Nach der Attacke auf einen Fluglehrer in luftiger Höhe muss sich ein 52 Jahre alter Flugschüler seit Montag vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) verantworten. Ihm wird vorgeworfen, dem Fluglehrer einen etwa ein Kilo schweren Bergkristall während eines Übungsfluges im Juni 2013 auf den Kopf geschlagen zu haben.

Es geht um versuchten Mord, Körperverletzung und Eingriff in den Luftverkehr. Der Verdächtige sitzt in Cottbus in Untersuchungshaft.

Der Flugschüler aus Berlin habe sich umbringen wollen, so heißt es in der Anklage. Deshalb habe er geplant, die Maschine in seine Gewalt zu bringen und abstürzen zu lassen. Das einmotorige Flugzeug war vom Flugplatz Strausberg (Märkisch-Oderland) gestartet.

Trotz des unvermittelten Angriffs gelang dem verletzten Fluglehrer eine Notlandung in einem Kornfeld bei Zäckericker Loose im Oderbruch. Dabei überschlug sich das einmotorige Flugzeug. Beide Insassen kamen verletzt ins Krankenhaus. Der 73 Jahre alte Fluglehrer gilt als erfahrener Pilot.

Das Tatwerkzeug war neben dem notgelandeten Sportflugzeug gefunden worden. Der Kristall gehörte dem Piloten – er soll solche Steine gesammelt haben. Warum er ihn mit in die Luft nahm, ist bislang unklar.

Unterschiedliche Angaben zum Tatablauf

Die Darstellungen zum Ablauf des Dramas zwischen Fluglehrer und -schüler vor Gericht könnten nicht unterschiedlicher sein.

So schloss der 73-Jährige eine sexuelle Belästigung des Flugschülers aus. „Das ist eine grenzenlose Lüge“, sagte er zum Prozessauftakt am Montag. Zuvor hatte der angeklagte 52-Jährige von sexuellen Übergriffen des Fluglehrers auf ihn am Boden und in der Luft berichtet.

Der tatverdächtige Flugschüler bestreitet den Vorwurf, dass er die Maschine zum Absturz bringen wollte. Nicht er habe den Piloten angegriffen, sondern sein Fluglehrer sei auf ihn losgegangen, hatte er zuletzt bei einer Vernehmung gesagt und nun auch im Prozess wiederholt.

Der Angeklagte berichtete, dass das Flugzeug nach einem Gerangel abgestürzt sei. Als es bereits am Boden aufgeschlagen sei, habe der Fluglehrer ein Messer gezückt, woraufhin er mit einem Stein zugeschlagen habe.

Der Flugschüler ist griechischer Staatsangehöriger, ein Dolmetscher übersetzte im Prozess.

Der Fluglehrer, der in Strausberg (Märkisch-Oderland) eine Flugschule betreibt, tritt als Nebenkläger auf. Er habe am Absturztag einen Schlag auf den Kopf verspürt und dem Schüler ins Gesicht gesehen. „Er hatte ein angstverzerrtes Gesicht, eine regelrechte Fratze.“

dpa/mim