Bauarbeiten

Autobahn nach Polen wird zum Nadelöhr

Auf der Autobahn 12, der Hauptschlagader zwischen Deutschland und Polen, kommt es häufig zu schweren Auffahrunfällen an Stauenden. Nun wird die Situation auf den 56 gefährlichen Kilometern zwischen Frankfurt (O.) und Berlin durch eine Baustelle zusätzlich verschärft.

Foto: Schroeder Thomas / Thomas Schröder

Eine Baustelle, die erst im kommenden Jahr geräumt wird, behindert den Verkehr auf der Autobahn 12 erheblich. Durch die Arbeiten besteht sowohl in Richtung Frankfurt (O.) als auch Berliner Ring große Staugefahr. Gerade auf der A 12, der Hauptschlagader für den Warenverkehr per Lkw zwischen Deutschland und Polen, ist es häufig zu schweren Auffahrunfällen an Stauenden gekommen. Sie ereigneten sich vor allem am Rückstau der Lkw und Pkw-Anhänger-Gespanne, der sich bis zum Wegfall der Kontrollen regelmäßig von der Grenze aus in westliche Richtung aufgebaut hatte.

Eine Rolle spielt auch, dass der A12 streckenweise die Standstreifen fehlen. Diese werden derzeit auf einem sechs Kilometer langen Abschnitt zwischen Storkow und Fürstenwalde-West angelegt. Die Folge ist, dass bis 2009 pro Richtung nur eine Fahrspur zur Verfügung steht.

Behinderung beim Einfädeln

Durch das Nadelöhr quälen sich Pkw zwischen Lastwagen, der Verkehr ist zähflüssig, vor dem Baustellenbereich kommt es zu Staus. Neuralgischer Punkt ist die Stelle, an der die beiden Spuren pro Richtung zu einer Fahrbahn verengt werden. Viele halten sich nicht an das „Reißverschlussprinzip“, oft fahren die Lkw zu dicht auf und behindern Pkw beim Einfädeln.

Auch kleinere Unfälle im Baustellenbereich haben erhebliche Behinderungen zur Folge. Bis zu 35.500 Fahrzeuge müssen täglich durch den Engpass, davon sind 30 Prozent Lastwagen. Als Vorsichtsmaßnahme wird schon zehn Kilometer vor der Baustelle eine Tempobegrenzung verordnet – erst auf 100, später auf 80 Stundenkilometer. Schon das verärgert viele Fahrer, denen das vermeintliche „Schneckentempo“ Zeit kostet.

Als weitere Sicherheitsmaßnahme auf den 56 gefährlichen Kilometern zwischen Frankfurt (O.) und Berlin sind ehrenamtliche Stauhelfer der Johanniter mit dem Motorrad unterwegs. Zu ihnen zählen Raymund Schmidt und Jean-Christopher Blume. Sie patrouillieren auf der A 12 meist von Freitag bis Sonntag. Wenn es kracht, sind sie häufig die ersten Helfer am Unfallort. „Wir sondieren die Lage, fordern Rettungskräfte an und weisen sie später ein, sichern die Unfallstelle ab und leisten erste Hilfe“, beschreibt Schmidt die Aufgaben.

Sein Einsatzgebiet ist eigentlich der östliche Berliner Ring. Doch seit die A 12 erneut zur Staustelle geworden ist, verstärkt der Leiter der Motorradstaffel im Regionalverband Oderland-Spree dort die Johanniter-Stauhilfe. Angesichts mangelnder Rücksichtnahme unter den Verkehrsteilnehmern seien Standstreifen auf der A 12 sehr wichtig, betonen die Stauhelfer. „Ein defektes Fahrzeug kann dann schneller aus dem fließenden Verkehr geholt werden, das erhöht die Sicherheit auf der Autobahn erheblich“, sagt Schmidt.

Überholverbot für Brummis

Das Absichern liegen gebliebener Fahrzeuge gehört zu den häufigsten Aufgaben der ehrenamtlichen Helfer. „Auf der zweispurigen A 12 gilt Überholverbot für Brummis. Ohne Standstreifen steht ein defekter Lkw mitten auf der Fahrbahn, die anderen Laster müssen sich auf die linke Spur zwischen die Pkw drängeln, um vorbei zu kommen.

Insgesamt engagieren sich rund 60 Brandenburger Motorradfahrer ehrenamtlich auf den märkischen Autobahnen, weitere werden gesucht: Tel. 030/816901102.