Etwa 50 Schaulustige wollten am Montag sehen, wie ein 25 Meter langes und 85 Tonnen schweres Brückenelement aus Beton an Stahlseilen über die Bahnhofstraße in Erkner (Oder-Spree) schwebt und als Teil des künftigen Bahnsteigs an seinem Bestimmungsort landet. Ein „Meilenstein“ beim 30 Millionen Euro teuren Umbau des Bahnhofs, wie ein Bahn-Sprecher sagte. Ein wichtiger Schritt, um wie geplant Ende 2009 das bisher eingleisige Nadelöhr auf der Strecke zwischen Berlin, Frankfurt (O.) und Polen zu beseitigen. Am Ende lautete die einzige gute Nachricht: Niemand ist zu Schaden gekommen.

Mit einstündiger Verspätung versuchte der eigens antransportierte 500-Tonnen-Kran gegen Mittag, das Brückenteil anzuheben. Sekunden später ließ ein lauter Knall die Zuschauer zusammenzucken. Eine der beiden Befestigungsösen, die die Last aufnehmen sollten, war gerissen. Armdicke Stahlseile samt dem riesigem Schäkel und der halben Befestigung schwangen über die Köpfe der Bauarbeiter in Richtung der Schaulustigen. Nur durch Glück wurde niemand getroffen.

Sichtlich geschockt waren aber nicht nur die Unbeteiligten. Auch Uwe Brettin, Baubüro-Leiter der Bahn, zeigte sich erschüttert. „So etwas darf nicht passieren“, sagte er in einer ersten Reaktion. Zur Ursache des Unfalls konnten die Vertreter der Bahn und der beauftragten Baufirma am Montag noch keine Angaben machen. Unmittelbar nach dem Vorfall begannen die Experten des Eisenbahnbundesamtes mit der Ursachenforschung.

Herumpeitschende Stahlseile

Augenzeugen berichteten, dass Bauarbeiter – unmittelbar bevor die Befestigung riss – eine Last von 60 Tonnen auf dieser Seite der Seilkonstruktion gemessen hätten und damit deutlich mehr als die Hälfte der 85 Tonnen. Mehrfach hatten die Arbeiter schon zuvor die Konstruktion verändert, weil sich die enorme Last nicht gleichmäßig auf die Befestigungen verteilte.

Dass die öffentlichkeitswirksam geplante „Brückeneinschwenkung“ zum Desaster werden könnte, hatte aber wohl niemand erwartet. Noch kurz bevor der Unfall passierte, hatte Markus Klövekorn, Projektleiter der Baufirma, versichert, lediglich die klirrende Kälte könne für kleinere Probleme sorgen. Möglicherweise sei das vor Ort gegossene Betonteil an seiner hölzernen Verschalung festgefroren. Dass das Material selbst unter dem Frost gelitten haben könnte, schloss er aus.

Es soll einen erneuten Versuch geben

Wie groß der finanzielle Schaden für die Bahn ist, wollte Uwe Brettin bislang nicht beziffern. Zumindest sei das eigentliche Brückenteil offenbar nicht durch die unkontrolliert herumpeitschenden Stahlseile beschädigt worden, sagte er. Frühestens in ein bis zwei Wochen soll es einen erneuten Versuch geben, das Betonelement an seinen Bestimmungsort zu heben. Der ehrgeizige Zeitplan für die Fertigstellung des Bauprojekts in Erkner ist nach Brettins Angaben dadurch aber nicht gefährdet.

Voraussichtlich zum Fahrplanwechsel im Dezember dieses Jahres sollen die Züge zweigleisig durch den Bahnhof Erkner fahren können. Verspätungen, weil etwa der viel genutzte Regionalexpress RE1 auf einen entgegenkommenden Zug warten muss, sollen dann der Vergangenheit angehören. Zugleich bekommt Erkner zwei völlig neue Bahnsteige südöstlich des derzeitigen Bahnhofsgebäudes.

Der Umbau ist Teil eines der wichtigsten Bahnverkehrsprojekte in der Region. Bis 2012 will die Bahn die gesamte Strecke zwischen Berlin-Ostbahnhof und Frankfurt (O.) für Geschwindigkeiten bis zu 160 Stundenkilometern ausgebaut haben. Die Fahrzeit soll sich von ursprünglich 60 auf 36 Minuten verkürzen. Die Gesamtkosten beziffert die Bahn auf 539 Millionen Euro.