Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) hat nach Vorwürfen gegen einen leitenden Mitarbeiter wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch Konsequenzen gezogen. Der Kreisverband Havelland bekomme mit Norbert Kunz jetzt einen neuen Geschäftsführer, teilte der AWO-Landesvorstand mit. Der bisherige Geschäftsführer Ralf Sch. sei beurlaubt worden. Dass die Berliner Staatsanwaltschaft gegen den Mann wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch ermittelt, sei dem Landes- und Kreisverband erst über Medien bekanntgeworden.

Der bisherige Geschäftsführer soll nach Medienberichten im Jahr 2001 Michael W., einen wegen Missbrauchs vorbestraften Mann, als Leiter des Jugendclubs "Oase" in Velten eingestellt haben, obwohl er von dessen Verfehlungen gewusst habe. So soll es zu weiteren Missbrauchsfällen gekommen sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Mann nach einer Anzeige. Der Ausgang der Ermittlungen sei noch offen, sagte Staatsanwalts-Sprecher Michael Grunwald am Montag.

Ende November 2007 wurde Michael W. zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt. Das Gericht befand ihn für schuldig, sich bis 2006 in 21 Fällen an insgesamt neun Jungen im Alter von anfangs 11 bis 16 Jahren sexuell vergangen zu haben. Dabei soll er seine Position als Jugendclubleiter ausgenutzt haben. Dem bisherigen AWO-Geschäftsführer wird offenbar zudem vorgeworfen, nach einer Kinderporno-Razzia gegen W. nicht eingeschritten sein.

Die AWO im Havelland solle mit dem neuen Geschäftsführer wieder in ruhiges Fahrwasser geführt werden, teilte die Arbeiterwohlfahrt mit. Der 50-jährige Sozialwissenschaftler Kunz sei bereits am Montag vorgestellt worden. Mit dem Wechsel wolle die AWO das Vertrauen von Mitarbeitern, Vertragspartnern und Ehrenamtlichen wieder herstellen. Am 5. Dezember solle im Havelland ein neuer AWO-Kreisvorstand gewählt werden, sagte Landeschefin Margrit Spielmann.

dpa/ddp/sei