmer, die sich am Strand des nur wenige Kilometer entfernten Müllroser Sees sonnt, während ihre drei Kinder baden. Füher sei sie gern an der „Helene“, wie das einstige Badeparadies bei den Oderstädtern heißt, gewesen. „Doch inzwischen ist das Gelände doch richtig heruntergekommen“, sagt die 34-Jährige.

In der Tat agieren die Betreiber von Ostbrandenburgs größtem Naherholungsgebiet offensichtlich so kostensparend wie möglich und wirtschaften damit auf unübersehbaren Verschleiß. Hat die Helenesee AG doch seit dem Jahr 2000 Schulden in Größenordnungen angehäuft, so dass ihr die Stadt Frankfurt schließlich nahe legte, einen finanzkräftigen Kapitalgeber ins fast schon insolvente Betreiber-Geschäft zu holen. Bisher ominös gebliebene „Holländer“, von denen nur bekannt ist, dass sie nicht aus der Touristikbranche stammen, sollen tatsächlich bei der Helenesee AG eingestiegen sein. Einziges Indiz dafür: Der Internet-Auftritt enthält jetzt auch Informationen auf Niederländisch.

Investiert wird in den Bade- und Freizeitbetrieb an dem auch „kleine Ostsee“ genannten Gewässer hingegen so gut wie gar nichts. Um Betriebskosten zu sparen wurden unternehmenseigene Handwerker und Reinigungskräfte entlassen. Ein mehrfach angekündigtes touristisches Nutzungskonzept gibt es bisher nicht, wie Sven Henrik Häseker, Sprecher der Frankfurter Stadtverwaltung bestätigt. Der Kommune gehört das geflutete Tagebaurestloch, das noch immer zu den saubersten Seen Brandenburgs zählt.

Die lautstarken Camper-Proteste haben bisher nichts gebracht. Der Vorstandsvorsitzende der Helenesee AG, Oliver Greifenhagen, will mit den erzürnten Dauergästen nicht reden. Seiner Ansicht machen die Protestierer ohnehin nur einen Bruchteil der 1400 Camper am Helenesee aus. „Wenn es ihnen nicht passt, sollen sie kündigen und gehen“, hatte Greifenhagen in der vergangenen Woche sichtlich genervt gesagt.

Zu dieser Erkenntnis sind auch einige der Protestler inzwischen gelangt. „Wir suchen uns lieber eine neue Bleibe. Brandenburg ist in vielen Gegenden schön“, sagt eine Berliner Camperin unter beifälligem Nicken der Umstehenden.

Die Stadt Frankfurt als Eigentümerin wolle sich in die „privatrechtliche“ Auseinandersetzung am Helenesee nicht einmischen, sagt Häseker. „Vertraglich haben wir da ohnehin nichts zu sagen – selbst wenn wir wollten“, versichert er. Inzwischen sind zumindest einige Stadtparlamentarier auf die seit langem bekannte, aber immer wieder in Vergessenheit geratene Misere aufmerksam geworden und wollen sie erneut thematisieren. AG-Vorsitzender Greifenhagen versichert indes, dass das Nutzungskonzept der holländischen Investoren im nächsten Jahr endlich vorliegen soll. Böse Zungen unken, dass bis dahin auch der letzte treue Helenesee-Fan das Weite gesucht haben wird.

ddp/dpa/hed