Kriminalität

Wie Brandenburg gegen Autodiebe vorgeht

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Jeanette Bederke

Foto: dpa

Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Ganoven und der Polizei läuft in Brandenburg entlang der deutsch-polnischen Grenze aktuell zugunsten der Diebe. Denn die Zahl gestohlener Autos wie auch die von Einbrüchen in Garagen und Lauben steigt in Orten mit Grenzübergängen.

In Brandenburger Orten mit deutsch-polnischen Grenzübergänge steigt die Zahl der gestohlener Autos wie auch die von Einbrüchen in Garagen und Lauben, wenn auch nicht flächendeckend. Die Ermittler der Polizei hinken dieser Entwicklung hinterher. Das belegen sinkende Aufklärungsquoten.

Mit 2953 ist die Zahl der Autodiebstähle im vergangenen Jahr gegenüber 2008 zwar leicht rückläufig, in einigen Städten bleibt sie jedoch auf hohem Niveau oder steigt sogar. 85 Fahrzeuge verschwanden etwa in Schwedt, ein Jahr zuvor waren es nur 51. Hochburg des Kfz-Diebstahls bleibt jedoch Frankfurt (O.) mit 209 gestohlen Autos, eines mehr als 2008.

Die Statistik des Frankfurter Polizeipräsidiums erfasst allerdings nur die Fahrzeuge, die im unmittelbaren Grenzhinterland verschwunden sind. Die Bundespolizei hingegen stellt überwiegend Diebe von Autos, die in Berlin, Westdeutschland oder Westeuropa gestohlen wurden. „Früher kamen die Kunden zu uns, jetzt umgekehrt“, macht Klaus Kandt, Präsident der Bundespolizeidirektion Berlin deutlich.

Illegale Einwanderung von Ausländern ist rückläufig

Seit dem Wegfall der Grenzkontrollen an den Übergängen vor gut zwei Jahren machen die früheren Grenzschützer im sogenannten Hinterland westlich von Oder und Neiße Jagd auf Ganoven aller Art. In erster Linie sollen sie die illegale Einwanderung von Ausländern verhindern, deren Zahl aber rückläufig ist. Darüber hinaus haben Bundespolizisten im vergangenen Jahr 196 Fahrer von gestohlenen Autos gestoppt, in 62 weiteren Fällen flüchteten die Täter über die Grenze nach Polen.

Schwerpunkt der illegalen Transaktionen ist nach Erkenntnissen der Bundespolizei die Autobahn A12 als kürzeste Transitstrecke zwischen Ost und West.

Die Kriminalisten gehen nach Angaben des Frankfurter Polizeipräsidenten Arne Feuring davon aus, dass es sich bei den Diebesbanden inzwischen mehr um regionale Tätergruppen als international agierende Zusammenschlüsse handelt. Die zentrale Ermittlungsgruppe mit Namen „Touareg“ sei deshalb umstrukturiert und in drei regionale Teams aufgegliedert worden. Neben gemeinsamen Fahndungsgruppen werden laut Feuring auch sogenannte Komplexkontrollen vor allem auf den Autobahnen nach Polen organisiert. „In Kürze“ soll der Grenzübergang Guben videoüberwacht werden, gleiches wird für den Frankfurter Übergang „Stadtbrücke“ angestrebt.

Die Erkenntnisse über das Schicksal der gestohlenen Fahrzeuge sind nach wie vor dünn. Ganz zu schweigen davon, dass die bestohlenen Fahrzeughalter ihr Auto auch zurückbekommen. Das passiert laut Feuring nur, wenn den Dieben die Sache zu heiß wird und sie die gestohlenen Fahrzeuge im westlichen oder östlichen Grenzgebiet einfach stehen lassen. Der Frankfurter Polizeipräsident spricht in diesem Zusammenhang von einem „ganz schwierigen Geschäft“. Nur in Einzelfällen würden Täter auf frischer Tat ertappt.

Privatdetektive haben seit geraumer Zeit gute Verdienstmöglichkeiten

Den Ermittlern zufolge haben Privatdetektive mit guten Kontakten nach Osteuropa seit geraumer Zeit gute Verdienstmöglichkeiten. Ihre Kunden sind hauptsächlich bestohlene Besitzer hochwertiger Autos. Die Polizei will jetzt verstärkt das computergestützte Kennzeichenerfassungssystem nutzen – gerade für Autos, die in Berlin gestohlen würden. „Wenn wir rechtzeitig die Kennzeichen eines gestohlenen Wagens bekommen, können wir ihn hier oder auf der Autobahn noch stoppen“, sagt Feuring.

Während die Anzahl der Straftaten in den deutschen Oder-Anrainerkommunen insgesamt weiter rückläufig ist, boomt wie schon 2008 der Diebstahl aus Garagen und Bungalows. Schwerpunkt ist auch hierbei Frankfurt (O.). Ab dem 1.März wird es verstärkt Kontrollen geben, kündigt der Frankfurter Polizeipräsident an. „Wir haben dann mehr Befugnisse als bisher“, so Polizeichef Feuring.