Die Bewohner des beschaulichen Örtchens Doberlug-Kirchhain, gut zehn Kilometer westlich von Finsterwalde (Elbe-Elster), sind erschüttert: Ein 33 Jahre alter Bewohner des Ortes hat Freitagmorgen seine 37 Jahre alte Lebensgefährtin erstochen – vor den Augen der neunjährigen Tochter des Opfers. Das kleine Mädchen musste die Tat mit ansehen; es wird zurzeit psychologisch betreut. Die Tat erscheint den Nachbarn und der Polizei umso unverständlicher, weil die kleine Familie in der nächsten Zeit nach Afrika auswandern wollte.
Wie das Polizeipräsidium Potsdam am Freitag mitteilte, war die Leiche der Frau am Freitagmorgen in der gemeinsamen Wohnung des Paares an der Karl-Liebknecht-Straße gefunden worden. Nach Informationen von Morgenpost Online waren Marco B. und seine Freundin Ivetta G. während des Frühstücks in einen heftigen Streit geraten. Der Anlass ist noch nicht bekannt. Die Auseinandersetzung eskalierte so sehr, dass der 33-Jährige plötzlich zu einem Messer griff und seiner Partnerin die Klinge in den Körper rammte – vor den Augen des entsetzten Kindes. Es stürzte schreiend aus der Wohnung, woraufhin ein Nachbar die Polizei alarmierte.
Nach der Tat flüchtete Marco B. aus der Dreizimmerwohnung in Richtung der Bahngleise, die nur etwa 200 Meter entfernt vorbeiführen. Unmittelbar danach wurde die Bundespolizei wegen eines Mannes, der sich offenkundig das Leben nehmen wollte, zum Bahnhof Doberlug-Kirchhain alarmiert. Nach Aussagen von Zeugen hatte sich Marco B. ins Gleisbett gesetzt, um sich von einem Zug überfahren zu lassen. Nur ein paar Minuten später näherte sich der Vogtlandexpress in Richtung Berlin. Doch der Zugführer entdeckte den lebensmüden Mann. Reaktionsschnell begann er mit einer Notbremsung – der Express kam rechtzeitig zum Stehen. Daraufhin sprang Marco B. auf und kletterte an einem Oberleitungsmast in der Nähe empor. „Entweder hatte der Mann die Absicht, sich durch einen Stromschlag das Leben zu nehmen, oder er wollte sich hinunterstürzen“, sagte Jens Schobranski von der Bundespolizei. Sie veranlasste, dass die Bahnstrecke gesperrt wurde. Insgesamt kam es dadurch zu Verspätungen von gut drei Stunden, von denen sechs Züge betroffen waren.
Tochter wird psychologisch betreut
Die sofort eingeleitete Fahndung nach Marco B. hatte die Landespolizei bereits vor dem Eintreffen der Bundespolizei zu der Stelle geführt, wo B. sich das Leben nehmen wollte. Den Polizisten gelang es, denn 33-Jährigen zum Aufgeben zu bringen; er wurde zunächst vorläufig festgenommen. Drei Tage später, am Montag, wurde Haftbefehl wegen Totschlags gegen ihn erlassen. Der Mann habe eingeräumt, wegen eines Streits auf seine vier Jahre ältere Partnerin eingestochen zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft Cottbus mit. Es soll um Geld und die im Raum stehende Trennung gegangen sein.
Die Leiche von Ivetta G. wurde ins gerichtsmedizinische Institut gebracht. Die Obduktion ergab, dass die Frau an einer Stichverletzung starb. Die Tochter wurde dem zuständigen Jugendamt übergeben. Das Mädchen hat durch das Erlebte einen Schock erlitten.
Marco B. war erst vor einigen Wochen aus dem Gefängnis entlassen worden. Er soll einige Monate wegen Diebstahls und Raubs inhaftiert gewesen sein. Auf die Nachbarschaft hatte die Familie, nicht zuletzt wegen ihrer Zukunftspläne, einen zufriedenen Eindruck gemacht. Noch am Tag vor der Bluttat hatte Ivetta G. Besuch von ihrer Schwester. Alles schien in Ordnung gewesen, so die Verwandte. Nichts habe darauf hingedeutet, dass es Streit oder Probleme gegeben habe.
Die Familie wollte in Kürze nach Ägypten auswandern. Die Vorbereitungen dazu liefen auf Hochtouren. Erst vor zwei Tagen war das Paar aus Afrika zurückgekehrt. Es wollte in Deutschland noch ein paar Erledigungen machen und einige Dinge klären.
Kurz nach der Tat soll Marco B. seine Mutter angerufen haben, mit der er lange keinen Kontakt mehr gehabt hatte. Sinngemäß soll er gesagt haben: „Ich bin am Ende, ich kann nicht mehr. Alles, was Du über diese Frau gesagt hast, war richtig.“



