Ein 45-Jähriger hat gestanden, im Spreewald den Freund seiner Ex-Partnerin erstochen und die Frau lebensgefährlich verletzt zu haben. Das sagte die Cottbuser Oberstaatsanwältin Petra Hertwig am Donnerstag. Der Mann habe bei der Vernehmung angegeben, die kürzliche Trennung nicht verkraftet zu haben.

Die 36 Jahre alte Frau liegt in einer Klinik. Gegen den 45-Jährigen wurde Haftbefehl erlassen. Das Familiendrama ereignete sich am späten Mittwochabend in Neu Lübbenau (Dahme-Spreewald) auf dem Grundstück der Frau. Ihr neuer Freund war 44 Jahre alt.

In der Nacht zu Donnerstag gegen 23 Uhr war Wilhelm K. in das Haus der 36 Jahre alten Corinna B. im brandenburgischen Neu Lübbenau (Dahme-Spreewald) eingedrungen, in dem die Frau mit ihrem neuen 44 Jahre alten Partner lebte.

Kurze Zeit später hörten Anwohner laute Schreie aus dem Gebäude und entdeckten dann vor dem Haus die schwer verletzte Corinna B. Daraufhin alarmierten sie Polizei und Rettungsdienst. Im Haus fanden die Beamten später die Leiche des Lebensgefährten der Frau. Der mutmaßliche Täter wurde noch im Laufe der Nacht in unmittelbarer Nähe des Anwesens festgenommen.

Haftbefehl gegen Wilhelm K.

Ines Filohn, Sprecherin der zuständigen Polizeidirektion Brandenburg Süd, bestätigte das Auffinden eines Toten und einer Schwerverletzten sowie die vorläufige Festnahme eines Verdächtigen. Sie sprach am frühen Donnerstagvormittag gegenüber dieser Zeitung von einer Beziehungstat. Nähere Einzelheiten werde die Staatsanwaltschaft Cottbus mitteilen.

Deren Sprecherin Petra Hertwig teilte mit, ihre Behörde ermittle wegen eines vorsätzlichen Tötungsdeliktes und werde gegen den Festgenommenen Haftbefehl erlassen.

Dramatische Szenen müssen sich in dem Wohnhaus an der Hauptstraße des Ortes sechzig Kilometer südlich von Berlin abgespielt haben. Dramatisch war das Geschehen auch noch für die Polizisten und Rettungskräfte, die kurz nach dem Anruf der Anwohner am Tatort eintrafen. Sie waren unter dem Stichwort „Verletzte nach häuslicher Gewalt“ in die Hauptstraße von Neu Lübbenau geschickt worden. Dort überschlugen sich dann die Ereignisse. Im Hof des Gebäudes stießen Polizisten und Sanitäter zunächst auf Corinna B., die versucht hatte, sich zu den Nachbarn zu retten.

Tatverdächtiger verwüstete Haus

Während die Rettungskräfte sich um die durch mehrere Messerstiche Verletzte kümmerten, erhielten sie die Meldung, der mutmaßliche Täter befinde sich noch im Haus und sei als gefährlich einzustufen. Daraufhin zogen sich die Sanitäter mit der Frau zunächst in ein Nachbarhaus zurück und schlossen sich vorsichtshalber ein. Währenddessen randalierte Wilhelm K. im Hof des Gebäudes weiter und soll einem Ermittler zufolge unter anderem den dort geparkten Pkw seines Nebenbuhlers demoliert haben.

Während sich die Rettungskräfte noch mit der Verletzten in dem abgeschlossenen Raum aufhielten, drang plötzlich Qualm aus dem Anbau des Hauses. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass K. auch den Brand gelegt hat. Erst nach den Löscharbeiten durchsuchten Polizeibeamte und Feuerwehrleute das gesamte Gebäude. Dabei stießen sie auf die Leiche des erstochenen 44-Jährigen.

