In Oranienburg (Oberhavel) ist es am Wochenende zu einem tragischen Unglücksfall gekommen. Bei einem Familienausflug ins Erlebnisbad „Turm“ ist ein dreijähriges Kind am Sonnabend in einem Becken ertrunken. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, wurden die Beamten am späten Nachmittag zum Schwimmbad an die André-Pican-Straße in Oranienburg gerufen. Badegäste hatten den Dreijährigen im Wellenbecken leblos im Wasser treibend entdeckt. Sofort zogen sie den kleinen Körper aus dem Becken und brachten ihn zu einem Rettungsschwimmer, der die Reanimationsmaßnahmen einleitete.
Ein inzwischen alarmierter Notarzt konnte nur noch den Tod des Kindes feststellen. Die Familie mit vier Kindern im Alter von zwei bis 14 Jahren stammt aus dem Landkreis Barnim. Die Mutter hatte sich mit den beiden kleinen Kindern (zwei und drei Jahre) am Babybecken aufgehalten. In einem unachtsamen Moment lief der Dreijährige von der Mutter weg. Kurz darauf bemerkte die Frau das Fehlen ihres Sohnes und suchte ihn. Als sie sich umschaute, sah sie, wie jemand den Körper ihres Sohnes aus dem Wellenbecken zog.
Die Familie steht unter Schock und wurde noch vor Ort von Seelsorgern betreut. „Die zuständige Staatsanwaltschaft in Neuruppin und die Ermittler haben derzeit keine Hinweise auf ein Fremdverschulden“, sagte ein Polizeisprecher vom Schutzbereich Oberhavel.
Staatsanwaltschaft eingeschaltet
Die Betreiber des Erlebnisbades haben die Staatsanwaltschaft mit der Bitte eingeschaltet, den Unfallhergang zu untersuchen. In einer Mitteilung sprechen Geschäftsführung und Belegschaft den Eltern des gestorbenen Jungen ihr tief empfundenes Beileid aus.
Erst Anfang September vergangenen Jahres war ein Mädchen im gleichen Alter in einem Pool in Zehlendorf ertrunken. Das Becken war zwar nicht gefüllt, aber mehr als ein halber Meter Regenwasser stand darin. Der Vater hatte damals seine Tochter leblos im Wasser treibend gefunden. Rettungskräfte versuchten noch, das dreijährige Mädchen zu reanimieren. Aber auch bei diesem Fall blieben alle Rettungsversuche erfolglos. Wenn Kinder mit dem Kopf nach vorn fallen, können sie selbst in wenige Zentimeter tiefem Wasser ertrinken, warnt die Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder e.V.“.
Grund dafür sei der kindliche Körperbau. Der Kopf eines Kindes sei im Verhältnis zum Körper viel schwerer. Da der Oberkörper kaum etwas wiegt, würden kleine Kinder schneller das Gleichgewicht verlieren und nach vorne kippen. Zudem verlieren sie die Orientierung, wenn sie mit dem Kopf unter Wasser geraten, warnt der Verein. Allein könnten sich die Kinder nicht mehr aufrichten und liefen daher Gefahr zu ertrinken. Auch schreien würden die Kinder nicht, weil sie den Kopf nicht mehr über die Wasseroberfläche heben könnten.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft ist ein bundesweit tätiger Verein und hat ihren Sitz in Bonn. Sie informiert über Kinderunfälle und deren Verhütung, gibt Broschüren zur Kindersicherheit heraus und wird vom Bundesministerium für Gesundheit unterstützt.



