Als Konsequenz auf die Niederlage bei den Kommunalwahlen ist Brandenburgs CDU-Chef Ulrich Junghanns bereit, sein Amt abzugeben. Seine Stellvertreterin, Wissenschaftsministerin Johanna Wanka soll Nachfolgerin werden und die CDU als Spitzenkandidatin in die Landtagswahl 2009 führen. Einige im Lager von Parteivize Sven Petke plädieren aber dafür, dass Wanka nur die Spitzenkandidatur übernimmt, der Parteivorsitz dafür an einen Vertreter aus dem Petke-Lager gehen soll. Für den Posten genannt werden die frühere Justizministerin Barbara Richstein und der havelländische Kreischef Dieter Dombrowski.

Seit den Wahlen basteln beide bislang tief zerstrittenen Seiten unter Führung von Junghanns an einer tragfähigeren Parteistruktur. Inzwischen hat sich auch die Bundespartei eingeschaltet. Generalsekretär Ronald Pofalla führte mit beiden Lagern intensive Gespräche. Ziel ist ein geordneter Übergang von Junghanns auf Wanka. Doch offensichtlich können sich die Vertreter Lager nicht auf ein Posten-Paket einigen.

Gepokert wird um Posten

Es geht um die Verteilung der Plätze auf der Landesliste für die Landtagswahl 2009 und somit auch um die Führung und Zusammensetzung der künftigen Landtagsfraktion. Derzeit hat das Lager um Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns in der Fraktion das Sagen, die Petke-Befürworter besitzen die Mehrheit im Landesvorstand. Die Landesliste mit den Bewerbern für den Landtag soll auf einer Delegiertenkonferenz am 17. Januar beschlossen werden. Gepokert wird aber auch um Ministerämter. Sollte Wanka den Vorsitz übernehmen, dürfte sie sich auch bei der Suche nach einem Generalsekretär schwer tun. Geplant war, den Posten dem Petke-Lager anzubieten. Es gilt mittlerweile als unwahrscheinlich, dass die Finanzexpertin Saskia Funck dazu bereit ist. In Frage käme statt ihrer Bildungsexperte Ingo Senftleben.

Noch Stunden vor der Sitzung der Kreisvorsitzenden am Mittwochabend im Restaurant Mövenpick hatte das Gerücht die Runde gemacht, Junghanns werde an dem Abend seinen Rücktritt erklären. Stattdessen debattierten die 18 Kreischefs drei Stunden lang über das Desaster bei der Wahl. Noch-Landeschef Ulrich Junghanns wartet mit seinem Rückzug, bis die wesentlichen Strukturen der neuen Unionsführung stehen.

Gegen 22 Uhr kam die enge Verhandlungsrunde zusammen. Zu dem Zirkel, der derzeit über die Zukunft der desolaten Partei berät, gehören neben Junghanns und Wanka auch Sven Petke und der Europaabgeordnete Christian Ehler. Außerdem die Vorsitzenden der einflussreichsten Kreisverbände, Saskia Funck (Potsdam-Mittelmark), Dieter Dombrowski (Havelland) und Michael Stübgen (Elbe-Elster). Er sagt nur: "Wir haben Pläne geschmiedet, wie wir uns zu den Landtagswahlen aufstellen." Es gehe um die Kampagnefähigkeit, um Inhalte und um ein "überzeugendes Personalkonzept".

Koalitionspartner SPD besorgt

Die SPD hatte offenbar fest damit gerechnet, dass am Mittwoch die Entscheidung über den Landesvorsitz fällt. Der Koalitionspartner zeigt sich besorgt, ob die Operation Staffelübergabe gelingt. "Das Petke-Lager will sich den Minimal-Konsens Wanka gut bezahlen lassen", konstatiert ein führender SPD-Mann. Die geplante geordnete Übergabe drohe zur Hängepartei zu werden, bei der die künftige Vorsitzende bald beschädigt sei.