Notlandung

Doppeldecker überschlägt sich nach missglücktem Start

In Brandenburg ist ein Doppeldecker kurz nach dem Start kopfüber in ein Kornfeld gestürzt. An Bord waren zwölf Passagiere und der Pilot. Fünf Menschen wurden verletzt.

Foto: Steffen Pletl

Der Pilot und zwölf Passagiere eines einmotorigen Propellerflugzeugs sind in der Nähe des Flugplatzes Bienenfarm (Havelland) nur knapp einer Katastrophe entgangen.

Nachdem der 33 Jahre alte Pilot am Sonnabend kurz nach dem Start ein Problem bemerkte hatte, wollte er den Doppeldecker vom Typ Antonow 2 landen. Die Maschine kam auf einem Getreidefeld herunter, wobei sie nach vorn kippte, sich überschlug und schließlich auf dem Dach liegen blieb.

Wie durch ein Wunder blieben der Pilot aus dem Landkreis Elbe-Elster und sieben seiner Passagiere bei dem Unfall unverletzt. Fünf Insassen des Doppeldeckers erlitten leichte Verletzungen, die im nahe gelegenen Krankenhaus in Nauen ambulant behandelt werden konnten. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung soll jetzt die Ursache für den Flugunfall untersuchen.

Auf dem Weg nach Usedom

Nach Angaben der brandenburgischen Polizeidirektion West war der Doppeldecker gegen 18.05 Uhr auf dem Flugplatz im Ortsteil Bienenfarm gestartet. An Bord der Antonow 2 befand sich eine Reisegruppe auf dem Weg ins Ostseebad Heringsdorf auf Usedom. Der rote Doppeldecker der Berliner Air Tempelhof Fluggesellschaft musste jedoch bereits unmittelbar nach dem Start notlanden.

Um welches Problem es sich handelte, blieb bis zum Sonntagabend unklar. Die mit einem 1000 PS starken Sternmotor bestückte Maschine hatte noch die Landstraße zwischen den Gemarkungen Berge und Paulinenaue überflogen, als sie nur etwa 600 Meter von der Startbahn entfernt auf einem noch nicht abgeernteten Getreidefeld wieder zu Boden ging.

Möglicherweise war der Boden durch die Regenfälle der vergangenen Woche zu weich, sodass die Bugräder der bereits leer rund 3500 Kilogramm schweren Propellermaschine bei der Notlandung darin einsanken.

Fest steht, dass sich das Kleinflugzeug auf dem Feld überschlug und praktisch "über Kopf" auf dem Dach und den Tragflächen mit mehr als 18 Meter Spannweite zu liegen kam. Bemerkenswert ist in jedem Fall, dass alle Insassen im Alter von 17 bis 52 Jahren aus eigener Kraft das Flugzeug verlassen konnten.

Die Feuerwehr des zuständigen Amtes Friesack rückte mit elf Fahrzeuge und 46 Einsatzkräften zum Unfallort an – und war verhältnismäßig wenig gefordert. So sicherten die Feuerwehrleute den Unfallort ab und verhinderten, dass Schaulustige dem Doppeldecker zu nahe kamen. Diesen Job übernahmen in der Nacht zu Sonntag Beamte der Polizei Havelland.

Tanks blieben unversehrt

Ein glücklicher Umstand war, dass die bis zu 1200 Liter fassenden Treibstofftanks bei der Bruchlandung unversehrt blieben, sodass kein Kerosin austrat und somit auch keine Explosionsgefahr bestand. Auch die Anzahl und die Schwere der Verletzungen bei den Flugzeuginsassen war erstaunlich gering.

"Zunächst waren nur drei Verletzte mit der Feuerwehr ins Krankenhaus nach Nauen gebracht worden. Eine Frau mit Schnittverletzungen sowie zwei Passagiere, die einen Schock erlitten hatten", sagte Polizeisprecherin Ingrid Schwarz am Sonntag.

Im Laufe des Abends waren dann noch zwei weitere Passagiere wegen leichter Prellungen und Schocks in die Klinik gebracht worden. Doch sämtliche Betroffenen konnten das Krankenhaus bereits nach kurzer Zeit wieder verlassen.

Unglücksstelle wird untersucht

Unterdessen hatten Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung bereits am Abend die Unglücksstelle inspiziert. Die Untersuchungen der verunglückten Maschine und der Notlandesstelle wurden am Sonntag fortgesetzt, auch im Beisein des Inhabers der Fluggesellschaft. Mit einem abschließenden Ergebnis der Experten sei erst in einigen Wochen zu rechnen, hieß es seitens der Polizei.

Bislang könnten keine Angaben zur Unfallursache gemacht werden, betonte Polizeisprecherin Ingrid Schwarz am Sonntag. Die Kriminalpolizei hat gleichzeitig ein Ermittlungsverfahren gegen den Piloten eingeleitet. Grund ist nach Angaben von Schwarz der Verdacht der Gefährdung des Luftverkehrs.

Robustes Modell

Der Flugzeugtyp Antonow 2 gilt als besonders robust und als größter einmotoriger Doppeldecker der Welt. Die Höchstgeschwindigkeit der 12,74 langen und 4,13 Meter hohen Maschine liegt bei rund 260 Stundenkilometern. Vollgetankt beträgt die Reichweite immerhin fast 1400 Kilometer.

Entwickelt wurde die Antonow 2 bereits in den späten 40er-Jahren des vorigen Jahrhunderts in der ehemaligen Sowjetunion vom gleichnamigen Flugingenieur Oleg Antonow. In Kreisen von Flugenthusiasten wird der Typ liebevoll "Tante Anna" genannt, wegen des starken Antriebs auch "Traktor der Lüfte".

Die "An-2", so die Kurzbezeichnung war das einzige Flugzeug der Nationalen Volksarmee, das von der NVA-Gründung 1956 bis zur Auflösung 1990 von den Luftstreitkräften der DDR genutzt wurde. Mit dem Flugzeugtyp werden auch heute noch regelmäßig Urlauber im Liniendienst auf die Nordseeinseln Sylt und Föhr transportiert.

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