Eine Familientragödie hat am Dienstag das brandenburgische Rathenow (Havelland) erschüttert. Am Abend machte dort ein 47-jähriger Mann eine grausige Entdeckung: Bei der Rückkehr in seine Wohnung stieß er auf seine tote Ehefrau. Ersten Erkenntnissen zufolge wurde die 45 Jahre alte Frau stranguliert. Unter dringendem Tatverdacht steht der 19 Jahre alte Sohn des Ehepaares.

Mit einem schweren Schock war Ingo N. am Dienstagabend in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht worden, nachdem er seine Frau Irene in der Wohnung in der vierten Etage an der Mühlenstraße in Rathenow gefunden hatte. Etliche Platzwunden soll die Tote am Kopf gehabt haben, hieß es aus Ermittlerkreisen. Der Mann alarmierte umgehend die Polizei, stundenlang untersuchten Kriminalisten den Tatort nach brauchbaren Spuren, Ermittler befragten die Nachbarn. Der 19-jährige Sohn Matthias N. ist seit der Tat verschwunden, nach ihm wird jetzt bundesweit gefahndet. Im Internet soll er einen Abschiedsbrief hinterlassen haben.

Polizeiangaben zufolge soll N. bereits wegen Betruges und weiterer Straftaten polizeibekannt sein. Das Motiv und der Tathergang waren gestern noch völlig unklar. Weder die ermittelnde Polizeidienststelle noch die zuständige Staatsanwaltschaft wollte sich gestern gegenüber dieser Zeitung zu dem Vorgang äußern.

Nachbarn völlig entsetzt

Anwohner und Nachbarn zeigten sich entsetzt, als sie gestern von der Tragödie hörten, die sich in der 50er-Jahre-Siedlung im Zentrum Rathenows zugetragen hatte. Matthias N. wird von Anwohnern als netter junger Mann beschrieben. Noch zu den Osterfeiertagen waren die Eltern mit ihrem Sohn und den nur ein paar Häuser entfernt lebenden Großeltern gemeinsam in einem Restaurant essen gegangen. Alles schien in Ordnung, berichten mehrere Nachbarn. Für eine Ausbildung als Elektriker hatte der 19-Jährige vor einiger Zeit die elterliche Wohnung verlassen und war nach Tempelhof gezogen. 500 Euro verdiente Matthias N. dort. Doch er brach die Lehre ab und zog vor Kurzem zurück zu seinen Eltern ins brandenburgische Rathenow.

Am Dienstag wunderten sich Anwohner jedoch, dass Matthias N. nicht wie sonst in seinem Renault R19, sondern in einem roten BMW an der Mühlenstraße vorfuhr – diesmal in Begleitung der Polizei. Der 19-Jährige soll in einen Verkehrsunfall verwickelt gewesen sein. Da er offenbar nicht die notwendigen Papiere bei sich hatte, begleitete ihn die Polizei nach Hause zu seiner Mutter. Offenbar wussten die Eltern nichts von dem neuen Wagen ihres Sohnes. Zu diesem Zeitpunkt soll es zum Streit zwischen Irene und Matthias N. gekommen sein.

In den folgenden Stunden eskalierte der Streit zunehmend, offenbar kam es danach zu der schrecklichen Tat. Einem Freund soll Matthias N. noch eine SMS geschickt haben, in der er ankündigte, mit seinem Leben Schluss machen zu wollen. Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe blieb die Fahndung nach dem 19-Jährigen erfolglos.

Anderer Täter stellt sich

In einem weiteren spektakulären Tötungsdelikt in Brandenburg hat sich am Mittwoch der mutmaßliche Täter gestellt. Es handelt sich dabei um einen 25 Jahre alten Mann, nach dem seit Ostersonntag bundesweit gefahndet wurde. Er steht im Verdacht, einen 38-Jährigen aus Straupitz (Dahme-Spreewald) erschlagen zu haben. Wie die Staatsanwaltschaft in Cottbus mitteilte, ergab die Obduktion, dass er an „äußerer Gewaltanwendung gegen den Kopf“ gestorben war. Wie berichtet wurde die Leiche in dem leeren Hundezwinger des Opfers gefunden. Nach bisherigen Erkenntnissen waren Täter und Opfer bei einem Osterfeuer in Streit geraten, weil die Hunde des Tatverdächtigen nicht angeleint waren. Wo sich der Tatort befindet und ob die Beteiligten Alkohol getrunken hatten, muss noch ermittelt werden.

Streit war möglicherweise auch ein Grund für ein weiteres Familiendrama Mitte März in Brieselang (Havelland). Dort war ein Ehepaar tot in seinem Haus gefunden worden. Der 62-jährige Mann hatte erst seine Frau umgebracht und sich dann erhängt. Offenbar hatte es in der Beziehung Probleme gegeben. Nachbarn sprachen von einer zerrütteten Ehe, eine Trennung des Paares habe kurz bevor gestanden, immer wieder sei es zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. Der Mann habe geäußert, dass er seiner Frau etwas antun wolle, wenn sie ihn verließe.