In den nächsten Tagen will der nach der Wahlniederlage schwer angeschlagene Parteichef Ulrich Junghanns verkünden, dass er das Spitzenamt an seine bisherige Stellvertreterin, Johanna Wanka, abgibt. Diese ist aber offensichtlich nur dazu bereit, wenn der Übergang geordnet stattfindet. Die Wissenschaftsministerin zieht damit die Lehren aus der missglückten Übernahme des Parteivorsitzes durch Junghanns.
Den hat der langjährige Über-Vorsitzende Jörg Schönbohm vor mehr als zwei Jahren allzu leichtfertig als Nachfolger ausgerufen. Während eines Essens bei seinem Lieblingsitaliener in Kleinmachnow fragte er einige geladene Unionspolitiker zwar nach etwaigen Bedenken - als es still blieb, nahm er das Schweigen aber als Zustimmung. Der frühere Bundeswehrgeneral war es gewohnt, dass allein seine Autorität für wichtige Entscheidungen ausreichte. Doch kaum hatte er Junghanns als Wunschnachfolger öffentlich genannt, kamen die ersten Unmutsäußerungen. "Die Partei lässt sich doch nicht einfach so einen Vorsitzenden aufdrücken", empörte sich der Chef des Kreisverbandes Havelland, Dieter Dombrowski. Er war nicht der einzige, der sich in dieser wichtigen Frage von Schönbohm übervorteilt sah.
Nicht nur die zu späte Einbeziehung des Landesvorstandes sorgte für einen schlechten Start, Junghanns galt nicht eben als Traumkandidat mit Ausstrahlung. Da war seine Vergangenheit als hoher Funktionär der Bauernpartei in der DDR, da war aber auch seine verschlossene, wenn auch freundliche Art. Dass Junghanns sich schwer damit tut, sich zu verkaufen, hatte sich schon bei seiner Arbeit als Wirtschaftsminister gezeigt. Wo immer es sich anbot, versuchte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), ihm die Schau zu stellen. Größere wirtschaftliche Erfolge werden nicht Junghanns und der CDU, sondern Platzeck und seiner SPD zugeschrieben. Das ist auch heute noch so.
Quittung der Wähler
Schönbohm sah zu der Zeit keine Alternative, er hatte es versäumt, einen Nachfolger aufzubauen. Schon damals war Wissenschaftsministerin Johanna Wanka im Gespräch. Ihr traute er den Posten aber nicht zu. Wohl auch deshalb nicht, weil er sich mit dem bescheiden auftretenden Junghanns besser verstand als mit der ehrgeizigen, ehemaligen Mathematikprofessorin. Sie hätte dem omnipotenten Schönbohm womöglich noch die Show stehlen können, hieß es damals etwas gehässig in der Union.
Wankas Zeit kommt nun eher als geplant. Keine zwei Jahre sind seit der Wahl von Ulrich Junghanns vergangen. Es waren die wohl schwierigsten Jahre seiner politischen Laufbahn. Auf dem Parteitag in Frankfurt (O.) war Petke gegen Junghanns angetreten. Schönbohm hatte Petke zuvor als Generalsekretär geschasst: wegen der E-Mail-Affäre. Petke soll die elektronische Post von CDU-Mitgliedern ausspioniert haben. Das Vertrauen war zerstört, auch wenn das Hinterherspionieren sich nicht beweisen ließ.
Zwei Stimmen nur hatten Petke vom Wahlsieg getrennt. Schon Minuten nach der Abstimmung führte Pektes Lager, also quasi die halbe Partei, den frisch gewählten Parteichef vor. Es ließ Dirk Homeyer als Generalsekretär durchfallen und wählte Petke zum Partei-Vize.
Die Niederlagen setzten sich im Petke-dominierten Landesvorstand fort. Bis der Wähler jetzt den nicht enden wollenden Machtkampf in der Union bei den Kommunalwahlen mit mageren 19,8 Prozent quittierte. Die CDU rutschte vom ersten auf den dritten Platz hinter SPD und Linke ab.
Petke-Lager spielt auf Zeit
Nach dem ersten Schock war bald klar: Junghanns muss den Weg freimachen für einen Neuanfang. Er ist bereit dazu: Seit voriger Woche laufen die Drähte zwischen Junghanns, Wanka und Vertretern des Lagers um Petke heiß. Es gab bereits ein erstes Treffen in Potsdam. Neben Junghanns und Wanka auf der einen Seite waren Sven Petke und der Europaabgeordnete Christian Ehler auf der anderen Seite dabei. Auch die Vorsitzenden der einflussreichsten Kreisverbände, darunter Dieter Dombrowski (Havelland), Michael Stübgen (Elbe-Elster) und Saskia Funck (Potsdam-Mittelmark) saßen mit am Tisch. Letztere ist die frühere parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-Landtagsfraktion und als Nachfolgerin von Rolf Hilke im Gespräch. Der promovierten Unternehmerin wird zugetraut, die Landesgeschäftsstelle und die Finanzen der Union auf Vordermann zu bringen. Noch aber ist keine Entscheidung gefallen.
Ungewiss ist die Zukunft von Fraktionschef Thomas Lunacek. Der ist in die Gespräche bislang nicht eingebunden. Seit seiner Kritik am Umgang mit den elektronischen Postfächern steht er auf der Abschussliste des Petke-Lagers. Lunacek kann nur hoffen, dass sein Verbleib Teil des Pakets ist, das nun geschnürt werden soll. Am Mittwoch kommen alle Kreischefs zur Krisensitzung mit Junghanns zusammen. Es ist eher unwahrscheinlich, dass bereits dann die Zusammensetzung der neuen CDU-Führung verkündet wird. Denn Petke und sein Lager spielen auf Zeit. Anders als Wanka und Junghanns drängt sie momentan nichts. "Petke hat seinen Plan noch nicht aufgegeben, die frühere Justizministerin Barbara Richstein als Parteichefin zu platzieren", sagt ein Parteimitglied. Richstein fehlte beim ersten Gespräch nur, weil sie verreist war.




