Niemand sucht verzweifelt nach einem Stuhl oder muss auf dem Boden hocken, wie dies an Brandenburgs staatlichen Hochschulen der Fall ist. Eine Überfüllung der Privatuni ist schon deswegen ausgeschlossen, weil nicht mehr zahlende Studenten aufgenommen werden, als die Infrastruktur verkraften kann. Ausgebucht ist die UMC indes noch nicht.

Intensive Aufnahmegespräche

Studentin Kathalin Laser kennt die UMC-Realität. Sie schrieb sich im September 2007 ein, damals noch in der gediegenen "Villa Arnim" im Potsdamer Norden, die der UMC als Gründungsstandort diente. In der staatlichen Uni blieb Laser ihr Traumstudium Psychologie wegen des Numerus Clausus (NC) verwehrt. Den geforderten Notendurchschnitt von 1,0 konnte sie nicht erbringen. An der UMC bekam Kathalin Laser in einem Aufnahme- und Bewerbungsgespräch ihre Chance - und schließlich die Zulassung für das Fach Wirtschaftspsychologie. Dafür nimmt sie in Kauf, dass sich die ersehnte "Campus-Atmosphäre" in der taufrischen Uni nur sehr zögerlich entwickelt. Insgesamt ist Kathalin Laser zufrieden. "Der Dozent redete nicht von oben herab, sondern hat sich auf die Ebene meiner Erwartungen begeben, ohne mir nach dem Mund zu reden", lobt Laser das Bewerbungszeremoniell.

UMC-Management-Dozent Tobias Braun kennt auch die gesellschaftlich verbreiteten Vorbehalte gegen private Bildungsinstitutionen. Doch er hält dagegen. Die UMC betreibe weder kostenträchtigen Elite-Kult noch sei sie käufliches Auffangbecken für ausgesiebte NC-Opfer aus gutem Hause. "Unsere Studenten bringen etwas viel Wichtigeres als ein Spitzenabi mit: nämlich die Neugier und gewaltige Motivation, dazuzulernen", sagt Braun. Rektor Siebel ist mit dem bislang Erreichten zufrieden, peilt aber etwa 3000 Immatrikulationen an. "Als wir vor drei Jahren die vorläufige staatliche Anerkennung bekamen, hatten wir wenig Geld, aber fachlich-personell ausgewiesene Kapazitäten. Nun hat sich der Betrieb sogar schneller entwickelt, als wir zu hoffen gewagt haben", schaut Rektor Siebel zurück.

Die Flexibilität des Hauses war dabei von Anfang an gefordert. Denn auch die Wissenschaftslandschaft selbst ist derzeit eine Baustelle. "Wir sind mitten in die weltweite Umprofilierung der Studiengänge hin zu Master- und Bachelorabschlüssen geraten. Das sind quirlige Zeiten", betont Siebel. Und die Pionierphase der Bildungsstätte ist noch nicht zu Ende - drei neue Masterstudiengänge für Energie-, Umwelt- und Gesundheitsmanagement hat die Hausleitung gerade ins Angebotsprofil aufgenommen.

Anerkennungsprozedur läuft Si

ebel ist optimistisch, dass die vorläufige staatliche Anerkennung im kommenden Jahr nahtlos in eine dauerhafte Festschreibung des Universitätsstatus übergeht. Derzeit durchläuft die UMC die Anerkennungsprozedur des deutschen Wissenschaftsrats. In sieben Aktenordnern, so Siebel, habe die Uni akribisch ihr Konzept und ihren Lehrbetrieb dokumentiert, in einem sogenannten Selbstbericht. Der ging zunächst zum Landeswissenschaftsministerium, dann bekam sie der Wissenschaftsrat zur Vorprüfung. Die Entscheidung fällt im Januar 2009. Dann besucht eine Delegation des Rates die UMC, eine Ortsbegehung soll letzte Klarheit bringen. Die UMC-Leitung gibt sich optimistisch: "Wir haben bereits sehr positive Signale empfangen", betont Siebel.

Ausreichend gerüstet

Dass die UMC wegen ungeklärter Formalien unerwünschte Warteschleifen drehen muss wie jüngst die private Filmhochschule "Babelsberg Film School" (BFS) hält der UMC-Rektor für unwahrscheinlich. Die Privatuni sei für ihre selbst gesteckten Ziele fachlich wie finanziell ausreichend gerüstet.

Als der vom Lehrbetrieb an staatlichen Unis zum Teil enttäuschte Dozent Tobias Braun vom Start der UMC hörte, war er neugierig und vorsichtig zugleich: "Niemand möchte da arbeiten, wo sich womöglich ein unbekannter Investor die Taschen füllt", erinnert sich Braun an seine Zweifel. Als er den Aufbaustab kennenlernte, habe er den Vertrag unterschrieben. "So ist es ja nicht, dass die gestern noch Fleischer waren und gründen heute eine Hochschule. Die haben ja eine Reputation", sagt Braun. Siebel war lange Jahre Soziologieprofessor an der Technischen Universität Berlin (TU), Präsident Knödler-Bunte hat sich in Kultursoziologie und Public Relations einen Namen gemacht. Allen gemein ist, dass sie auf permanenten Pioniergeist setzen. "Die Unmittelbarkeit der kurzen Wege müssen wir erhalten, die Übergänge der Disziplinen flüssig halten, auch beim Ausbau der Strukturen", sagt Siebel beinahe beschwörend.

Die Privatuni wirbt mit dem Slogan "Partnerhochschule der Wirtschaft". Doch als verlängerte Werkbank sparfreudiger Unternehmen möchte sie nicht dienen. Es gilt die Regel: "Wir erlauben unseren Dozenten nicht, sich aus der Wirtschaftspraxis zurückzuziehen, bei den Partnerunternehmen akzeptieren wir keine Ignoranz der Wissenschaft gegenüber", so Siebel.