Der neue Brandenburger Landtag in Potsdam verfügt jetzt auch über sein hoheitliches Wappen. An der Front des künftigen Plenarsaals wurde ein 1,80 Meter großer preußischer Adler aus Stahlblech installiert. Er wiegt mehr als 100 Kilogramm und ist weiß lackiert.
Damit geht er optisch ein wenig unter, denn auch die Wände des Parlaments sind weiß. Aber noch aus einem anderen Grund sind nicht alle mit der Farbwahl zufrieden. Denn der historische Märkische Adler ist rot.
Im Januar 2014 soll der Brandenburger Landtag im wieder aufgebauten Potsdamer Stadtschloss eröffnet werden. Übergeben wird das Haus bereits am 2. September von der Baufirma BAM Deutschland an das Finanzministerium als Bauherren.
Dutzende Beschwerden über den weiß lackierten Adler
Doch das neue Wappen erhitzt die Gemüter. Kaum wurde es das erste Mal gezeigt, sind bereits Dutzende Beschwerden über den weiß lackierten Adler aus Stahlblech bei der Landtagsverwaltung in Potsdam eingegangen, sagte Sprecherin Katrin Rautenberg am Montag.
Per E-Mail und telefonisch machen die Menschen ihrem Ärger Luft. Rot müsste das Tier aus ihrer Sicht sein – wie der historische Märkische Adler. Andere Kritiker befürchten, dass das Wappen angesichts der ebenfalls weißen Wände und Ausstattung untergeht.
Rautenberg ist die Kritik nicht fremd: Auch Landtagspräsident Gunter Fritsch hätte gern einen roten Adler gehabt. „Er gehörte jedoch nicht der Kunst-Kommission an“, erklärte die Sprecherin. Die Diskussion um die Farbwahl gibt es schon länger. Gegner des weißen Vogels wehren sich mit einer Online-Petition „Brandenburgs Adler ist rot! Erst recht im Plenarsaal!“. Bist Dienstagmittag hatten sich dort knapp 200 Unterstützer eingetragen.
Die erste Plenarsitzung unter weißem Adler ist für den 22. Januar 2014 vorgesehen. Noch vorher, also im alten Landtag, soll sich jedoch das Parlament mit der Farbwahl des Wappens befassen. Das fordern Gegner des weißen Hoheitszeichens in der Online-Petition.
„Der Landtag möge feststellen, dass der Märkische Adler im zukünftigen Plenarsaal des Brandenburger Landtages ein Abbild des Wappentieres gemäß Artikel 4 der Verfassung des Landes Brandenburgs ist und somit auch entsprechend dieses Artikels zu gestalten ist“, heißt es in der Petition.
Tatsächlich steht in den gesetzlichen Regelungen zur „Beflaggung im Land Brandenburg“, dass das Landeswappen einen nach rechts blickenden, roten Adler zeige. Und auch in der inoffiziellen Landeshymne „Märkische Heide“ wird im Refrain gesungen: „Steige hoch, Du roter Adler, hoch über Sumpf und Sand, hoch über dunkle Kiefernwälder Heil Dir, mein Brandenburger Land.“
Farbwahl sei Sache des Architekten Peter Kulka
Weißer Adler auf weißer Wand – da gehe das Wappen im Landtag doch „völlig unter“, meinte auch Tino Harder von der Otto Metallbau GmbH. Die Firma aus Zehdenick (Oberhavel) hat den Blech-Adler mit einem speziellen Wasserstrahllaser hergestellt. Die Farbe des Plenarsaal-Adlers sei ja schon länger ein Streitthema in Brandenburg, sagte Harder. „Persönlich finde ich rot viel schöner.“ Auf jedem märkischen Autokennzeichen prange schließlich ein roter Adler.
Die Baufirma BAM wollte sich nicht näher zu der Farbwahl äußern. Das sei Sache des Architekten Peter Kulka und des Finanzministeriums als Bauherren, erklärte BAM-Projektleiter Jens Heindorf. Er sprach von einem „symbolisch ganz markanten Teil“ der Ausstattung im neuen Plenum.
Die Brandenburger können sich selbst einen Eindruck verschaffen in dem Schloss der preußischen Könige, das nach Plänen des Dresdner Architekten Peter Kulka wieder aufgebaut wurde: Am 18. und 19. Januar 2014 ist ein Wochenende der offenen Tür geplant. Mit einer Festveranstaltung am 21. Januar 2014 soll das Gebäude dann offiziell eröffnet werden, bevor einen Tag später die erste Plenarsitzung ist.
dpa/sei




