Ein Beamter des Finanzamtes Cottbus hat zugegeben, über mehrere Jahre hinweg Steuern in Millionenhöhe hinterzogen und veruntreut zu haben. Der 31-jährige Berliner fälschte Steuerbescheide und leitete das zurückerstattete Geld auf die Konten seiner Ehefrau und eines Freundes in der Hauptstadt um. Der Tatverdächtige sitzt seit Anfang des Monats in Untersuchungshaft.

Die Finanzverwaltung war Thomas Sch. bei Prüfungen der Innenrevision im Mai 2008 auf die Spur gekommen. Laut Haftbefehl soll der 31-Jährige vom 4. Juni 2004 bis April dieses Jahres hohe Summen veruntreut haben. Seine Masche: In 29 Fällen manipulierte er bereits abgeschlossene Einkommensteuerklärungen von ihm unbekannten Bürgern nachträglich so, dass hohe Rückerstattungen fällig wurden. Anschließend soll er das Geld seiner Behörde – nach Angaben der Staatsanwaltschaft 1,029 Millionen Euro – durch Änderung der Bankverbindung auf das Konto seiner mitbeschuldigten Ehefrau aus Neupetershain (Oberspreewald-Lausitz) und eines Mitbewohners seiner Wohngemeinschaft in Berlin umgeleitet haben.

Am Schreibtisch festgenommen

Am 3. Juli erließ ein Richter Haftbefehl gegen Thomas Sch., der Vater zweier schulpflichtiger Kinder ist. Vier Tage später wurde der 31-Jährige an seinem Schreibtisch im Finanzamtes Cottbus festgenommen. „Sein Arbeitsplatz sowie die Wohnungen der beiden Mitbeschuldigten in Neupetershain und Berlin wurden durchsucht und Beweise gesichert“, sagte Detlef Hommes, Sprecher der Staatsanwaltschaft Cottbus. Beamte beschlagnahmten außerdem rund 250.000 Euro auf dem privaten Konto des Tatverdächtigen.

In einer schriftlichen Erklärung hat der in Untersuchungshaft sitzende 31-Jährige unterdessen ein weitgehendes Geständnis abgelegt. Nach Medienberichten gibt Thomas Sch. darin an, alleine gehandelt zu haben. Zwar seien seine von ihm getrennt lebende Ehefrau und der Mitbewohner seiner Wohngemeinschaft in Berlin Mitinhaber der Konten, sie hätten aber angeblich keine Verfügungsgewalt darüber gehabt. Die Staatsanwaltschaft prüft dennoch die Beteiligung des Mitbewohners.

Schwerer Fall der Steuerhinterziehung

Nach Auskunft des Sprechers der Staatsanwaltschaft Cottbus gehen die Ermittler von besonders schwerer Steuerhinterziehung und Untreue aus. Laut Strafgesetzbuch können derartige Delikte mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet werden. Sollte das Strafmaß nach dem Gerichtsprozess gegen Thomas Sch. mehr als zwölf Monate betragen, dann muss der Finanzbeamte seine Beamtenlaufbahn aufgeben.

Thomas Sch. arbeitete seit 1997 beim Finanzamt in Cottbus. Seinen gehobenen Lebensstil und den Besitz von zwei Eigentumswohnungen soll er Kollegen gegenüber stets mit einer Erbschaft begründet haben. Nach seiner Festnahme wurde Sch. von allen Finanztätigkeiten entbunden. Zudem hat er Hausverbot im Finanzamt Cottbus.

Das Finanzministerium in Potsdam will jetzt prüfen, ob in der Bearbeitung der Steuererklärungen möglicherweise eine Lücke im System vorliegt. Von den fingierten Steuerbescheiden seien allein der Fiskus, nicht aber einzelne Steuerzahler betroffen, hieß es.