Außerdem stellten die Polizisten fest, dass Wilhelm K. vor dem Angriff auf seine Ex-Freundin und deren neuen Partner heftig randaliert und einen Großteil der Wohnungseinrichtung zertrümmert hatte. Der Verdächtige irrte nach dem Drama noch längere Zeit am Tatort herum und konnte dort schließlich festgenommen werden.

„Und überall war Blut“

Corinna B. betreibt nach Informationen der Berliner Morgenpost ein Entrümpelungsunternehmen in Berlin, wohnt aber in Neu Lübbenau. Ihr jetzt getöteter Partner soll erst vor drei Wochen bei ihr eingezogen sein. Über ihren Ex-Freund hieß es im Umfeld von Tatverdächtigem und Opfern, er sei mit der Trennung „absolut nicht klar gekommen“, habe die 36-Jährige und ihren neuen Lebensgefährten mehrfach bedroht. Die Frau soll die Drohungen allerdings nicht sonderlich ernst genommen haben, hieß es am Donnerstag aus Polizeikreisen.

Polizei und Staatsanwaltschaft wollten am Donnerstag zu den Identitäten von Verdächtigem und Opfern sowie zu Motiv und Ablauf der Tat „aus ermittlungstaktischen Gründen“ offiziell keine detaillierten Auskünfte geben. Die Vernehmung von Wilhelm K., der in einem Krankenhaus liegenden Frau und weiterer möglicher Zeugen dauerten noch an, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Die Ermittlungen gestalten sich überaus schwierig. Da das Innere des Hauses durch den 45-Jährigen völlig verwüstet wurde, der Anbau durch das Feuer teilweise zerstört. „Und überall war Blut“, sagte ein Ermittler vor Ort. Die Experten der Spurensicherung begannen bereits in der Nacht mit ihrer Arbeit, am Donnerstagnachmittag dauerte die noch an.

Psychologe: Anzeichen drohender Gewalt früh einschätzen lernen

Psychologe Norbert Kröger ist Experte für Kriminalitäts- und Gewaltopfer, er führt eine Praxis für Psychotraumatologie in Prenzlauer Berg. Mit ihm sprach Morgenpost-Redakteur Peter Oldenburger, wie Tragödien wie in Neu Lübbenau vermeidbar sind.

Berliner Morgenpost: Was geschieht mit der Psyche eines Menschen, wenn er plötzlich aus Eifersucht zum Gewalttäter wird?

Norbert Kröger: Solche Taten wie in Neu Lübbenau sind das Ende einer kurzen oder langen Beziehungsspirale. Besonders Männer können – eventuell durch Alkohol oder Drogen enthemmt – zu Zeitbomben werden. Eingeengt auf ihre Enttäuschung und Verärgerung reagieren sie beleidigt, fühlen sich in ihrer Ehre angegriffen. Gerade, wenn die Frau einen neuen Partner hat und ihre Verliebtheit wahrnehmbar ist.

Treten solche Gewaltausbrüche eher plötzlich auf oder sind sie Schlusspunkt einer Entwicklung?

Bei Beziehungsdramen gibt es meist einen längeren oder kürzeren Vorlauf mit Drohungen, verzweifelten Bitten und mitunter auch körperlicher Gewalt. Spontane Gewaltausbrüche gibt es auch häufig. Dieses Verhalten finden wir bei Personen mit einem sehr hohen Aggressionspotential, leider auch bei nicht so impulsiven Menschen.

Wie kann eine solche Entwicklung frühzeitig erkannt werden?

Wer sich gefährdet fühlt, sollte sensibel bereits im Vorfeld Anzeichen sehen und einschätzen: verbale Drohungen, körperliche Gewalt von leichten Hieben bis zu Prügelattacken, vermehrte Reizbarkeit, Stalking oder Eifersucht mit übermäßigen Kontrollhandlungen.

Wann sollte man Anzeichen ernst nehmen und wie sollte man reagieren?

Sehr früh, etwa wenn man mit dem Beteiligten noch reden kann, auch mit Hilfe von Freunden oder Profis. Einen verbalen Streit sollte man nicht anheizen, etwa mit Aussagen wie „mit meinem Freund ist das viel schöner als mit Dir“.