Kurort

Bad Freienwalde könnte bald den Titel „Bad“ verlieren

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Jeanette Bederke

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Dem ältesten Kurort Brandenburgs droht der Verlust der staatlichen Anerkennung als Heilbad. Schon vor Jahren forderten staatliche Stellen Nachbesserungen. Doch bisher hat sich nichts getan.

Am Moorschlamm liegt es nicht. Von dem schwefelhaltigen Heilmittel gibt es noch genügend Vorräte in einem kleinen Teich. Und seine wohltuende Wirkung hat er auch nicht eingebüßt. Bereits seit 1975 wird das natürliche Heilmittel in Bad Freienwalde gestochen und vor Ort für Packungen und Bäder aufbereitet.

Doch jetzt ist das Moorheilbad in Gefahr. Brandenburgs ältester Kur- und Badeort droht seine offizielle staatliche Anerkennung als Heilbad – das höchste Prädikat, das in Deutschland in diesem Bereich vergeben wird – zu verlieren. Schon vor Jahren forderten staatliche Stellen Nachbesserungen. Doch die unterblieben.

Bei einer Überprüfung durch den Landesfachbeirat in diesem Jahr mussten die Experten feststellen, dass sich wenig getan hat. „Wir hatten schon damals Bedenken, erwarteten allerdings, dass sich das Kurwesen zum Hauptwirtschaftsfaktor der Stadt entwickelt“, sagt der Vorsitzende des Gremiums, Michael Siebke.

Auf Behandlungen von Rheuma spezialisiert

Ein klares Konzept ist aber nicht zu erkennen, will sich Bad Freienwalde doch gleichzeitig mit seinen vier Skischanzen als nördlichster Wintersportort Deutschlands etablieren. Dabei gibt es genügend Potenzial: Seit 1821 entwickelte sich Freienwalde zu einem Domizil für gut betuchte Gäste, wurden Moorbäder zur wichtigsten Behandlungsmethode.

Spezialisiert ist man in der Fachklinik auf die Behandlung entzündlicher rheumatischer Erkrankungen sowie Erkrankungen des Bewegungsapparats. Viel Geld floss in die Sanierung des alten Kurmittelhauses, das einst zur selben Zeit entstand wie das Brandenburger Tor in Berlin. Mit einer Kapazität von 120 Plätzen werden hier Patienten hauptsächlich ambulant behandelt – mit Physiotherapien auf Verordnung, Rezept oder für Selbstzahler.

So kommt auch jeder in den Genuss der wohltuenden Moorbäder und -packungen, aber auch Massagen und Krankengymnastik. Allerdings ist das Kurmittelhaus defizitär, am liebsten hätten Stadtväter und die AHG als Gesellschafter die ambulante Behandlung aus Kostengründen mit in die Fachklinik verlegt.

Touristische Infrastruktur bemängelt

Die Betreibung eines Kurmittelhauses ist allerdings Bedingung für die Anerkennung als Kurort, da die Klinik nicht alleiniger Anbieter des Heilmittels Moor sein dürfe, hat der Landesfachbeirat deutlich gemacht. „Da muss man sich halt was einfallen lassen, um wirtschaftlich zu sein“, sagt Siebke. Bemängelt wurde zudem die touristische Infrastruktur: Gäste finden nach der Insolvenz des größten Hotels im Ort und der Schließung eines weiteren kaum Übernachtungsmöglichkeiten in Bad Freienwalde. „Wir mussten schon häufig größere Gruppen wieder wegschicken, weil wir sie gar nicht bedienen können“, gesteht Kurdirektor Jens Lüdecke.

Auch das gastronomische Angebot ist nach Ansicht der Fachgutachter dürftig und ohne Vielfalt. Ohnehin können sich die Fachleute des Eindrucks nicht erwehren, dass wenig für die Werbung von Gästen getan wird. Nicht einmal mit dem Tourismusverband Seenland Oder-Spree sei Bad Freienwalde vernetzt. „Man versucht die Leute gar nicht in die Stadt zu holen, sondern sie möglichst draußen zu halten“, sagt Siebke.

Dreh- und Angelpunkt dabei ist die aus den 1970er-Jahren stammende, stark sanierungsbedürftige Beton-Hochbrücke, die die Stadt quasi teilt. Als Teilstück der Bundesstraße 158 verbindet das unansehnliche Bauwerk Berlin mit der polnischen Grenze. Tausende Schnäppchenjäger nutzen die Straße täglich und erzeugen Lärm und Abgase. Eineinhalb Jahre lang wurde über Alternativen diskutiert. Doch die meisten Stadtverordneten stimmten für den Erhalt der Brücke – im Interesse einer attraktiven Kurstadt ein Unding für den Landesfachbeirat.

Frist läuft noch bis März 2014

„Die Gäste fahren einfach dort vorbei, werden gar nicht angehalten, zu verweilen“, wundert sich Siebke. Er hat der Stadt nun eine Frist bis Ende März 2014 gesetzt. Bis dahin müssten ein schon lange eingeforderter Lärmaktionsplan und ein Flächennutzungsplan vorgelegt werden, der Kur- und Erholungsgebiete in ausreichender Zahl als Sondergebiete ausweist. „Es geht uns nicht darum, Bad Freienwalde den Kurortstatus abzuerkennen. Wir wollen, dass die Verantwortlichen in der Stadt endlich wach werden, sich auf ein Entwicklungsziel konzentrieren und sich ernsthaft damit auseinandersetzen“, so Siebke.

Wenn sich diesbezüglich aber nichts tue, seien jedoch „die Messen gesungen“. Auch die weiteren fünf Kritikpunkte – darunter ein Marketingkonzept auf der Grundlage des Kurentwicklungsplans von 2010 – müssten umgehend angegangen werden. „Wir müssen erheblich nachbessern. Wo wir auf private Investoren gesetzt haben, muss die Stadt neue Strategien überlegen“, so Bürgermeister Ralf Lehmann. Ob das gelingt, ist fraglich. „Wenn wir den Status als Kurort verlieren“, sagt der SPD-Abgeordnete Reinhard Schmook, „wäre das peinlich.“