Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin wird am künftigen Hauptstadtflughafen BBI in Schönefeld eine millionenschwere Investition tätigen und einen Wartungshangar errichten. Ein entsprechender Vertrag wurde nach Angaben von Air Berlin-Vorstandsmitglied Christoph Debus mit der Flughafengesellschaft jetzt abgeschlossen.

Die 12.000 Quadratmeter (150 mal 80 Meter) große Werft wird im Westen des Flughafens in Selchow gebaut und soll zeitgleich Platz für mindestens vier Flugzeuge mit einer Größe eines Airbus A320 bieten. Debus sprach sogar von Platz für vier Langstreckenflugzeuge des Typs A330. Der Berliner Wartungshangar ist dann neben Düsseldorf und München einer von drei Air Berlin-Wartungsstandorten, wo sowohl kleine als auch große Wartungsarbeiten an Maschinen der 145 Flugzeuge großen Flotte von Air Berlin durchgeführt werden können.

Mit dem Vertragsabschluss ist offenbar auch die bislang strittige Frage über die Kostenübernahme für den Bau der Zufahrt und Vorfeldfläche vor dem Hangar geklärt. Diese hatte die Verhandlungen zwischen Air Berlin und der Flughafengesellschaft verzögert. So wird der Flughafen einen für den eigentlichen Flugverkehr jetzt noch nicht benötigten Abschnitt eines Rollwegs finanzieren, Air Berlin kommt für das Vorfeld und die unmittelbare Zufahrt auf, sagte Flughafenchef Rainer Schwarz. Die Hangarflächen vergibt der Flughafen in Erbbaupacht. Air Berlin baut die Werft selbst.

Zu den Kosten für die neue Technik-Halle wollte sich Air Berlin-Vorstandsmitglied Debus noch nicht äußern. Mit den Investoren sei bislang Stillschweigen vereinbart. Es dürfte sich schätzungsweise um mehrere zehn Millionen Euro handeln. So kostete die 23.000 Quadratmeter und damit doppelt so große Air Berlin Technik-Halle auf dem Düsseldorfer Flughafen 65 Millionen Euro. Anders als in Berlin wurde sie von der Düsseldorfer Flughafengesellschaft finanziert und an Air Berlin vermietet. Erst im April des vergangenen Jahres war sie fertiggestellt worden. Gewartet werden können dort zeitgleich drei Langstreckenflugzeuge wie der Airbus A 340-600 oder der Boeing-Dreamliner 787.

Flughafenchef ist wieder optimistischer

Nach Angaben von Berlins Flughafenchef Rainer Schwarz gibt es noch keine weiteren konkreten Interessenten, die auf der künftigen Industriefläche im Westen des BBI Werfthallen ansiedeln wollen. Germania allerdings habe eine Ansiedlung schon diskutiert. „Wir jedenfalls bieten weiterhin die Flächen an“, sagt Schwarz.

Mit Blick auf den BBI baut Air Berlin wie berichtet ihre Heimatbasis in Tegel zunehmend zum Drehkreuz aus. So sollen mit dem neuen Sommerflugplan ab April/Mai 65 Ziele angeflogen und 650 Verbindungen wöchentlich angeboten werden. Damit können 6000 Umsteigeverbindungen und damit doppelt so viel wie noch vor zwei Jahren realisiert werden, sagte Debus.

Mit dem verstärkten Engagement von Air Berlin im Rücken guckt Flughafenchef Schwarz wieder optimistischer in die Zukunft. Er rechnet in diesem Jahr mit einem Passagier-Plus und prognostiziert „einen Passagierrekord“ von mehr als 22 Millionen Fluggästen. Im vergangenen Jahr flogen knapp 21 Millionen Passagiere von und nach Berlin. Das entsprach einem Minus von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In den beiden ersten Monaten dieses Jahres konnte bereits ein kumuliertes Wachstums von 4,2 Prozent gegenüber den Vorjahresmonaten verzeichnet werden. Der Chef der Berlin Tourismus Marketing GmbH, Burkhard Kieker, begrüßte das Engagement von Air Berlin. „Air Berlin macht seinem Namen alle Ehre. Das ist ein Bekenntnis zum neuen Flughafen“, hieß es. Dass Air Berlin von Berlin verstärkt Ziele in den wichtigsten Auslandmärkten anfliege, sei für die Berliner Tourismuswirtschaft „enorm wichtig“.

Flughafenchef Rainer Schwarz kündigte an, dass die Berliner Flughäfen mit dem Sommerflugplan 166 Ziele und damit „so viele wie noch nie“ anbieten. Darunter auch eine neue Verbindung der Royal Air Maroc nach Casablanca. Im vergangenen Jahr wurden von Berlin aus 140 Ziele angeflogen.