Nach knapp 25 Jahren ist Schluss für Matthias Platzeck im Brandenburger Landtag: Nach der letzten Sitzung vor der Wahl im Herbst am Freitag räumt der SPD-Politiker seinen Platz im Potsdamer Plenarsaal. Für den neuen Landtag tritt er nicht mehr an. „Das ist schon ein Einschnitt“, sagt der 60-Jährige. „Aber nach einem Vierteljahrhundert kann man sagen: Jetzt ist es auch gut.“

Seit der ersten Sitzung nach der Wende im Jahr 1990 gehörte Platzeck dem Brandenburger Parlament an – als Umweltminister und elf Jahre lang als Ministerpräsident, unterbrochen von einem vierjährigen Intermezzo als Oberbürgermeister von Potsdam. Nach einem Schlaganfall trat er im August 2013 als Brandenburgs Regierungschef zurück.

Bundesweit wurde Platzeck 1997 als „Deichgraf“ bekannt: Als Umweltminister kämpfte er gegen die Oderflut. Auch im vergangenen Jahr gab es eine Flut im Land, diesmal an der Elbe. „Da hieß es damals, das waren die vier Wochen Stress mit dem Hochwasser“, sagt Platzeck heute über seinen gesundheitlichen Zusammenbruch vor einem Jahr. Dabei werde vergessen, dass das ein längerer Prozess sei. „25 Jahre Regierungsarbeit hinterlassen ihre Spuren.“ Gesundheitlich gehe es ihm inzwischen wieder gut, betont er.

Für die Friedrich-Ebert-Stiftung nach Moskau

Eigentlich wollte sich Platzeck schon seit seinem Rücktritt als Ministerpräsident im vergangenen Sommer mehr Ruhe gönnen. Stattdessen übernahm er neue und behielt alte Aufgaben – als Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums oder in Aufsichtsräten und Stiftungen. Erst in der vergangenen Woche reiste er für die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung zu politischen Gesprächen nach Moskau.

Im Potsdamer Parlament dagegen hat er sich seit Herbst rargemacht. Nur einmal ergriff er das Wort – als es nicht zu vermeiden war. Bei einer namentlichen Abstimmung über einen Antrag der Grünen-Fraktion, dem Flughafen BER ohne Ausweitung des Nachtflugverbots weiteres Geld zu streichen, stimmte er mit seiner Fraktion mit „Nein“. Auch als der Landtag am Freitag über den BER debattierte schwieg der ehemalige Aufsichtsratschef des Flughafens.

BER als Wachstumsmotor für Region

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte gesagt, er halte das Projekt trotz aller Pannen schon jetzt für einen Wachstumsmotor für die Region. „Allein 2013 gab es mehr als 90 Unternehmensgründungen oder -erweiterungen im Umfeld des Flughafens“, sagte er im Landtag. 4000 neue Arbeitsplätze seien allein im letzten Jahr geschaffen worden.

Woidke bedauerte allerdings, dass die Bemühungen Brandenburgs zur Ausweitung der Nachtruhe entsprechend dem erfolgreichen Volksbegehren gescheitert seien, weil die Mitgesellschafter des Airports „auf der Bremse“ stünden. Der FDP-Abgeordnete Hans-Peter Goetz forderte Woidke daraufhin auf, ohne Zugeständnisse der Mitgesellschafter kein weiteres Geld für den Flughafen auszugeben. „Dann treten Sie bei der Finanzierung auf die Bremse!“ sagte Goetz.

Matthias Platzeck hielt keine Reden mehr, Anfragen stellte er auch nicht. „Nach meinem Gefühl ziemt es sich nicht, Anfragen an Minister zu stellen, die ich noch selbst berufen habe, oder Reden im Parlament zu schwingen“, sagt er dazu. „Ich habe die Fragen mit den Ministern daher stets direkt geklärt.“

Dabei ging es ihm um seinen Wahlkreis Prenzlau/Angermünde. „Der Nachrücker wäre ja nicht aus der Uckermark gekommen“, sagt er zu gelegentlich geäußerter Kritik, er hätte ja auch sein Landtagsmandat niederlegen können. Nun macht er noch Wahlkampf für seinen Nachfolger Uwe Schmidt, der in Platzecks altem Wahlkreis für die SPD als Direktkandidat antritt.

Platzeck kein Graukopf der Politik

Doch Vorfälle wie am Donnerstag im Landtag wird er in Zukunft nur noch als Außenstehender beobachten: Die Linken-Fraktionschefin Margitta Mächtig hatte erneut ihren Fraktionskollegen Norbert Müller verteidigt, der Bundespräsident Joachim Gauck als „widerlichen Kriegshetzer“ bezeichnet hatte. „Immer war es in der Geschichte so, dass für militärische Mittel in der Politik die Grauköpfe plädieren“, sagte Mächtig. „Und immer war es die Generation von Norbert Müller, die im Zweifel in den Krieg geschickt wurde.“

Matthias Platzeck ist nun kein Graukopf der Politik mehr. Er will nun Zeit mit der Familie im neuen Wochenendhaus in der Uckermark verbringen. Wenn ihm sein außerpolitisches Engagement die Luft lässt. Erst vor zwei Wochen hat er noch einen ehrenamtlichen Sitz im Aufsichtsrat des Babelsberger Oberlinhauses übernommen. Anfang Juli tritt Platzeck noch für die Wahl zum Aufsichtsrat der Babelsberger Filmstudios an.

dpa