Dem waldreichen Brandenburg gehen die Weihnachtsbäume aus. Während in den vergangenen Jahren rund 30.000 Kiefern, Tannen oder Douglasien aus den märkischen Wäldern die Feststuben schmückten, dürften es in diesem Jahr noch 20.000 sein, schätzt der Referent für Holzvermarktung im Potsdamer Agrarministerium, Thilo Noack.

Die Agrarexperten machen vor allem das Waldumbau-Programm dafür verantwortlich, mit dem aus Kiefernwäldern zunehmend Mischkulturen werden sollen. „Und wer stellt sich schon eine Buche als Weihnachtsbaum hin“, kritisiert Noack. Zudem seien die Reserven aus DDR-Zeiten aufgebraucht, als vor allem unter Hochspannungsleitungen große Christbaumkulturen angelegt wurden. Aber auch die sinkende Nachfrage nach oft als „Krüppel-Kiefern“ verspotteten Bäumen aus märkischen Wäldern spielt eine Rolle.

"Nach der Wende wünschten sich immer mehr Menschen lieber eine malerisch schön gewachsene Tanne für das Fest“, sagt Noack. Ein großflächiger Anbau von Tannen auf dem märkischen Sandboden rentiere sich aber kaum, weil die diese Nadelbäume viel stärker gewässert werden als Kiefern.

"Zu DDR-Zeiten war die Kiefer der traditionelle Weihnachtsbaum in Brandenburg, das ist schon lange nicht mehr so.“ Dabei, so betont der Christbaum-Experte der Landesforstverwaltung, Christian Naffin, hat die Kiefer durchaus ihre Vorteile. „Die hält ihre Nadeln bis Ostern, während Tannen schon viel früher ihre Nadeln lassen.“

Am 4. Dezember startet in Brandenburg offiziell die Weihnachtsbaumsaison, angesichts des sinkenden Angebots gibt es auch deutlich weniger Termine zum Selbstschlagen. Allerdings steigen laut Noack immer mehr Privatwaldbesitzer in das Geschäft ein. „Deswegen wird der märkische Weihnachtsbaum auch nicht ganz aussterben.“ Noack rechnet damit, dass die Flaute etwa zehn Jahre dauern wird, schließlich sollen auch neue Christbaum-Schonungen angelegt werden.

Brandenburg gehört mit 1,1 Millionen Hektar zu den waldreichsten Bundesländern. Bislang wachsen nach Ministeriumsangaben auf 74 Prozent Kiefern, der Anteil soll aber deutlich zurückgefahren werden. Nach Darstellung des Bundes für Umwelt und Naturschutz ist der Umbau dringend nötig, um die Wälder ökologisch stabil zu machen. „Nur Mischwälder können Klimaänderungen ausreichend trotzen, so dass die Artenvielfalt erhalten bleibt“, betont Landesgeschäftsführer Axel Kruschat. Anders als das Agrarministerium sieht Kruschat „überhaupt keinen Grund, den Waldumbau für die angebliche Weihnachtsbaumknappheit verantwortlich zu machen“. Die Christbäume würden doch ohnehin nur aus Schonungen geholt.

dpa/mim