Nach dem Brand in der dreisprachigen Internationalen Schule Potsdam (DIS) am Dienstagmorgen in Potsdam-Babelsberg mussten Schüler, Eltern und Lehrer am Mittwoch improvisieren: Die Zeugnisausgabe für die gut 50 Kinder der Privatschule fand in der "Reithalle A" des städtischen Hans-Otto-Theaters an der Schiffbauergasse statt. Wie durch ein Wunder waren die Urkunden von den Flammen verschont geblieben.
Selbstgebackener Kuchen und Obst waren im Foyer aufgebaut. Dafür hatte der Förderverein der Schule die Eltern um Hilfe gebeten, berichtet Vorsitzende Judith Lenk. Sie kämpft mühsam mit den Tränen, kann Trauer und Schrecken über das Feuer und die mutmaßliche Brandstiftung in der "kinderfreundlichsten Stadt Deutschlands" kaum verbergen. "Wir haben vor drei Jahren die Wände gemalert, soviel Mühe und Geld hineingesteckt, und nun: alles kaputt", sagt Judith Lenk.
Traurig sind auch viele Eltern: "Nicht nur das Schulmaterial, auch die Bastelarbeiten der Kinder sind für immer verloren", sagt Matthias Opitz. Er war mit Tochter Henriette und Frau zur Zeugnisfeier gekommen.
Zur Ursache des Feuers oder möglichen Tätern gibt es nach Angaben der Kripo noch keine Spur.
Schulvereinsvorsitzende und Geschäftsführerin Heike Dietzel sprach allen Mut zu, denn schon lange vor dem Brand war ein Umzug in ein ehemaliges Realschulgebäude in Potsdam-Waldstadt in die Wege geleitet worden: "Die neue Schule wird schön werden, ihr werdet sehen. Wir werden alles dafür tun, dass Ihr euch dort wohlfühlt", kündigte sie an. Unklar ist noch, wo die 75 Kinder der neuen Kita des DIS e.V. unterkommen sollen. Der Betrieb sollte im August im abgebrannten Schulgebäude beginnen.
Ab 1. September soll zumindest der Schulunterricht in der Waldstadt wieder starten, dann bereits mit siebzig Kindern. Doch bis dahin wartet noch viel Arbeit auf den Schulverein. "Wir hatten schon viele frisch gekaufte Schulmöbel eingelagert. Davon ist vieles verbrannt", sagte Heike Dietzel. Jetzt kämpfen Träger- und Förderverein gemeinsam für den notwendigen Ersatz. Willkommen ist deswegen auch materielle Hilfe in Form von Schulausstattung, Sportgeräten und anderem mehr.
Doch so recht können Eltern und Schule die Zukunft noch nicht planen. Zu sehr beschäftigt sie noch der Brand - und die angespannte Situation in der Nachbarschaft. "Mit den Nachbarn hat es fast von Anfang an Streit gegeben", sagt Heike Dietzel. Es fällt ihr, vielen Eltern und Kindern schwer, zu glauben, das Feuer habe nichts mit den Streitigkeiten zu tun.
In der von Villen geprägten Umgebung der abgebrannten Schule nahe dem Griebnitzsee hatten sich Anlieger in der Vergangenheit immer wieder über Lärm beschwert. Das bestätigte auch der Kommunale Immobilenservice (KIS) der Stadt Potsdam als Vermieter. Dreimal zuvor hatte es in der Schule schon gebrannt. Außerdem waren Computer gestohlen und dann zerstört im Griebnitzsee wieder aufgefunden worden.
Marion Reinsch betreibt in direkter Nähe der Schule eine Pension. "Natürlich gab es Lärm, und wir haben uns auch gemeinsam mit anderen Anwohnern beschwert", sagt sie. Aber auf die von Schule und Eltern geäußerte Vermutung, der Brandstifter komme aus der Nachbarschaft, reagiert sie empört: "Hier leben seriöse Leute, niemand würde eine Schule anzünden - zumal jeder wusste, dass sie umzieht." Durch den Brand sind Marion Reinschs Sorgen um den guten Ruf der Gegend noch größer geworden. "Wir leben hier von der Ruhe. Ist es damit vorbei, können wir zumachen. Ich hoffe, die Polizei klärt alles auf. Denn nicht nur ich fühle mich durch die Mutmaßungen diffamiert", so Marion Reinsch.








