Im Prozess um die Massenkarambolage im Sandsturm auf der A19 bei Rostock haben zwei weitere Zeugen von einem plötzlichen Auftauchen der tödlichen Sandwolke gesprochen.

Plötzlich habe sich eine weiße Wand aufgetan, er habe nicht einen Meter weit schauen können, sagte vor dem Amtsgericht Rostock am Mittwoch ein 74-jähriger Autofahrer aus Sandersdorf (Sachsen-Anhalt), dessen Frau bei dem Unfall im April 2011 tödlich verunglückt war.

Er bestätigte damit - wie eine 44-jährige Berlinerin - die Aussage der 53-jährigen Angeklagten aus Brandenburg, der fahrlässige Tötung vorgeworfen wird. Sie soll in die Sandwolke gefahren sein, ohne das Tempo angepasst zu haben. Sie hat dies in der Anhörung bestritten.

Mehr als 80 Fahrzeuge an Unfall beteiligt

Die Anklage geht davon aus, dass die Wolke aus rund 650 Metern zu sehen war. An dem Unfall waren mehr als 80 Fahrzeuge beteiligt. Acht Menschen starben, rund 130 wurden verletzt.

Die für Mittwoch angekündigte Aussage von Gutachtern fiel aus. Die Experten, die zum Entstehen der Wolke und zu ihrer Wahrnehmung aus der Ferne Stellung nehmen sollten, mussten ihre Projektoren wieder einpacken. Der Richter sprach von einem Missverständnis.

Vor der Verhandlung gab es ein Gespräch zwischen Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung über eine Verfahrenabkürzung. Es wurde dabei kein Ergebnis erzielt. Die Verhandlung wird nun mit der Anhörung von Zeugen fortgesetzt. Der Richter hatte zu Beginn des Prozesses nicht ausgeschlossen, dass sich das Verfahren bis Jahresende hinziehen könnte.

dpa/mim