Prozess

Mehrjährige Haftstrafe für Rocker beantragt

Angriff mit einer Gaspistole auf einen Rivalen der "Hells Angel" und Drogenhandel – das wirft die Staatsanwaltschaft Cottbus einem Angehörigen der Motorradrocker "Bandidos" vor. Dafür soll er fast fünf Jahre ins Gefängnis. Der Angeklagte will in Notwehr gehandelt haben.

Im Cottbuser Prozess gegen einen Angehörigen der Motorradrocker „Bandidos“ hat die Staatsanwaltschaft vier Jahre und zehn Monate Haft wegen eines Angriffs mit einer Gaspistole und Drogenhandels beantragt. Vom Vorwurf des versuchten Totschlags durch Schüsse auf eine konkurrierende Gruppe im Februar sei der 26-Jährige aber freizusprechen, hieß es am Montag vor dem Landgericht. Der Mann habe mit den Schüssen auf Mitglieder der „Hells Angels“ in Cottbus weitere Provokationen der Rocker verhindern wollen, nachdem er zuvor mit Reizgas besprüht worden sei. Ein junger Mann war durch Schüsse lebensgefährlich verletzt worden.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei dem Beschuldigten um einen rücksichtslosen Gewalttäter. Er habe viele Vorstrafen, vor allem wegen Gewaltdelikten, und verbüße zurzeit eine Jugendstrafe wegen Körperverletzung. Der 26-Jährige sei stets bereit, sich zu prügeln oder auf andere Menschen zu schießen wie auch in einer Diskothek in Forst (Spree-Neiße). Dort war ein Gast im Februar 2007 durch Schüsse aus einer Gaspistole an den Augen verletzt worden und der andere im Gesicht. Der Angeklagte muss sich deshalb wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Die Verteidigung plädierte für eine Gesamtstrafe von weniger als zwei Jahren für ihren Mandanten. Die Beweisaufnahme habe erwiesen, dass der Mann bei den Schüssen in der Cottbuser Innenstadt in Notwehr gehandelt habe. Deshalb beantragte die Verteidigung Freispruch von den Vorwürfen des versuchten Totschlags und des unerlaubten Waffenbesitzes. Bei dem Angriff in der Forster Diskothek habe der Beschuldigte Reizgas eingesetzt, keine Gaspistole, hieß es. Das sei auch in einem Gutachten nachgewiesen worden. Strafbar gemacht habe er sich aber durch den Drogenhandel, auch wenn er diesen nicht gewerbsmäßig betrieben habe.

Der Angeklagte hatte zuvor überraschend gestanden, bei dem Streit in der Diskothek das sogenannte Pfefferspray benutzt zu haben. Zum Prozessbeginn Mitte Oktober hatte er den Vorwurf eines Gasangriffs noch bestritten. Er bot nun an, den beiden Geschädigten insgesamt 1400 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete dieses Angebot 21 Monate nach der Tat als „etwas spät“.

Das Urteil soll am 24. November gesprochen werden.